Bei der Qualifikation geht es uns um das Können, nicht um Formalien

Interview mit Andreas Kufer, Geschäftsführer der Hechinger Bau GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kufer, die Hechinger Bau GmbH steht seit sieben Jahrzehnten für Baukompetenz im süddeutschen Raum. Wie haben Sie die letzten beiden Jahre zwischen Bauboom und pandemiebedingter Materialknappheit erlebt?

Andreas Kufer: Ich bin bisweilen überrascht, dass alles weiterhin so gut läuft, obwohl einige externe Faktoren nicht mehr ganz so günstig sind wie noch vor einigen Jahren: Die Darlehenszinsen für Baukredite ziehen gerade kräftig an, gleiches gilt für die Kosten für das benötigte Baumaterial sowie die Grundstückspreise – gerade in der Boom-Region zwischen München und Ingolstadt, wo wir beheimatet sind. Wir sehen derzeit noch keine Trendwende im Vergleich zu den wirtschaftlich sehr starken letzten Jahren. Allerdings wird sich dieser Zustand in den kommenden Monaten zum Negativen wenden.

Wirtschaftsforum: Wie hat Ihr Unternehmen die Pandemie erlebt?

Andreas Kufer: Wir sind relativ gut durch diese allgemein schwierige Zeit gekommen, auch wenn die entsprechenden Quarantänebedingungen mitunter doch sehr mühselig gewesen sind. Teilweise hatten wir aufgrund der Reisebeschränkungen Schwierigkeiten, unsere bewährten Arbeitskräfte aus Ländern wie Kroatien oder Portugal bei uns einzusetzen; ebenso mussten aufgrund entsprechender Quarantänezeiten bisweilen ganze Baustellen stillgelegt werden. Andere Branchen, etwa die Gastronomie, hat es jedoch wesentlich schlimmer erwischt – im Bausektor können wir uns im direkten Vergleich also nicht beschweren.

Wirtschaftsforum: Wie begegnen Sie der Preisexplosion im Baustoffsegment?

Andreas Kufer: Mit diesem Pro-blem haben wir schon seit letztem Frühjahr zu kämpfen: Besonders schwerwiegend waren die Preissteigerungen für Kunststoffe, Dämmmaterial sowie für Holz und Baustahl, wo wir uns Preissteigerungen von über 100% innerhalb von zwei Monaten gegenübersahen, was sich bei bestehenden Verträgen natürlich nicht kompensieren lässt – diese müssen wir selbstverständlich ungeachtet aktueller Marktverschiebungen erfüllen. Mit dem Krieg in der Ukraine ist noch einmal eine deutliche Verschärfung dieser Situation eingetreten: Denn nun führt die Materialknappheit nicht mehr nur zu Preisexplosionen, sondern gar zu deutlichen Lieferengpässen. Bei neuen Aufträgen vereinbaren wir mittlerweile entsprechende Preisgleitklauseln oder setzen mit unseren langjährigen Partnern im gegenseitigen Einvernehmen auf Lösungen, die den aktuellen Marktgegebenheiten Rechnung tragen, etwa indem wir uns vorbehalten, den besonders kostenintensiven Baustahl nicht zum Kalkulationspreis, sondern zum tatsächlichen Einkaufspreis abzurechnen. Die schon lange bestehende enge Zusammenarbeit und das gewachsene vertrauensvolle Verhältnis zu unseren Auftraggebern erweist sich nun als ein besonders wichtiger Faktor in unserem Alltagsgeschäft.

Wirtschaftsforum: Wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel, der auch die Baubranche besonders hart trifft?

Andreas Kufer: Wir bilden schon lange umfangreich im eigenen Unternehmen aus und stellen jedes Jahr etwa fünf neue Auszubildende ein, um dauerhaft genug fähiges Personal vorhalten und schon früh an uns binden zu können. Insgesamt kommt es uns aber vor allem auf das Können unserer Mitarbeiter an, und nicht so sehr auf etwaige formale Qualifikationen. Ein guter Maurer muss nicht unbedingt eine Ausbildung durchlaufen haben, um auf einer Baustelle wertvolle und hervorragende Arbeit zu verrichten. Beispiele aus unserem Unternehmen gibt es zur Genüge: Einer unserer fähigsten Poliere hat etwa keine Meisterprüfung abgelegt und ebenso wenig eine Polierschulung durchlaufen, beweist aber durch sein enormes Können jeden Tag aufs Neue seine Eignung für diese Position. Selbiges gilt für einige unserer Kran- und Baumaschinenführer, die wir auch ohne entsprechende formale Qualifikationen vertrauensvoll auf unseren Baustellen einsetzen. Trotz allem sind wir ständig auf der Suche nach weiteren Fachkräften in allen Baubereichen – Bauleiter, Polier/Vorarbeiter, Maurer oder Azubis.

 

Wirtschaftsforum: Ihr Unternehmen engagiert sich im klassischen Ein- und Zweifamilienhausbau wie auch bei der Errichtung deutlich größerer Objekte, von Werksgeländen bis hin zu öffentlichen Einrichtungen. Welches Segment ist am Ende des Tages reizvoller?

Andreas Kufer: Sowohl die kleineren Aufträge wie die großen Projekte sind für uns als Unternehmen unverzichtbar und haben beide ihren Reiz. Daran kann man auch schön die unterschiedlichen Präferenzen unserer Mitarbeiter erkennen: Denn während manche von uns am liebsten im gut überschaubaren Einfamilienhaus-Bereich tätig sind, beginnt für einige unserer Poliere die Definition einer Baustelle erst ab 30 Personen vor Ort.

Hechinger Bau GmbH
Raiffeisenstraße 4
85276 Pfaffenhofen an der Ilm
Deutschland
Tel.: +49 8441 895180
Fax: +49 8441 895199
bau@hechinger-gmbh.de
www.hechinger-gmbh.de

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Weltspartag: Warum Sparen allein noch kein Vermögen schafft

Weltspartag: Warum Sparen allein noch kein Vermögen schafft

Der Weltspartag soll seit mehr als 100 Jahren zum Sparen ermutigen. Dabei zeigt gerade die deutsche Geldgeschichte, dass Sparsamkeit allein nicht vor Vermögensverlusten schützt. Entscheidend ist nicht nur, wie viel…

Anlegerschutz in der EU: Wenn Regulierung die Anlagefreiheit begrenzt

Anlegerschutz in der EU: Wenn Regulierung die Anlagefreiheit begrenzt

Europäische Privatanleger können zahlreiche US-ETFs nicht erwerben, während der Handel mit einzelnen US-Aktien erlaubt bleibt. Auch das Verbot bestimmter Brokervergütungen und neue steuerpolitische Vorhaben werfen Fragen auf: Wo schützt Regulierung…

Der Schwarze Tod: Wie die Pest den Wert von Arbeit und Land veränderte

Der Schwarze Tod: Wie die Pest den Wert von Arbeit und Land veränderte

Die Pest vernichtete im 14. Jahrhundert schätzungsweise ein Drittel bis die Hälfte der europäischen Bevölkerung. Doch während Millionen Menschen starben, blieben Land und andere Produktionsmittel weitgehend erhalten. Das veränderte die…

Aktuellste Interviews

„Die Medikamente kommen aus der Steckdose“

Interview mit Dennis Meyer-Philippi, Co-Founder der tantum sana® GmbH

„Die Medikamente kommen aus der Steckdose“

Als seine Großmutter pflegebedürftig wurde, erlebte Dennis Meyer-Philippi aus nächster Nähe, wie schnell die Medikamentenversorgung zu Hause zur Belastungsprobe wird. Daraus entstand maja sana®: ein digitaler Tablettenspender, der die häusliche…

Weltweit erfolgreich.  Nah an den Menschen.

Interview mit Daniela Rehm, Geschäftsführerin der Vorwerk Austria GmbH & Co. KG

Weltweit erfolgreich. Nah an den Menschen.

Persönliche Beziehungen sind in einer zunehmend digitalen Welt wertvoller denn je. Vorwerk baut seit mehr als 140 Jahren auf dieses Prinzip und verbindet die Stärke des Direktvertriebs mit kontinuierlicher technologischer…

„Unsere Mission? Gesundes Sitzen und Schlafen!“

Interview mit Charalampos Perezidis, Geschäftsführer der Polster Aktuell Essen GmbH & Co. KG

„Unsere Mission? Gesundes Sitzen und Schlafen!“

An 14 Standorten von Lübeck bis Hanau vertreibt Polster Aktuell in mehreren einzelnen Gesellschaften hochwertige Sitz- und Schlaflösungen. Der Schlüssel zum langjährigen Unternehmenserfolg liegt dabei laut Geschäftsführer Charalampos Perezidis nicht…

TOP