Mehr als Masse: Die Zukunft der Tierernährung

Interview mit Heinz Schuster, Geschäftsführer der Trouw Nutrition Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schuster, seit über 70 Jahren ist Ihr Unternehmen in der Tierernährung aktiv. Wie hat sich die Trouw Nutrition Deutschland GmbH in dieser Zeit entwickelt – und wo stehen Sie heute?

Heinz Schuster: Die deutsche Organisation wurde 1954 als A. Trouw GmbH gegründet. Heute sind wir Teil der Nutreco-Gruppe, die zur niederländischen SHV Holding gehört – einem der größten Privatunternehmen Europas. Unser Hauptsitz ist in Burgheim bei Ingolstadt, dazu kommt ein Vertriebsbüro in Diepholz. Aktuell beschäftigen wir 207 Mitarbeiter in der DACH-Region. Wir sind auf Jungtierfutter für Kälber und Ferkel sowie auf Zusatzstoffe und Additive für Rind, Schwein und Geflügel spezialisiert – mit Fokus auf Landwirtschaft und Futtermittelindustrie.

Wirtschaftsforum: Wie ist Trouw Nutrition organisatorisch aufgestellt?

Heinz Schuster: Seit Anfang 2024 arbeiten wir in einer Matrixstruktur – zentrale Steuerung für Europa und Zentralasien, etwa in Marketing oder Produktentwicklung. Damit gewährleisten wir strategisch abgestimmte Kommunikation, Initiativen und Prozesse. 

Deutschland ist für den Vertrieb in der DACH-Region zuständig, aber operativ in das europäische System eingebunden. Veröffentlichungen oder Marketingmaßnahmen verantwortet unsere zentrale Fachabteilung.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Forschung und Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen?

Heinz Schuster: Eine zentrale. Nutreco beschäftigt weltweit rund 250 Wissenschaftler an elf Forschungsstandorten. Wir entwickeln effizientere, nachhaltigere Futterkonzepte. Nachhaltigkeit ist bei uns kein Schlagwort, sondern ein klarer Auftrag – vom Konzern, von der Eigentümerfamilie und aus innerer Überzeugung. Wir sehen es als unsere Aufgabe, Kreisläufe zu schließen und lokale Ressourcen besser zu nutzen – für eine zukunftsfähige Tierernährung.
 

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Wertschätzung für Lebensmittel in Europa – und was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern?

Heinz Schuster: In Europa – vor allem im Westen – ist Nahrung jederzeit verfügbar und günstig. Das führt dazu, dass sie oft nicht mehr wertgeschätzt wird. Ich glaube, nur reale Knappheit kann ein Umdenken bewirken. Politische Programme oder Marketingkampagnen haben bislang wenig verändert. Die vorgelagerte Futtermittelproduktion wird in E­uropa zu wenig beachtet – anders als in vielen anderen Weltregionen.

Wirtschaftsforum: Sie sind seit über 30 Jahren im Unternehmen – was motiviert Sie persönlich?

Heinz Schuster: Ich konnte mich immer weiterentwickeln und hatte nie das Bedürfnis zu wechseln. Heute bin ich Geschäftsführer und Business Director für den Bereich Rind – strategisch und operativ verantwortlich. Ich bin überzeugt: Nur wer selbst brennt, kann andere mitreißen. Diese Begeisterung versuche ich weiterzugeben – authentisch und aus Überzeugung.

Wirtschaftsforum: Welche Impulse haben Sie zuletzt gesetzt – insbesondere im Hinblick auf die Transformation innerhalb der Gruppe?

Heinz Schuster: Der Wandel von nationalen Strukturen hin zu europäisch gesteuerten Einheiten verändert vieles – Arbeitsweisen, Prozesse, Verantwortlichkeiten. Wir befinden uns in einer dreijährigen Transformationsphase und liegen gut auf Kurs. Noch ist nicht alles perfekt, aber der Fortschritt ist klar erkennbar.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell in Ihrer Branche?

Heinz Schuster: Der Markt schrumpft. In den letzten drei Jahren sank das Mischfuttervolumen in Deutschland um über 8%. Besonders betroffen sind Rind und Schwein, während Geflügel stabil bleibt. Unsere Antwort: intensive Kundenpartnerschaft, Forschung, Innovation und echte Nachhaltigkeit. Ein zentrales Thema ist dabei die Kreislaufwirtschaft: Wir unterstützen Landwirte darin, selbsterzeugtes Futter aus Grasland oder hochwertige Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung (zum Beispiel Magermilchpulver) gezielter zu nutzen und Zusatzstoffe sinnvoll zu ergänzen – statt auf importierte Rohproteine wie Sojaschrot aus Übersee zu setzen. Das spart Kosten, schützt Umwelt und stärkt regionale Wertschöpfung.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihre Vision für die Zukunft aus?

Heinz Schuster: Wir wollen unseren Weg konsequent weitergehen – über alle Tiergattungen hinweg. Im Rinderbereich sind wir bereits sehr erfolgreich, im Schweinebereich ebenfalls gut aufgestellt, beim Geflügel besteht noch Potenzial. Ziel ist ein nachhaltiges Wachstum: Wenn wir jährlich ein paar Prozent zulegen, während der Markt zurückgeht, entsteht langfristig ein klarer Vorsprung. Nachhaltigkeit, Tierwohl und Umweltschutz sehen wir dabei nicht als Gegensätze, sondern als gemeinsame Richtung, die unser tägliches Handeln bestimmt.

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