Kundenwohl anstelle von Produktverkauf

Interview mit Christian Lange, Mitglied der Geschäftsleitung der VZ VermögensZentrum GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Lange, was waren bis heute die wesentlichen Entwicklungsschritte der VZ VermögensZentrum?

Christian Lange: Das Unternehmen wurde 1993 von zwei ehemaligen McKinsey-Mitarbeitern gegründet. Ihre Idee war es, Transparenz in den Banken- und Versicherungsmarkt zu bringen. Wir haben dazu von Anfang an zwei wichtige Grundsätze befolgt, die uns von vielen Anbietern unterscheiden. Zum einen betrifft das unser Honorarmodell: Wir werden vom Kunden bezahlt und nicht über das Produkt. Alle unsere Berater sind fest angestellt und werden mit einem Fixum entlohnt. Zum anderen kommen die Kunden zu uns. Dieses Geschäftsmodell hat sich schnell entwickelt und schon bald wurde klar, dass der Beratungsbedarf weit über das Thema Versicherungen hinausgeht. Entsprechend wurde das Beratungsspektrum weiter differenziert und eine Kernzielgruppe definiert, die Menschen im Alter 50+ umfasst, die sich mit dem Thema Vorsorge, dem sogenannten dritten Lebensabschnitt, beschäftigen. Aus der Rundumberatung, in der Gesamtvermögenszusammenhänge besprochen werden, entstand dann die Vermögensverwaltung. Ende der 1990er-Jahre haben wir nach Deutschland expandiert. Inzwischen haben wir auch in der Schweiz und in Deutschland eigene Banken, um für unsere Kunden die Vermögensverwaltung über eine eigene Plattform bedienen zu können.

Wirtschaftsforum: Was ist das Besondere an Ihrer Art der Beratung und Vermögensverwaltung?

Christian Lange: Unsere Kundenfokussierung von A bis Z, die durch unserer Honorarmodell sichergestellt wird. So können wir klaren Beratungsprinzipien folgen, die alle auf das Kundenwohl einzahlen. Unser Ziel ist es, eine messbare Verbesserung für den Kunden zu erreichen. Wir haben in allen Geldanlagebereichen hochspezialisierte Mitarbeiter und viele Certified Financial Planner. Unser Asset Management-Team agiert unabhängig von den Beratern. In allen angebotenen Bereichen können wir also Topexpertise anbieten – aus einer Hand. Dabei decken wir auch die angrenzenden Bereiche wie Steuern oder Immobilien mit ab. Wir verstehen uns als zentrale Ansprechpartner des Kunden und ziehen für Randthemen dann entsprechend Spezialisten hinzu.

Wirtschaftsforum: Bieten Sie auch eigene Finanzprodukte an?

Christian Lange: Nein, wir bieten bewusst keine eigenen Produkte an. Inzwischen haben wir Clusterlösungen, die bei vergleichbaren Situationen zum Einsatz kommen.

Wirtschaftsforum: Mit welchen Anliegen kommen denn die Menschen zum VZ?

Christian Lange: Die Anliegen sind vielfältig, sie reichen von der Vermögensanlage über die Altersvorsorge bis zur Nachlassgestaltung. Wir wissen vor der ersten Beratung nicht, wer der Kunde ist, was ihm wichtig ist und wie seine Gesamtsituation ist. Die sachliche Situation kann man nie von der emotionalen Situation trennen. In Deutschland ist zum Beispiel noch nicht wirklich angekommen, dass vorgesorgt werden muss und vor allem ist nicht klar, wie man vorsorgen muss oder kann. Dabei ist doch der Niedrig- oder sogar Minuszins ein Weckruf. Auch wenn man sich das Drei-Säulen-Konzept der Alterssicherung anschaut, ist die Säule der betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland noch absolut unterrepräsentiert. Dabei gibt es attraktive, renditestarke Lösungen, mit hohen Steuervorteilen. Die Differenz zwischen Nullzins und 4%-Rendite kann über einen sorgenfreien oder einen sorgenvollen Ruhestand entscheiden.

Wirtschaftsforum: Geht Ihr Dienstleistungsangebot über die reine Beratung hinaus?

Christian Lange: Ja. Viele unserer Kunden haben sich ein Vermögensumfeld geschaffen, aber keine Zeit, sich darum zu kümmern. Aber ein Vermögen braucht Aufmerksamkeit. Häufig wird auch ein Unternehmen verkauft und plötzlich ist Geld da oder eine Lebensversicherung wird ausgezahlt. Mit solchen Ereignissen muss man sich frühzeitig beschäftigen.

Wírtschaftsforum: Die Themen Geldanlage und Alterssicherung werden immer komplexer. Welche Lösungsansätze empfiehlt das VZ seinen Kunden?

Christian Lange: In beiden Fällen braucht man einen klaren Plan, eine passende Strategie und Ausdauer. Die Anlage sollte kostengünstig und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgen, also breit gestreut, ohne Emotionen und mit stetem Rebalancing. Hier haben wir entsprechende Lösungen geschaffen, sodass unsere Kunden auch von den Vorteilen des Kapitalmarktes profitieren können. Auch wenn ein Unternehmen zum Verkauf steht, muss man sich mit der Zeit danach beschäftigen. Das ist unser Kernbereich, denn hier geht es immer darum, aus dem Erlös den Lebensunterhalt zu bestreiten und den gewohnten Lebensstandard im Alter aufrechterhalten zu können.

Interview:

Manfred Brinkmann

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Finanzen

Förderung als Motor für Wachstum und Zukunft in Niedersachsen

Interview mit Michael Kiesewetter, Vorstandsvorsitzender der Investitions- und Förderbank Niedersachsen (NBank)

Förderung als Motor für Wachstum und Zukunft in Niedersachsen

Förderung ist ein Schlüssel für Wachstum, Innovation und Stabilität – besonders in Zeiten des Wandels. Als zentrale Förderbank des Landes nimmt sich die Investitions- und Förderbank Niedersachsen (NBank) in Hannover…

Auf Tradition gebaut

Interview mit Paul Morzynski, Geschäftsführer der Hallesche Vermögen GmbH & Co. KG

Auf Tradition gebaut

Seit mehr als drei Jahrzehnten ist die Hallesche Vermögen GmbH & Co. KG in Hannover im Bereich Gewerbeimmobilien aktiv und hat sich als verlässlicher Anbieter langfristiger Investitionsmodelle etabliert. Das Unternehmen…

Investitionen, die die Zukunft gestalten

Interview mit Dr. Christian Koch, Head BB Biotech @ Bellevue Asset Management AG

Investitionen, die die Zukunft gestalten

Die Biotechnologiebranche zählt zu den innovationsstärksten und dynamischsten Sektoren der globalen Wirtschaft. Getrieben von wissenschaftlichem Fortschritt, dem wachsenden Bedarf an neuen Therapien und Medikamenten sowie gesellschaftlichen Megatrends wie dem demografischen…

Spannendes aus der Region München

KI trifft Ingenieurskunst – Transparenz für komplexe Softwarewelten

Interview mit Dipl.-Ing. Stephan Mauk, Vorstand der Concentrio AG

KI trifft Ingenieurskunst – Transparenz für komplexe Softwarewelten

Ob im Auto, im Flugzeug oder im Kraftwerk – Software entscheidet heute über Sicherheit, Effizienz und Leistung. Doch kaum jemand weiß, was im Hintergrund wirklich passiert. Genau hier setzt die…

Löcher stopfen und Daten managen

Interview mit Dr.-Ing. Karsten Gruber, Geschäftsführer und Joachim Ernst, Geschäftsführer der OBERMEYER Infrastruktur GmbH & Co. KG

Löcher stopfen und Daten managen

Seit über sechs Jahrzehnten prägt die Münchener OBERMEYER Gruppe die Ingenieur- und Planungskultur in Deutschland. 2020 wurde die OBERMEYER Infrastruktur GmbH & Co. KG als eigenständige Gesellschaft gegründet, um sich…

Mehr als ein Koffer: ein Statement

Interview mit Bernd Georgi, Geschäftsführer der Floyd GmbH

Mehr als ein Koffer: ein Statement

Als Bernd Georgi 2019 gemeinsam mit Geschäftspartner Horst Kern die ersten Koffer unter der Marke Floyd auf den Markt brachte, stand die Welt kurz vor einer Pandemie – ein denkbar…

Das könnte Sie auch interessieren

„Man braucht einen langen Atem“

Interview mit Oliver Kayser, Prokurist der SAB WindTeam GmbH

„Man braucht einen langen Atem“

Mit der Errichtung eines Windparks ist es für die SAB WindTeam GmbH aus Itzehoe nicht getan, denn idealerweise betreibt das Unternehmen seine Anlagen viele Jahrzehnte lang im eigenen Bestand. Warum…

Sauber. Herzlich. Zuverlässig.

Interview mit Cem Gül, Einkaufsleiter der S.C.O. GmbH

Sauber. Herzlich. Zuverlässig.

Ohne Deutschkenntnisse, dafür mit viel Herzblut und Engagement begann vor mehr als 35 Jahren die Erfolgsgeschichte der S.C.O. GmbH in Plochingen. Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich ein erfolgreicher Multidienstleister im…

Jung, dynamisch, enthusiastisch

Interview mit Isabel Krail, Teamleiterin Nordic DE der Nordic BV

Jung, dynamisch, enthusiastisch

Viele Menschen suchen Urlaubserlebnisse, die im Einklang mit individuellen Erfahrungen und einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur stehen. Mit einem Angebot, das genau diesen Anspruch umsetzt, hat sich die belgische…

TOP