Webcode:

Um einen Artikel aus dem Print-Magazin online zu lesen, geben Sie bitte nachfolgend den Webcode ein, der im Magazin unter dem Artikel zu finden ist.

https://www.getdigital.de - Gadgets und mehr für Computerfreaks

Innovationskraft bringt Druck auf die Zapfanlage

Interview mit Max Weigl, Gesellschafter und Leiter Internationaler Verkauf & Marketing der Beerjet GmbH

Social Share
Teilen Sie diesen Artikel

Wirtschaftsforum: Herr Weigl, Ihr Unternehmen ist in Österreich ansässig. Was sind die großen Unterschiede in der mittelständischen Unternehmenskultur zwischen Österreich und Deutschland?

Max Weigl: Ich denke, dass es hier nicht allzu große Unterschiede gibt, wenngleich in Deutschland deutlich genauer analysiert wird und das Selbstvertrauen ungleich größer ist als in Österreich. Das hat sicher auch damit zu tun, dass wir einen sehr großen erfolgreichen Nachbarn haben. Wenn ein deutscher Politiker eine österreichische Entscheidung lobt, sind bei uns am nächsten Tag die Zeitungen voll damit.

Max Weigl
„In Amerika wirst du an deinen Ideen, den Marktchancen und der Skalierbarkeit deines Geschäftsmodells gemessen – egal, was bis dahin geschehen ist.“ Max Weigl

Wirtschaftsforum: Welche Impulse aus dem Rest der Welt haben Sie am nachhaltigsten beeinflusst?

Max Weigl: Der US-Markt, den wir von Los Angeles aus steuern, ist äußerst bedeutsam für uns und ich bin dort regelmäßig vor Ort. Die Geschwindigkeit, mit der in den Vereinigten Staaten Unternehmen mit hohem Innovationsgrad hochgezogen werden, ist schon sehr beeindruckend. Auch wenn Tesla oder Uber genauso wie andere Firmen mit Problemen zu kämpfen haben, ist ihre Skalierbarkeit sehr groß. Das liegt auch an den völlig anderen Voraussetzungen hinsichtlich Investoren und Venture-Capital-Organisationen: In Europa wirst du daran gemessen, was du schon geleistet hast. Darauf aufbauend wird dein Unternehmen bewertet, werden Kreditlinien vergeben und damit auch die Möglichkeiten gesteuert. In Amerika wirst du an deinen Ideen, den Marktchancen und der Skalierbarkeit deines Geschäftsmodells gemessen – egal, was bis dahin geschehen ist. Daher kann dort ein Unternehmen mit einer guten Idee und einem kompetenten Management auf mehrere 100 Millionen US-Dollar bewertet werden, noch bevor der erste Kunde oder Mitarbeiter an Bord ist.

Wirtschaftsforum: Der Markt, in dem Sie sich bewegen, war eigentlich schon mit Bierzapfanlagen großer Hersteller versorgt. Dann kam Ihr Beerjet und setzte völlig neue Impulse. Ist die Geschichte von Beerjet auch eine Allegorie auf die besondere Innovationskraft des Mittelstands?

Max Weigl: Das ist eindeutig mit „Ja“ zu beantworten. Wir sind ein kleines Unternehmen und bringen eine völlig neue Technologie in den Markt. Wir können weder mit Preis noch mit Menge punkten. Das, was uns treibt und unser Überleben sichert, sind Innovation, Qualität und Kundennutzen. Nur so können wir am Markt bestehen. Wenn wir in große Stadien gehen, bieten wir kein Produkt an – wir bieten eine Lösung an. Eine große Après-Ski-Hütte in Tirol mit rund 2.500 Gästen Kapazität, die zwei Stunden lang ein Massengeschäft zu bewältigen hat, ist niemals mit einem Fußballstadion in Deutschland zu vergleichen, in dem rund 80.000 Menschen sitzen. Trotzdem haben beide dasselbe Problem: Wie kann ich die große Nachfrage an Bier in extrem kurzer Zeit befriedigen und dabei noch wirtschaftlich arbeiten?

Kleine Unternehmen wie Beerjet sind außerdem deutlich flexibler, haben kürzere Entscheidungswege und, offen gesprochen, hinterfragen nicht alles bis zur Erschöpfung. Frei nach dem Motto: Alle haben gesagt: „Das geht nicht“. Bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach gemacht hat. Das geht nicht immer. Aber es ist der Spirit, der uns immer wieder neue Lösungen bringt.

„Alle haben gesagt: „Das geht nicht“. Bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach gemacht hat.“ Max Weigl
Max Weigl

Wirtschaftsforum: Die finanziellen Mittel zur Optimierung des Produktionsprozesses und zur weltweiten Expansion hat sich Beerjet unter anderem durch eine Crowdinvesting-Kampagne beschafft. Wie waren Ihre Erfahrungen?

Max Weigl: Beerjet war eine der erfolgreichsten Crowdinvesting-Kampagnen Österreichs. Wir haben in rund drei Monaten 600.000 EUR eingesammelt. Der Vorteil, den wir hatten, lag ganz klar im Nutzen unseres Produktes. Beerjet macht 6 Bier in 7 Sekunden und es gibt Tausende Momente, wo Menschen auf Bier warten: im Stadion, beim F1 Grand Prix, bei großen Konzerten. Das wissen alle Menschen, weil sie es selber erlebt haben oder andauernd erleben.

Wirtschaftsforum: Kann dieses Finanzierungsmodell im Mittelstand Schule machen?

Max Weigl: Es kann definitiv Schule machen. Aber ob es langfristig Bestand hat, wird die Zukunft zeigen. Dieses Modell ist noch sehr jung und die meisten Projekte sind nicht am Ende der Laufzeit, wo die Investoren das eingesetzte Kapital mit einer entsprechenden Verzinsung wieder zurückerwarten. Wenn das nicht in diesem Ausmaß kommt wie erwartet, kann es zu Verstimmungen bezüglich dieses Modells kommen. Weiter sind die Kosten – Kampagnenkosten, Verzinsung, Plattformkosten, Betreuung der Investoren – extrem hoch. Billiges Geld sieht definitiv anders aus. Dieses Modell ist nur dann einigermaßen wirtschaftlich darzustellen, wenn man in der Lage ist, einen sehr großen Betrag einzusammeln. 

Wirtschaftsforum: Die meisten mittelständischen Unternehmen, aus denen in ihrem jeweiligen Segment Weltmarktführer werden, bestechen nicht nur durch eine zündende Idee, sondern auch durch Führungspersonal, das für diese Idee brennt. Was treibt Sie an? Und wofür müssen Ihre Mitarbeiter brennen?

Max Weigl: Der Start unseres Unternehmens war das Erkennen eines Problems. Ludwig Kleinlehner, einer der Gesellschafter von Beerjet, ist der Betreiber der Wiener Wies´n, dem österreichischen Pendant zum deutschen Oktoberfest. 6.000 Menschen am Abend mit Bier zu bedienen, war mit seinem Qualitätsanspruch niemals wirtschaftlich möglich: Entweder hätte er 25 Zapfanlagen mit entsprechendem Personalaufwand einrichten müssen, oder die Menschen warten zu lange auf ihr Bier. Dieses Problem zu lösen, war unser Start. Mittlerweile produzieren zwei BEERJET-6-Mobile mit 3 Menschen bis zu 10.000 Bier in 3 bis 4 Stunden und die Gäste bekommen innerhalb von 5 bis 8 Minuten ihr Bier. Ohne Schankverlust für den Gastronom und ohne Abhängigkeit von professionellem Personal.

Max Weigl
„Was uns treibt, sind Lösungen. Wir wollen in unserem Bereich die Besten sein.“ Max Weigl

Was uns treibt, sind Lösungen. Wir wollen in unserem Bereich die Besten sein. Es hat einen Grund, warum Kunden wie Do&Co in der Allianz Arena München, das Management von Borussia Dortmund, der FC St. Pauli, Formel 1, Moto GP und viele mehr auf unsere Lösungen setzen. Wir sind 24/7 fokussiert auf dieses Thema. Und unsere Mitarbeiter spüren, dass wir hier etwas ganz Großes schaffen können. Mittlerweile sind Beerjet-Lösungen in 14 Ländern im Einsatz. Wir haben die Vision, dass in Zukunft überall, wo dieser Bedarf entsteht, Beerjet der erste Lösungsansatz ist. Wenn ein kleines Unternehmen aus Waidhofen/Ybbs eine neue Technologie in die ganze Welt exportiert, dann ist das eine große Sache. Daher sind wir alle bis in die Haarspitzen motiviert.

Interview: Julian Miller

Bewerten Sie diesen Artikel
Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern
TOP