Das kundennahe Energiehaus

Interview mit Marco Voß, Geschäftsführer der Energie und Wasser Wahlstedt/Bad Segeberg GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Voß, Sie sind seit gut einem Jahr Geschäftsführer der ews. Was zeichnet den Energiedienstleister aus?

Marco Voß: Vor allem eine starke regionale Verbundenheit. Sie ist Alleinstellungsmerkmal und fest in unserer Philosophie verankert.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet das genau?

Marco Voß: Die ews ist ein Zusammenschluss der HanseWerk und den Städten Bad Segeberg und Wahlstedt. Diese Kooperation von Energiewirtschaft und einem regionalen Unternehmen, beziehungsweise der regionalen Verbundenheit zu den Städten, ist eine tragende Säule, die uns ausmacht und Motor unserer Entwicklung ist. Wir können dank dieser Struktur lokale Wertschöpfung generieren und für die Menschen vor Ort da sein und auf der anderen Seite das Know-how des HanseWerk nutzen. Mit der ews Netz GmbH, bei der die Strom- und Gasnetze liegen, gibt es zudem eine100%ige Tochtergesellschaft. Die ews Netz ist vor Ort für die Menschen ansprechbar und kümmert sich um den sicheren Betrieb der Netze.

Wirtschaftsforum: Wie sehen die Kernaufgaben der ews als Energiedienstleister der Region aus?

Marco Voß: Zum Kerngeschäft gehören der Betrieb des Wassernetzes und die Wassererzeugung, die Sicherstellung der Wasserversorgung für die Umlandgemeinden sowie der Strom- und Gasvertrieb. Hinzu kommt das konstant an Bedeutung gewinnende Thema E-Mobilität; wir haben zum Beispiel Ladestromsäulen zum Betanken von Elektrofahrzeugen aufgestellt und verzeichnen insbesondere in diesem Bereich steigende Absatzzahlen. Auch bei PV-Anlagen bieten wir Kunden Unterstützung an, beraten und helfen bei der Nutzung. Zudem sind wir Teil eines Projekts mit dem Kreis Segeberg und haben zwei ehemalige Langzeitarbeitslose aus dem Jobcenter angestellt, die zu Energieberatern ausgebildet werden. Dieses soziale Projekt ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Wirtschaftsforum: Sie sind im Juli 2022 zur ews gekommen und damit in einer außergewöhnlich herausfordernden Zeit. Wie haben Sie diese Zeit erlebt und zu welchen Veränderungen hat sie geführt?

Marco Voß: 2022 ist viel passiert; die EEG-Umlage fiel weg, der Krieg brachte verschiedene Gesetzesänderungen und Krisenmodi mit sich. Diese Krise haben wir dennoch als Chance begriffen und genutzt, um Prozesse zu überdenken, die zuverlässig funktionieren mussten. Trotz schwieriger Umstände konnten wir die kommunale Wärmeversorgung mit den Städten auf den Weg bringen, was ein wichtiger strategischer Punkt in Hinblick auf die Neuausrichtung ist. Wir haben zudem die Weichen für den Bau einer PV-Anlage gestellt, weil dies für uns zur Steigerung der regionalen Wertschöpfung gehört und Teil der kommunalen Wärmeplanung ist.

Wirtschaftsforum: Das erfolgreiche Krisenmanagement spricht für das Unternehmen. Wo liegen die Stärken der ews?

Marco Voß: Wir sind gut durch die herausfordernde Zeit gekommen, weil unsere Mitarbeiter hervorragende Arbeit geleistet haben. Wir haben hier ein sehr homogenes Team und pflegen eine offene Kommunikation. Jeder identifiziert sich mit dem Unternehmen und seinen Werten, das ist ein Schlüssel zum Erfolg. Als regionales Unternehmen sind wir zudem für die Kunden vor Ort direkt ansprechbar.

Wirtschaftsforum: Gibt es für die nächste Zukunft konkrete Pläne oder Visionen?

Marco Voß: Wir werden in den nächsten drei bis fünf Jahren den Wärmesektor angehen und befinden uns dafür mitten in der Planung. Ein riesiger Punkt ist die Wärmeerzeugung, mit der ein hoher Kapitalbedarf verbunden ist. Die komplexe Finanzierung ist Zukunftsthema Nummer 1. Wir arbeiten zudem an flexiblen Tarifen bei Strom und Gas und forcieren die Automatisierung im Stammgeschäft. Nicht zuletzt möchten wir die regionale Wahrnehmung ausbauen, auch wenn wir bereits einen sehr guten Ruf in der Region genießen. Wir haben damit konkrete Pläne, sind uns aber bewusst, dass wir bestimmte Dinge nicht allein realisieren können. Für die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung brauchen wir die Unterstützung durch den Bund. Der dafür notwendige Kapitalbedarf ist immens hoch, deshalb müssen günstige Kredite und Fördermöglichkeiten geschaffen werden.

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