Der Feinschliff für starke Walzen
Interview mit Stephan Karakavaf, Geschäftsführer der WSC Walzen-Service- Center GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Karakavaf, Sie sind seit August 2026 Geschäftsführer von WSC. Was hat Sie an der neuen Aufgabe besonders gereizt?
Stephan Karakavaf: Große Unternehmen bieten viele Vorteile, Entscheidungswege können dort jedoch länger sein. WSC beschäftigt rund 30 Mitarbeiter. In einem Team dieser Größe lassen sich Veränderungen schneller anstoßen und gemeinsam umsetzen. Mich hat die Möglichkeit begeistert, mit einer überschaubaren, hoch qualifizierten Mannschaft etwas zu bewegen. Da die Aufgabe außerdem hervorragend zu meinem beruflichen Hintergrund passt, war es für mich der richtige Schritt zur richtigen Zeit.
Wirtschaftsforum: Wofür steht WSC heute?
Stephan Karakavaf: Das Unternehmen wurde 1989 als Joint Venture von thyssenkrupp Steel Europe und der kanadischen Court Holdings gegründet. In den ersten Jahren entstand die technologische Grundlage unseres heutigen Portfolios. Seit 1992 setzen wir die Elektro-Discharge-Texturierung, kurz EDT, ein. Dabei werden durch elektrische Entladungen gezielt winzige Vertiefungen in die Walzenoberfläche eingebracht. 2007 kam das Superfinish-Verfahren hinzu. Außerdem verchromen wir Walzen mit einem Gewicht von bis zu 30 t, um ihre Standzeit deutlich zu verlängern.
Wirtschaftsforum: Wo finden diese bearbeiteten Walzen Anwendung?
Stephan Karakavaf: Unsere wichtigsten Kunden kommen aus der Stahl- und Aluminiumindustrie. Ein anschauliches Beispiel ist die Herstellung von Blechen für Motorhauben, Dächer oder andere sichtbare Karosserieteile. Die Struktur, die später eine hochwertige Lackierung mit dem gewünschten Glanz ermöglicht, wird durch die Walze auf das Blech übertragen. Wir erzeugen die dafür erforderliche Oberfläche auf der Walze. Beim Superfinish werden zudem definierte Spitzen der zuvor aufgerauten Struktur geglättet. Das reduziert unerwünschte Partikel in der späteren Produktion.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet WSC vom Wettbewerb?
Stephan Karakavaf: Eine unserer größten Stärken sind die kurzen Durchlaufzeiten. Viele Kunden produzieren rund um die Uhr und müssen ihre Planung manchmal sehr kurzfristig ändern. Aus meiner früheren Kundensicht weiß ich, wie wertvoll es ist, wenn ein Dienstleister auch in schwierigen Situationen flexibel reagiert. Genau das zeichnet WSC aus. Mit unseren Standorten in Oberhausen und Dortmund können wir Kapazitäten gut ausbalancieren. Hinzu kommt unsere Entwicklungskompetenz: Benötigt ein Kunde eine besondere Oberflächenstruktur, können wir diese gemeinsam erarbeiten und anschließend in einen reproduzierbaren Standard überführen.
Wirtschaftsforum: Welche Wachstumsmöglichkeiten sehen Sie?
Stephan Karakavaf: Ein wichtiges Zukunftsfeld ist die Batterieindustrie. Dort müssen wir die technologischen Anforderungen noch genauer verstehen und unsere Prozesse entsprechend weiterentwickeln. Darüber hinaus prüfen wir, unser Angebot um das Walzenschleifen zu ergänzen. Bislang schleifen viele Kunden ihre Walzen selbst, bevor sie diese zur Texturierung oder Verchromung an uns senden. Könnten wir alle Arbeitsschritte übernehmen, erhielten sie künftig sämtliche Leistungen aus einer Hand und hätten einen zentralen Ansprechpartner für die gesamte Walzenbearbeitung.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Regulierung?
Stephan Karakavaf: Ressourcenschonung ist bereits Teil unseres Kerngeschäfts. Wenn eine Verchromung die Standzeit einer Walze beispielsweise verdreifacht, werden Material und Energie eingespart. Zugleich arbeiten wir daran, für unsere eigenen Prozesse weniger Energie einzusetzen. Eine besondere Herausforderung bleibt Chrom (VI). Der Stoff erfordert umfassende Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Umwelt. Emissionen und Exposition weiter zu reduzieren, ist richtig und wichtig. Gleichzeitig braucht die Branche technisch realisierbare Rahmenbedingungen, solange kein gleichwertiger Ersatz verfügbar ist.
Wirtschaftsforum: Welche Prioritäten setzen Sie als Geschäftsführer?
Stephan Karakavaf: Ich möchte WSC für die kommenden 10 bis 15 Jahre stabil aufstellen. Dazu gehören Investitionen in die Anlagentechnik, eine schrittweise Modernisierung und eine vorausschauende Nachfolgeplanung. Unser Erfolg hängt wesentlich vom Wissen und Engagement unserer Mitarbeiter ab. Dieses Know-how lässt sich nicht per Knopfdruck übertragen. Deshalb müssen erfahrene und jüngere Kollegen eng zusammenarbeiten. Ebenso wichtig sind für mich Wertschätzung und konsequente Arbeitssicherheit. Jeder Mitarbeiter soll gesund zur Arbeit kommen und gesund wieder nach Hause gehen. Digitalisierung wird uns zusätzlich helfen, Abläufe zu vereinfachen und die Kommunikation mit den Kunden transparenter zu gestalten – etwa durch aktuelle Informationen darüber, in welchem Bearbeitungsschritt sich eine Walze gerade befindet.










