Mit Energie und KI durch den Wandel
Interview mit Marco Voß, CEO der Energie und Wasser Wahlstedt/Bad Segeberg GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Voß, welche Themen bestimmen derzeit die Agenda eines modernen regionalen Energieversorgers wie der EWS?
Marco Voß: Im Mittelpunkt steht für uns selbstverständlich weiterhin die Sicherung der Versorgung mit Strom, Gas und Wasser. Das wird auch künftig das Herzstück unserer Arbeit bleiben. Gleichzeitig erwarten Kundinnen und Kunden heute ein breiteres Leistungsspektrum als früher – etwa eine ausgebaute öffentliche Ladeinfrastruktur und private Ladelösungen für Elektrofahrzeuge sowie attraktive Angebote für Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen. Hinzu kommt die intelligente Vernetzung dieser einzelnen Technologien zu einem Gesamtsystem. Dafür benötigen wir moderne Netze und einen konsequenten Ausbau der Netzkapazitäten, insbesondere um den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien und Lasten aufnehmen zu können.
Wirtschaftsforum: Welche Innovationen stehen derzeit besonders im Fokus Ihres Unternehmens?
Marco Voß: Kurzfristig konzentrieren wir uns auf die Einführung intelligenter Messsysteme im Strom und Wasser. Sie sind eine wichtige Voraussetzung dafür, eine Steuerung durchzuführen und gute Prognosen zu erstellen. Zudem wollen wir unser Angebot an privaten und öffentlichen E-Mobilitätslösungen sowie Photovoltaiklösungen weiter ausbauen, denn wir möchten uns als umfassender Energiedienstleister positionieren. Gleichzeitig behalten der Kundenservice und der persönliche Austausch mit den Menschen in unserer Region für uns höchste Priorität. Darin liegt letztlich unser Alleinstellungsmerkmal.
Wirtschaftsforum: Wird diese persönliche Nähe weiterhin geschätzt, obwohl sich Strom- und Gasanbieter heute leicht vergleichen und wechseln lassen?
Marco Voß: Mein Eindruck ist, dass sich die Menschen mit der Region verbunden fühlen, in der sie leben. Als regionaler Versorger mit überwiegend kommunalen Gesellschaftern können wir sicherstellen, dass das Geld, das die Menschen für Energie ausgeben, in der Region bleibt und letztlich auch den Menschen vor Ort zugutekommt – beispielsweise durch ein breiteres Leistungsangebot oder einen schnelleren Netzausbau. Das wissen unsere Kundinnen und Kunden ebenso zu schätzen wie den direkten und unkomplizierten Zugang zu persönlicher Beratung. Wenn sie ein Problem haben, können sie sich einfach mit einer unserer Ansprechpersonen an einen Tisch setzen, statt eine halbe Stunde in einer Warteschleife mit schlechter Musik zu verbringen, bevor sich endlich jemand um ihr Anliegen kümmert.
Wirtschaftsforum: Statt auf vollständig automatisierte Abläufe setzen Sie also weiterhin auf persönliche, verlässliche Beziehungen vor Ort.
Marco Voß: Gleichzeitig nutzen wir stark digitalisierte und zunehmend durch KI unterstützte Systeme, die unsere Arbeitsabläufe deutlich vereinfachen. Dadurch können wir unseren Kundinnen und Kunden schneller und effizienter helfen. Darin sehen wir keinen Widerspruch, denn die Kundenbeziehung bleibt persönlich – im besten Fall wird sie dadurch sogar noch persönlicher. Alle unsere Mitarbeitenden nutzen inzwischen KI. Deshalb haben wir frühzeitig entsprechende Schulungen eingeführt, unter anderem zum wirkungsvollen Prompting. Natürlich musste die Geschäftsleitung bei diesem Wandel vorangehen, damit sich alle im Unternehmen sicher fühlen und ermutigt werden, diesen Weg mitzugehen.
Wirtschaftsforum: Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen, und wie begegnen Sie ihnen?
Marco Voß: Die größte Herausforderung ist wahrscheinlich die enorme Bandbreite des Wandels. Nehmen wir beispielsweise den Wärmesektor: Neben der zunehmenden Verbreitung von Wärmepumpen müssen wir weiterhin Kundinnen und Kunden mit bestehenden Gasheizungen versorgen. Wir werden unsere Gaskunden bis zuletzt versorgen. Gleichzeitig beanspruchen die wachsende Zahl von Wärmepumpen sowie der weitere Ausbau von Elektromobilität und Photovoltaik unsere Stromnetze zunehmend. Deshalb müssen wir die Netzkapazitäten systematisch erweitern und unter anderem leistungsfähigere Leitungen verlegen, damit wir auf den künftigen Bedarf vorbereitet sind.
All das ist mit einem erheblichen Investitionsbedarf verbunden, den wir dank unserer starken Eigenkapitalbasis nachhaltig bewältigen können. Der wichtigste Faktor sind jedoch gut ausgebildete Mitarbeitende, die bereit sind, Veränderungen mitzutragen. Deshalb zählt die Veränderungsbereitschaft neben Kundennähe und Zuverlässigkeit zu unseren drei zentralen Unternehmenswerten.








