„Mit dem, was wir heute erreicht haben, hätte ich vor zehn Jahren nie gerechnet!“

Interview mit Sven Müsing, Geschäftsführender Gesellschafter der MLL Lamellensysteme GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Müsing, Ihr Unternehmen engagiert sich in der Entwicklung und Fertigung hochwertiger Lamellensysteme – wo genau kommen Ihre Lösungen zum Einsatz?

Sven Müsing: Grundsätzlich stellen wir Aluminiumlamellen in jeglicher Form her, aus denen wir im Anschluss Lamellenfassaden und Sonnen- beziehungsweise Wetterschutz- und Lüftungsgitter für Gebäude fertigen. Diese können dann entweder in die Gebäudehülle eingesetzt oder außen vor den Fenstern verschraubt werden. In Verbindung mit einem Fliegen- und Vogelschutzgitter, das durch eine entsprechende Aufnahmenut eingesetzt werden kann, ermöglicht diese Vorrichtung dann eine optimale Nachtauskühlung des jeweiligen Gebäudes, sodass nachts durch das geöffnete, aber gesicherte Fenster ein nachhaltiger Luftaustausch erfolgen kann, der für ein angenehmes Raumklima am nächsten Tag sorgt. Dabei sind unsere Lamellen nicht nur stocher- und schiebewassersicher, sondern zudem aerodynamisch dergestalt geformt, dass sie die Außenluft elegant ins Gebäude, beziehungsweise, sofern dies baulich sinnvoll möglich ist, auf der gegenüberliegenden Fensterseite wieder ins Freie leiten.

Zentrales Ziel unseres Ansatzes ist es dabei, dem Kunden auch jenseits der Lamellen eine gesamtheitliche Lösung aus einer Hand anbieten zu können – unter anderem auch mit sämtlichen Kantteilen und Abschlusselementen, die bei der Anbringung am Gebäude benötigt werden.

Wirtschaftsforum: Welche Gebäudearten sind für den Einsatz dieser Technologie besonders geeignet?

Sven Müsing: Wir sehen unsere Lösung unter anderem als sinnvollen Beitrag zur Verbesserung der Nachhaltigkeitsbilanz im Gebäudesektor – schließlich entfallen dadurch aufwendige Gebläse- und Umluftanlagen, da wir ganz auf eine natürliche Luftzirkulation setzen. Infolgedessen eignen sich unsere Lamellenfassaden insbesondere für Objekte, in denen tagsüber ein hohes Aufkommen an Personen gegeben ist, die sich dank der Nachtauskühlung dann nicht mehr in der abgestandenen Raumluft aufhalten müssen. Neben Bürokomplexen, Krankenhäusern und Pflegeheimen engagieren wir uns deshalb insbesondere im Rahmen der Errichtung und Sanierung von Schulen und Kindertagesstätten. Kürzlich haben wir eine Schule in Luxemburg sogar vollständig mit unseren Lamellen eingehaust, sodass dort nun problemlos eine Durchströmung des ganzen Objekts erfolgen kann.

Wirtschaftsforum: Ein Geschäftsfeld, das keine Serienfertigung kennt.

Sven Müsing: Wir haben auch Kunden, für die wir kleine Serien produzieren, weil sie für ihr jeweiliges Anwendungsfeld immer wieder das gleiche Bauteil in derselben Größe benötigen. Ansonsten liegt unser Bestreben hingegen in der Tat in der millimetergenauen Fertigung auf Kundenwunsch. Gerade bei unseren Wetterschutzgittern und Lamellenfassaden, die oft auch zur Verkleidung von technischen Vorrichtungen am jeweiligen Gebäude eingesetzt werden, bewegen wir uns ohnehin konsequent im Projektgeschäft. Dabei haben wir unsere Fertigungstiefe Anfang des Jahres noch deutlich erhöht, als wir uns entschlossen, eine eigene Pulverbeschichtung aufzubauen.

Damit können wir nun noch flexibler fertigen und haben zudem unsere eigene unternehmensinterne Nachhaltigkeitsbilanz weiter verbessert – schließlich entfallen nun die aufwendigen Transporte zu unserem ehemaligen Auftragnehmer und der damit einhergehende Verpackungsmüll. Darüber hinaus können wir dank dieser Maßnahme trotz unseres starken Wachstums in den letzten Jahren nun noch flexibler im Markt agieren: Von der technischen Klärung bis zur Auslieferung auf der Baustelle vergehen bei uns im Durchschnitt nur vier Wochen – eine Schlagzahl, an der wir uns auch in Zukunft orientieren wollen.

Wirtschaftsforum: Welche Veränderungen gingen mit diesem robusten Wachstum einher?

Sven Müsing: Mit dem, was wir heute erreicht haben, hätte ich vor zehn Jahren niemals gerechnet. Vor vier Jahren haben wir noch in Hamburg auf einem 8.000 m2 großen Grundstück mit 2.500 m2 Produktionsfläche gefertigt. Als wir hier in Ahrensburg dann in einem Neubaugebiet ein Grundstück mit über 12.000 m2 Fläche erworben haben, erfolgte damit bereits eine Ausweitung der Produktionsfläche auf über 3.600 m2. Ein Jahr später kam das nächste Grundstück dazu, mit weiteren 3.000 m2 Produktionsfläche, bevor dieses Jahr mit unserer hausinternen Pulverbeschichtung schon die nächste Erweiterung folgte.

Personell haben wir uns ähnlich rasant vergrößert und seit September letzten Jahres zwei Dutzend neue Mitarbeiter gewinnen können. Auch die makroökonomischen Krisen der letzten Jahre konnten wir gut meistern – dank einer stetig steigenden Nachfrage nach unserer Lösung, einem überzeugenden Marketing, einem verlässlichen Vertriebsaußendienst und einem tollen Team, das beeindruckend zusammenhält.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Bau

Nachhaltiger Holzbau neu definiert

Interview mit Klaus Gruber, Geschäftsführer der GRUBER.HAUS GMBH

Nachhaltiger Holzbau neu definiert

Holz ist ein wunderschöner, nachhaltiger und zunehmend beliebter Baustoff, der nicht nur ästhetische Qualitäten bietet, sondern auch umweltfreundlich ist. In einem Interview mit Wirtschaftsforum erzählt Klaus Gruber, Geschäftsführer der GRUBER.HAUS…

Integrierte Wertschöpfung im Wohnbau

Interview mit Rudolf Wagner, Vertriebsleiter der ETZI-Group GmbH

Integrierte Wertschöpfung im Wohnbau

Steigende Baukosten, knapper Wohnraum und akuter Fachkräftemangel setzen die Bauwirtschaft massiv unter Druck. Gleichzeitig wächst der Bedarf an leistbaren, nachhaltigen und effizient realisierbaren Wohnlösungen. Dass diesen Herausforderungen beispielhaft begegnet werden…

Die erfolgreiche Bolton-Wohnung

Interview mit Peter Bol, CEO der Bolton Ontwikkeling & Bouw

Die erfolgreiche Bolton-Wohnung

Zwei Schulfreunde gründen ein Unternehmen, ihre Söhne führen es fort. So lässt sich die Erfolgsgeschichte von Bolton aus dem niederländischen ­Woerden zusammenfassen. Ein weiterer Glücksfall ist die gelungene Zusammenarbeit von…

Spannendes aus der Region Kreis Stormarn

Das digitale Richtfeuer für Unternehmen im Wandel

Interview mit Dr. Michael Gösch, Geschäftsführer der Leading Lights GmbH

Das digitale Richtfeuer für Unternehmen im Wandel

Die digitale Transformation ist für viele Unternehmen eine zentrale Herausforderung, die nicht nur die Effizienz steigert, sondern auch neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnet. ­ Die Leading Lights GmbH hat sich als…

Einmal Mexiko und zurück im Kühlregal

Interview mit Konrad Boltersdorf, Geschäftsführer der Agora America GmbH

Einmal Mexiko und zurück im Kühlregal

Unter der Marke SOLPURO vertreibt die Agora America GmbH hochwertige Guacamole aus mexikanischen Avocados und beliefert zudem große Lebensmitteleinzelhändler und Gastronomieketten mit vielfältigen Eigenmarken. Mit Wirtschaftsforum sprach Geschäftsführer Konrad Boltersdorf…

Lösungen für die neuen  hybriden Arbeitswelten

Interview mit Simon Härke, Geschäftsführer der DEKOM GmbH

Lösungen für die neuen hybriden Arbeitswelten

Die DEKOM GmbH ist ein innovatives IT-Systemhaus, das sich auf hochwertige AV-Technik spezialisiert hat. Mit über 280 Mitarbeitern und 15 internationalen Standorten ist das Unternehmen ein führender Anbieter von Lösungen…

Das könnte Sie auch interessieren

Zukunft beginnt im Bestand

Interview mit Franziska Tagscherer, Geschäftsführerin der Wohnungsbau Aalen GmbH

Zukunft beginnt im Bestand

Die Wohnungsbau Aalen GmbH feiert ihr 90-jähriges Bestehen und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Was 1935 aus der Not heraus entstand, hat sich zu einem modernen Dienstleister entwickelt, der…

Mehr als nur Fassade

Interview mit Valentin App und Magnus App, geschäftsführende Gesellschafter der Rupert App GmbH & Co.

Mehr als nur Fassade

Von der Stange gibt es hier nichts. Denn jede Fassade ist einzigartig. Die Rupert App GmbH & Co. in Leutkirch macht fast alles möglich, wenn es um den Fassadenbau aus…

„Mich interessieren nur Bauaufgaben mit gesellschaftlicher Relevanz!“

Interview mit Jan Hinnerk Meyer, Geschäftsführer der Meyer Architekten GmbH

„Mich interessieren nur Bauaufgaben mit gesellschaftlicher Relevanz!“

Seit vielen Jahrzehnten bringt sich die Meyer Architekten GmbH aus Düsseldorf in die Errichtung von Laborgebäuden, Bildungseinrichtungen und Kulturstätten ein. Inhaber Jan Hinnerk Meyer könnte sich keinen anderen Wirkungskreis vorstellen…

TOP