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Interview mit Lars Kossack, Geschäftsführer der Thüringen Recycling GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kossack, Sie sind Geschäftsführer eines Unternehmens, das seit Jahrzehnten für eine zuverlässige Abfallentsorgung steht. Wie haben Sie die Branche in den vergangenen Jahren erlebt?

Lars Kossack: Wir stehen seit der Gründung als VEB 1955 für Kontinuität. Seitdem gab es keine Unterbrechung, viele Mitarbeiter sind seit den Anfängen dabei. Allein diese Tatsache ist einzigartig, da durch die politische Wende im Osten viele Betriebe abgewickelt oder neu gegründet wurden. Seit der Privatisierung durch die Treuhand 1991 sind wir ein Familienunternehmen, das sich konstant positiv entwickelt hat.

Wirtschaftsforum: Die Wende war eine klare Zäsur; eine andere war der Importstopp von China. Wie hat sich dieser auf das Geschäft ausgewirkt?

Lars Kossack: Es gibt einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel in Hinblick auf das Recycling. In der Vergangenheit haben viele Entsorgungsunternehmen Halbzeuge grenzüberschreitend exportiert, nach Südostasien, China, Vietnam. Das wurde vielfach kritisiert. Inzwischen ist es hier aus verschiedenen Gründen zu einem Stillstand gekommen. Als lokales Dienstleistungsunternehmen erfahren wir momentan eine sehr große Nachfrage. Der Bedarf ist groß, deshalb sind wir sehr positiv gestimmt. Unser Ziel ist es, uns als lokaler Spezialdienstleister, der integrierte, gute Lösungen bietet, zu etablieren. Das heißt, wir wollen weg vom internationalen Handelsgeschäft. Wir haben im Rückblick viele Dinge gemacht, die nicht nachhaltig waren und halten es für absolut sinnvoll, dass wir uns selbst um unseren Abfall kümmern. Alles in allem ist es gut, dass südostasiatische Länder unter Führung von China ihre Grenzen für Sekundärrohstoffe dichtgemacht haben. Letztlich hat auch Corona gezeigt, wie fragil internationale Werkstoffketten sind; das gilt auch für Rohstoffe und Sekundärrohstoffe.

Wirtschaftsforum: Wie ist Thüringen Recycling für die Herausforderung eines lokalen Entsorgungs- und Recyclingspezialisten aufgestellt?

Lars Kossack: Wir haben heute vier Standorte und 100 Mitarbeiter. In den vergangenen Jahren sind wir konstant gewachsen und ein anerkannter regionaler Entsorgungs- und Recyclingpartner für Industrie, Gewerbe und Kommunen geworden. Klassische Aufgabenfelder sind die Entsorgung von gemischten Gewerbeabfällen und der Handel mit Sekundärrohstoffen wie Schrott, Altpapier, Kunststoffen, Altholz und Glas; für Kunststoffe haben wir übrigens eine eigene Aufbereitungsanlage. Wir stehen für integrierte Lösungen und sind auch für die Entsorgung von Sonderabfall und gefährlichen Stoffen bestens aufgestellt. Nicht zuletzt setzen wir uns durch unsere digitale Kompetenz vom Markt ab. Dafür steht nicht nur die digitale Kommunikation mit Kunden, sondern auch ein neues ERP-System sowie ein Onlineshop für Privatkunden, die dort einfach und schnell Services ordern können. Zum Teil sind wir hier besser aufgestellt als große Konzerne.

Wirtschaftsforum: Sie selbst sind seit 1999 im Unternehmen aktiv. Was sehen Sie als persönliche Herausforderungen an?

Lars Kossack: Ich bin in Lateinamerika aufgewachsen und wollte meine internationale Erfahrung hier einfließen lassen. Gerade in der Anfangszeit habe ich den Schwerpunkt auf die Internationalisierung gelegt und an Exporten mitgewirkt. Mittlerweile sehe ich meine Aufgabe vor allem darin, Rahmenbedingungen immer so zu lesen, dass man Änderungen des Geschäftsmodells früh herbeiführen kann. Ein ganz wichtiger Punkt ist natürlich die soziale Verantwortung den Menschen gegenüber, Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten. Als Team müssen wir uns so aufstellen, das wir als mittelständisches Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben – und dass bei einer Schlagzahl, die immer höher wird. Wir müssen uns ständig neu hinterfragen und erfinden.

Wirtschaftsforum: Gibt es vor diesem Hintergrund besondere Charakteristika, die für den Wachstumskurs und die Konstanz verantwortlich sind?

Lars Kossack: Wir arbeiten in einem People Business; die Menschen, die hier arbeiten und sich mit der Arbeit identifizieren, stehen hinter dem Erfolg. Wir pflegen einen kooperativen Führungsstil, nehmen unsere Mitarbeiter mit, begegnen ihnen mit Respekt, Wertschätzung und auf Augenhöhe. Gegenseitiges Vertrauen ist essenziell – selbst wenn es ab und zu schiefgeht.

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