Auf der richtigen Spur
Interview mit Ing. Manfred Teufl, Geschäftsführer der Ultimate Europe Transportation Equipment GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Teufl, ULTIMATE Europe Transportation wurde 2003 gegründet. Wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt?
Manfred Teufl: Wir sind tatsächlich bei null gestartet – mit Technik, Produktentwicklung und der Idee, internationales Engineering mit einer wettbewerbsfähigen Produktion zu verbinden. Die Anfangsjahre waren durchaus schwierig, aber wir haben konsequent Markt für Markt aufgebaut. Heute beschäftigen wir rund 350 Mitarbeitende und gehören zu einer Gruppe mit insgesamt etwa 1.800 Beschäftigten. Unser Umsatz liegt inzwischen bei rund 115 Millionen EUR. Trotz dieser Entwicklung verstehen wir uns weiterhin als international aufgestelltes, mittelständisch geprägtes Unternehmen.
Wirtschaftsforum: Was war entscheidend für diesen Wachstumskurs?
Manfred Teufl: Vor allem Hartnäckigkeit, technische Kompetenz und die Bereitschaft, sich auf neue Märkte einzulassen. Wir haben sehr früh international gedacht und unsere Strukturen schrittweise aufgebaut.
Unser Vorteil ist bis heute, dass wir innovativ und wendig sind. Wir verkaufen nicht einfach ein Produkt zu einem bestimmten Preis, sondern entwickeln Lösungen, die dem Kunden einen konkreten technischen Mehrwert bieten. Diese Flexibilität ist in unserer Branche sehr wichtig.
Wirtschaftsforum: Welche Produktbereiche stehen dabei im Mittelpunkt?
Manfred Teufl: Wir konzentrieren uns auf drei Kernsegmente: Türen, Übergänge und Interieur. In jedem Bereich geht es um sehr anspruchsvolle technische Lösungen. Bei Übergängen spielt beispielsweise die Temperaturbeständigkeit eine wichtige Rolle. Unsere Produkte müssen unter extremen Bedingungen zuverlässig funktionieren und gleichzeitig immer höhere Anforderungen an Recyclingfähigkeit und Lebensdauer erfüllen. Bei Türsystemen haben wir Steuerungen entwickelt, die unterschiedliche Spannungsbereiche weltweit abdecken. Damit können wir Lösungen stärker standardisieren und international skalieren.
Wirtschaftsforum: Die Lebensdauer Ihrer Produkte ist außergewöhnlich lang. Welche Bedeutung hat das für Ihre Entwicklung?
Manfred Teufl: Wir sprechen in unserer Branche von Lebenszyklen von 30 bis 40 Jahren. Nach etwa zehn Jahren erfolgt häufig eine größere Überholung, hinzu kommen präventive und korrektive Wartungsmaßnahmen. Deshalb zählt nicht nur der Anschaffungspreis. Entscheidend sind auch Zuverlässigkeit und Lebenszykluskosten. Ein Produkt muss über Jahrzehnte wirtschaftlich funktionieren. Genau darin liegt für uns ein wesentlicher Nachhaltigkeitsaspekt: Komponenten werden gewartet, aufgearbeitet und weiterverwendet, anstatt sie frühzeitig zu ersetzen.
Wirtschaftsforum: Welche aktuellen Innovationen zeigen besonders gut, wofür ULTIMATE Europe Transportation steht?
Manfred Teufl: Ein spannendes Beispiel sind unsere Schlafkapseln für Nachtzüge. Dieser Markt erlebt derzeit eine Renaissance, und wir sehen Projekte in mehreren europäischen Ländern sowie in den USA. Ein weiteres Highlight sind Übergänge für einen neuen Hochleistungszug, den Siemens für Brightline in den USA baut. Besonders interessant ist außerdem unser neu entwickeltes Kneeling-System für Straßenbahnen. Dabei kann sich ein Teil des Wagenkastens absenken, sodass beispielsweise Rollstuhlfahrer, ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität leichter einsteigen können. Hier verbinden wir Übergang, Gelenksystem und Absenktechnik zu einer Gesamtlösung.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Digitalisierung?
Manfred Teufl: Beides ist heute elementar. Unsere Leitidee lautet „Sustainable Solutions for Mobility“. Recyclingfähigkeit, CO2-Fußabdruck und ESG-Anforderungen sind längst feste Bestandteile der Lastenhefte unserer Kunden. Gleichzeitig werden Cybersecurity und Digitalisierung immer wichtiger. Die Anforderungen sind deutlich komplexer geworden. Wer in diesem Markt erfolgreich sein will, muss technisch sehr tiefgreifend aufgestellt sein.
Wirtschaftsforum: Wohin soll sich ULTIMATE Europe Transportation in den kommenden Jahren entwickeln?
Manfred Teufl: Wir wollen bestehende Märkte weiter ausbauen, insbesondere die USA und Indien. Gleichzeitig sehen wir Potenzial im Busbereich und arbeiten dort bereits an langfristigen Projekten. Darüber hinaus prüfen wir angrenzende Geschäftsfelder, etwa Klimaanlagen, Medizintechnik oder Anwendungen in der Luftfahrt. Möglichkeiten gibt es viele – entscheidend ist, die notwendigen Ressourcen und Teams dafür aufzubauen.
Wirtschaftsforum: Was hält ein international aufgestelltes Unternehmen wie Ihres kulturell zusammen?
Manfred Teufl: Für uns ist das „ULTIMATE Team“ sehr wichtig. Unsere Standorte sollen nicht nebeneinander arbeiten, sondern miteinander. Diesen Teamgedanken versuchen wir wirklich zu leben. Gleichzeitig möchten wir, dass unsere Mitarbeitenden verstehen, wofür sie arbeiten. Unser neues Firmengebäude spiegelt diese Haltung wider – bis hin zu Bereichen für Fitness und Begegnung sowie einer Gestaltung, die das Thema Mobilität aufgreift. Wir wollen nicht nur Lösungen für nachhaltige Mobilität verkaufen, sondern das, was wir tun, auch selbst leben.











