Jetzt die Weichen richtig stellen

Interview mit Marian Thomas, Vorstand und Roland Müller, Vorstandsvorsitzender der BUG Verkehrsbau SE

Wirtschaftsforum: Herr Müller, Herr Thomas, Sie verstehen sich als aktiver Teil der Verkehrswende. Welche Rolle spielt Ihr Unternehmen dabei?

Roland Müller: Wir sehen uns tatsächlich als Mitgestalter einer zentralen Zukunftsaufgabe. Die Verkehrswende ist ohne eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur nicht denkbar. Genau daran arbeiten wir mit dem Ausbau, der Modernisierung und der Instandhaltung des Netzes. Gleichzeitig geht es uns auch darum, das System Bahn insgesamt wieder stärker in ein positives Licht zu rücken. Wir wollen dazu beitragen, dass die Schiene wieder als das wahrgenommen wird, was sie ist: ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Verkehrssystem.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist eng mit der Verkehrswende verknüpft. Welche Bedeutung hat das Thema aktuell für Sie?

Marian Thomas: Nachhaltigkeit ist fest in unserer Strategie verankert. Wir haben uns als Gruppe das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Dafür analysieren wir unsere Emissionen, entwickeln Maßnahmen und treiben unter anderem die Umstellung unseres Fuhrparks voran. Gleichzeitig beobachten wir, dass das Thema in der aktuellen geopolitischen Lage an Bedeutung verliert – auch politisch. Dabei handelt es sich um eine zentrale Zukunftsaufgabe, die nicht von kurzfristigen oder parteipolitischen Entwicklungen abhängig sein sollte. Wir bleiben dran, weil wir überzeugt sind, dass Nachhaltigkeit langfristig ein entscheidender Faktor bleibt und auch wirtschaftlich weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Wirtschaftsforum: Wie ist Ihr Unternehmen heute strukturiert, um diese Aufgaben zu bewältigen?

Roland Müller: Wir sind heute Teil einer breit aufgestellten Gruppe mit

mehreren spezialisierten Gesellschaften. Unser Leistungsspektrum reicht vom Gleis- und Tiefbau über Ingenieurbau bis hin zu elektrotechnischen Leistungen sowie Leit- und Sicherungstechnik – so können wir Projekte ganzheitlich umsetzen. Gleichzeitig sind wir als Familienunternehmen gewachsen und beschäftigen knapp 900 Mitarbeiter bei einem Umsatz von rund 220 Millionen EUR. Die Kombination aus mittelständischer Struktur und inhaltlicher Breite ist eine unserer großen Stärken.

Wirtschaftsforum: Die Politik hat große Investitionen angekündigt. Spüren Sie davon bereits etwas?

Roland Müller: Konkrete Auswirkungen sehen wir derzeit noch nicht. Die Maßnahmen sind bislang nicht im Markt angekommen. Gleichzeitig ist der Bedarf unstrittig: Der Modernisierungsstau im deutschen Bahnnetz ist erheblich – bei Strecken, Bahnhöfen und in der Digitalisierung. Umso wichtiger ist, dass die Mittel jetzt zügig umgesetzt werden. Nur so kann die Verkehrswende die notwendige Dynamik entwickeln.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit diesem Spannungsfeld aus hohem Bedarf und noch fehlender Umsetzung um?

Roland Müller: Für uns bedeutet das, trotz dieser Unsicherheit konsequent und langfristig zu investieren – in Technik, Maschinen und vor allem in Menschen. Gerade im Gleisbau sprechen wir über Investitionen mit langen Vorlaufzeiten und hohen Volumina. Umso wichtiger sind für uns verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit.

Wirtschaftsforum: Mit Blick auf Ihre langfristigen Investitionen wird qualifiziertes Personal immer wichtiger. Wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel?

Marian Thomas: Wir setzen sehr stark auf eigene Ausbildung. Mit unserer BUG Academy haben wir eine Plattform geschaffen, um Wissen systematisch weiterzugeben und Nachwuchs gezielt zu entwickeln. Aktuell haben wir über 100 Auszubildende im Unternehmen. Gleichzeitig müssen wir als Branche insgesamt attraktiver werden. Es kann nicht sein, dass nachhaltige Zukunftsfelder weniger Interesse wecken als andere Industrien. Wir müssen zeigen, wie spannend und relevant unsere Arbeit ist – und dass wir aktiv an Lösungen für die Zukunft arbeiten.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie aktuell die größten Hemmnisse für Fortschritt?

Roland Müller: Ein großes Thema ist die Bürokratie. Besonders deutlich wird das bei der Zulassung von Maschinen. Geräte stehen fertig produziert bereit, können aber nicht eingesetzt werden, weil die Zulassung fehlt. Das verzögert Investitionen erheblich und bremst den Ausbau. Wenn wir die Verkehrswende ernst meinen, müssen solche Prozesse deutlich schneller werden.

Wirtschaftsforum: Ihr Fazit – was braucht es jetzt?

Marian Thomas: Es braucht verlässliche Rahmenbedingungen und eine konsequente Umsetzung. Gleichzeitig geht es um ein gemeinsames Verständnis dafür, dass die Schiene eine zentrale Rolle für die Zukunft spielt – technisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Nur dann kann sie auch wieder die Attraktivität erreichen, die sie einmal hatte. Daran arbeiten wir mit voller Überzeugung.

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