Nischenplayer begeistert Design-Puristen

Interview mit Christophe Marchand, Creative Director der WOGG Furniture Ltd.

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Wirtschaftsforum: Herr Marchand, wie sind Sie zu WOGG Furniture Ltd. gekommen?

Christophe Marchand: Ich bin von Hause aus Industriedesigner und habe mich nach dem Studium auf Möbel spezialisiert. Ich bin schon früh mit der Marke WOGG in Kontakt gekommen und kannte auch die Firmengründer, Willi und Otto Glaeser, sehr gut. Nach Stationen bei anderen Möbelherstellern stieg ich als Produktentwickler ins Unternehmen ein. Seit dem Neustart als eigenständiges Unternehmen im Jahr 2019 bin ich als Creative Director mit der Aufgabe, das Unternehmen und die Marke voranzubringen, dabei.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie die WOGG-Designrichtung beschreiben?

Christophe Marchand: Unser Produktspektrum kann als eine Art Sammlung spezieller Möbelstücke charakterisiert werden. Die Marke WOGG war schon immer sehr experimentierfreudig. Wenn wir eine Idee spannend finden, prüfen wir, wie sie umgesetzt werden kann. Das führt manchmal zu skurrilen Lösungen, die trotzdem einen Markt finden. Der rote Faden, der sich durch das WOGG-Design zieht, ist der Fokus auf Leichtigkeit und hoher Qualität. Die Elemente, aus denen unsere Möbel bestehen, werden so filigran gehalten wie möglich. Wir verwenden zum Beispiel Holzverbundplatten mit einer Materialstärke von nur 5,2 mm. Andere Hersteller schaffen nur 8 mm. Hierin liegt ein feiner, aber bedeutsamer Unterschied.

Wirtschaftsforum: Wo werden die WOGG-Möbel produziert?

Christophe Marchand: Ursprünglich wurden alle WOGG-Möbel in der Schreinerei Glaeser als unserem Mutterhaus produziert. Seit der Neugründung arbeiten wir mit anderen spezialisierten Möbelmanufakturen zusammen. Wir sind sehr stolz darauf, dass alle unsere Produkte fast vollständig in der Schweiz hergestellt werden, bis hin zu den Scharnieren und Beschlägen, von denen viele von uns selbst entworfen werden.

Wirtschaftsforum: Was sind die besonderen Highlights in Ihrem Möbelportfolio?

Christophe Marchand: Eine Besonderheit der Produktpalette ist, dass jedes neue Produkt fortlaufend nummeriert wird. Seit WOGG 75 produzieren wir Schränke mit umlaufenden Schiebetüren an der Außenseite. Für die neue Kollektion WOGG 79 bis 84 habe ich diese Technologie mit Möbel-elementen, die die Ellipse feiern, wieder aufgegriffen. Die neue Generation von Rollfrontmöbeln kombiniert raffiniertes Design mit innovativer Technik und ist standardmäßig mit schwarzer, silbriger oder roter Front ausgestattet. Die Kollektion umfasst fünf zeitlose Möbeltypen mit unterschiedlichen Dimensionen für Wohnen, Büro und öffentliche Räume. Im geöffneten Zustand offenbaren die Schränke und Sideboards reichlich Stauraum im Innenraum. Zum Schließen lassen sich die Fronten durch einen verdeckten und international patentierten Gleitmechanismus mit der leichtesten Berührung bewegen. Wie alle WOGG-Möbelstücke zeichnet sich die neue Kollektion durch außergewöhnliche Konstruktion und Materialität aus.

Wirtschaftsforum: Haben Sie so etwas wie ein Lieblingsprodukt aus dem Programm?

Christophe Marchand: Ich habe eine besondere Vorliebe für die WOGG 13 aus dem Jahr 1994, die auch als Littfaßsäule bekannt ist. Das ist ein Produkt, das sich nicht eindeutig definieren lässt. Der schmale Turm, der aus sechs übereinander gestapelten Würfeln besteht, ist vielseitig nutzbar. Die magnetische drehbare Ummantelung bietet eine ebenso vielseitige Funktionalität an. Als Ablage im Büro oder als Stauraum in Küche oder Kinderzimmer steht die Indoor-Littfaßsäule als Blickfang überall da, wo 40 mal 40 cm Platz vorhanden ist.

Wirtschaftsforum: Was für einen Kundenkreis sprechen Sie mit Ihren Möbeln an?

Christophe Marchand: Wir sehen uns als Nischenplayer im Ergänzungsmarkt. Die Möbelstücke, die wir produzieren, haben eine sehr große Ausstrahlungskraft. Sie sind auch als Platzhalter anzusehen, weshalb wir eine gedeckte Farbpalette verwenden. Unsere Zielgruppe besteht aus Design-Puristen und Ästheten, die klare Linien und reduzierte Formen bevorzugen. Auch technisch affine Menschen, die sich für gutes, funktionelles Design begeistern, kaufen WOGG-Möbelstücke. Zurzeit bedienen wir zu 80% den privaten Abnehmer. Für die Zukunft zielen wir auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen B2B- und B2C-Kunden.

Wirtschaftsforum: Was sind die Unternehmensziele seit der Neugründung?

Christophe Marchand: Wir sind 2019 mit einer ähnlichen Dynamik wie bei einem Start-up-Unternehmen gestartet. Trotz Corona ziehen wir eine insgesamt positive Zwischenbilanz der letzten drei pandemiebedingten Jahre. Jetzt dürfen wir uns auf die Internationale Möbelmesse im kommenden Jahr in Mailand freuen. Da können wir unsere Ideen, Werte und unsere Philosophie am besten im persönlichen Gespräch kommunizieren. Die wieder stattfindende Möbelmesse in Köln bietet uns eine weitere Möglichkeit, mit den Fachhändlern ins Gespräch zu kommen. Denn wir wollen weiter wachsen und vor allem mehr in den B2B-Bereich gehen. Auch international wollen wir expandieren. Wir generieren schon heute 30% unseres Umsatzes im Export. Wir sind heute hauptsächlich im DACH-Raum angesiedelt, haben zudem starke Kontakte nach Japan. Interessante Märkte für unsere Möbel sind England und Skandinavien. Dort teilen die Leute unsere Philosophie für Ästhetik.

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