Wohnen mit Mehrwert

Interview mit Frank Kerber, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Ludwigsfelde mbH „Märkische Heimat“

Wirtschaftsforum: Herr Kerber, die Wohnungsgesellschaft Ludwigsfelde mbH „Märkische Heimat“ ist eng mit der Stadt Ludwigsfelde verbunden.

Frank Kerber: Die „Märkische Heimat“ gehört zu 100% der Stadt Ludwigsfelde und unterstützt sie dabei, die Lebensqualität zu verbessern. Das ist auch mein Anliegen als Geschäftsführer des Unternehmens, wir wollen städtebaulich interessant sein und eine weitere Aufwertung von Ludwigsfelde erreichen. Dazu muss man wissen, dass die Stadt kein historisch gewachsener Ort ist, sondern sich seit den 1930er-Jahren zum Industriestandort entwickelte, als Daimler hier ein Flugzeugmotorenwerk errichtete und Wohnungen für die Fabrikarbeiter gebaut wurden. Die Geschichte der heutigen Wohnungsgesellschaft startet nach der Wende. Sie ist aus der damaligen kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV) hervorgegangen.

Wirtschaftsforum: Über welche Größenordnung reden wir heute?

Frank Kerber: Wir verfügen heute über 3.225 Wohnungen, sehr breit gestreut in der Struktur, von Neubau bis denkmalgeschützt, sowie 13 Gewerbeeinheiten und 1.280 Garagen und Stellplätze. Als Eigentümer der Immobilien bewirtschaften wir diese, sind also für die Instandhaltung, Instandsetzung und Vermietung verantwortlich. Wir sind aber auch teilweise auf eigene Rechnung im Neubau tätig. Unser Jahresumsatz setzt sich im Wesentlichen aus den Mieten zusammen und beträgt zurzeit gut 16 Millionen EUR. Die „Märkische Heimat“ beschäftigt rund 35 Mitarbeiter.

Wirtschaftsforum: Wenden Sie sich an ein bestimmtes Mieterklientel?

Frank Kerber: Wir verfügen über ein breites Spektrum an Wohnungen, das ganz unterschiedlichen Bedürfnissen und Vorstellungen entspricht. Unser Ziel ist es, möglichst in allen Stadtteilen eine gute Mischung von Menschen verschiedener sozialer Herkunft und verschiedenen Alters zu erreichen. Dazu gehören auch unterschiedliche Familienkonstellationen und Haushaltsgrößen. Wir wollen vor allem stabile und intakte Nachbarschaften.

Wirtschaftsforum: Wie genau sieht das Angebot der „Märkischen Heimat“ aus?

Frank Kerber: Wir unterscheiden drei Gruppen. Da ist die um 1940 entstandene Daimler-Benz-Werkssiedlung mit Häusern in zweigeschossiger Bauweise, die umfangreich und farbenfroh saniert wurden. Das Dichterviertel ist eine denkmalgeschützte Altbausiedlung, die Mitte der 50er gebaut wurde und ruhig gelegen ist. Darüber hinaus stehen die Platten- und Mauerwerksbauten aus DDR-Zeiten mit Wohnungen verschiedenster Größe zur Verfügung, zeitgemäß saniert, in guter Lage und mit vielen Annehmlichkeiten.

Wirtschaftsforum: Ihr Schwerpunkt ist also eindeutig der Wohnbereich.

Frank Kerber: Unbedingt, auch wenn wir punktuell gewerbliche Räume vermieten, aber eher, um eine gute Mischung im Wohnbereich zu haben. Zu einer guten Lebensqualität gehört nun einmal eine gute Infrastruktur. Wir unterstützen die Stadt Ludwigsfelde in diesem Sinne und bemühen uns, wohnungsnahe Aspekte gezielt mit einzubringen. Bei allen Aktivitäten versuchen wir, die Stadt im Blick zu behalten. Kurze Wege, Lebensqualität, Erholungs- und Begegnungsmöglichkeiten – kurz Urbanität – stehen in unserem besonderen Fokus.

Wirtschaftsforum: Wie verläuft die Vermietung bei der  „Märkischen Heimat“?

Frank Kerber: Wir vermieten im persönlichen Kontakt. Interessenten können ihre Wohnungswünsche über unsere Homepage an uns richten. Die Nachfrage ist höher als das Angebot. Ludwigsfelde hat eine enge Anbindung an Berlin, gute Kitas und Schulen, ist familien- und kinderfreundlich. Bei uns soll aber jeder ein Zuhause finden, auch altersgerechtes Wohnen ist ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit. Wir möchten Einsamkeit und Isolierung entgegenwirken, ein Thema auch zu Zeiten von Corona und Homeoffice. Da sind wirtschaftliche Möglichkeiten gefragt, um entsprechend in das Gebäude und sein Umfeld zu investieren.

Wirtschaftsforum: Können Sie konkrete Beispiele nennen?

Frank Kerber: Unser aktuelles Neubauprojekt in der Ernst-Thälmann-Straße bietet einen ganz neuen und modernen Ansatz. Die Grundrisse sind multifunktional. Der klassische Flur fällt weg und weicht einem Treffpunkt im Zentrum der Wohnung. Von dort erschließen sich zwei bis vier identische Zimmer, die je nach Familiensituation und Wohnwünschen individuell genutzt werden können. Damit entstehen mehr erlebbare Fläche und mehr Vielfalt in den verschiedenen Lebenssituationen. Die Wohnung passt sich den sich verändernden Bedürfnissen über die Zeit an. So wird der Nutzwert optimiert, kein Quadratmeter verschwendet, der ja im Neubau mit über zehn EUR teuer bezahlt werden muss. Dank der energetischen Optimierung entsteht eine angenehme Atmosphäre. Das Projekt soll 2024 fertiggestellt werden und rundet unser vielfältiges Angebot ab.

Wirtschaftsforum: Gibt es weitere Eigenprojekte?

Frank Kerber: Wir erstellen drei Grundschulen mit Sport- und Außenanlagen, eine Investition, die wir für die Stadt durchführen, da wir uns als Partner der Stadt verstehen und so unser Know-how im Interesse der Bürgerinnen und Bürger bestmöglich einbringen können. Die Schulen sollen 2025/2026 fertig sein, werden an die Stadt vermietet und von ihr bewirtschaftet, eine Win-win-Situation für alle am Projekt Beteiligten. In der Zukunft werden wir zusammen mit der Stadt und privaten Akteuren ein besonderes Augenmerk auf die städtebauliche Entwicklung legen, um das Wachstum der Stadt qualitativ zu steuern und nachhaltig zu gestalten. Alles, was wir heute tun, wird in zehn oder fünfzig Jahren noch Wirkung entfalten. Dieser Verantwortung wollen wir gerecht werden.

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