Industrieller Schutz: Technik für den Ernstfall

Interview mit Martin Drong, Geschäftsführer der THOMAS SYS TECH GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Drong, wie ist die THOMAS SYS TECH ursprünglich entstanden – und warum ist Löschwasserrückhaltung heute ein Wachstumsmarkt?

Martin Drong: Die Wurzeln unseres Unternehmens reichen bis Anfang der 1990er-Jahre zurück. Ursprünglich waren wir ein klassisches Tanktechnikunternehmen. Mit der Zeit entstand jedoch – auch ausgelöst durch schwere Umweltunfälle – ein zunehmender Bedarf an Lösungen zur Löschwasserrückhaltung. Dieser Bedarf ist heute gesetzlich verankert: Sobald bestimmte Mengen an Gefahrstoffen gelagert werden, ist Löschwasserrückhaltung Pflicht und fester Bestandteil moderner Brandschutzkonzepte. Die Umwelt- und Haftungsrisiken sind so gravierend, dass Unternehmen hier keine Kompromisse eingehen können – und genau daraus hat sich unser heutiger klarer Fokus entwickelt.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von Fokussierung. Was bedeutet das konkret?

Martin Drong: Wir machen bewusst nur das, was wir wirklich können – und das sehr gut. Unser Portfolio ist klein, aber tief. Statt Diversifikation um jeden Preis setzen wir auf Spezialisierung, Qualität und Zertifizierungen. Das schafft Vertrauen.

Wirtschaftsforum: 2025 kam es zu einem Management-Buy-out. Wie lief die Nachfolge?

Martin Drong: Der Gründer hat frühzeitig vorgesorgt. Fünf langjährige Mitarbeiter – aus unterschiedlichen Bereichen – haben übernommen. Das war ein zweijähriger, gut vorbereiteter Prozess. Für uns ist das ein Paradebeispiel dafür, wie Unternehmensnachfolge gelingen kann.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Krisen für Ihr Geschäftsmodell?

Martin Drong: Natürlich haben wir Corona, Lieferengpässe und geopolitische Risiken gespürt. Aber wir haben gelernt, flexibel zu reagieren – etwa durch ein neues internationales Vertriebsmodell. Krisen haben uns effizienter gemacht.

Wirtschaftsforum: Ist Ihr Geschäft tatsächlich krisensicher?

Martin Drong: Relativ, ja. Wir sind branchenübergreifend tätig – von Chemie über Automotive bis Lebensmittelhandel. Schwächelt eine Branche, gleicht eine andere das oft aus. Diese Breite ist ein großer Stabilitätsfaktor.

Wirtschaftsforum: Viele Kunden kennen Ihre Produkte zunächst gar nicht. Wie gehen Sie damit um?

Martin Drong: Unsere Lösungen sind erklärungsbedürftig und nicht beliebt – sie kosten Geld und bringen keine Produktivität. Wir sehen uns daher als Berater. Oft hilft der Vergleich mit einer Versicherung: Man hofft, sie nie zu brauchen – ist aber froh, wenn man sie hat.

Wirtschaftsforum: Ihr Produktportfolio ist bewusst überschaubar. Was genau umfasst es?

Martin Drong: Unser Kernprodukt sind Systeme zur Löschwasserrückhaltung. Diese gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen – von manuellen bis hin zu vollautomatischen Barrieren. Im Grunde handelt es sich immer um dasselbe Prinzip: Öffnungen in Gebäuden so zu verschließen, dass kontaminiertes Löschwasser im Brandfall zurückgehalten und kontrolliert abgepumpt werden kann. Die Lösungen unterscheiden sich je nach baulicher Situation, Platzverhältnissen und Automatisierungsgrad, reichen aber nie über diesen klar definierten Anwendungsfall hinaus. Genau diese Fokussierung ist Teil unserer Strategie: lieber wenige Produkte, diese dafür aber technisch ausgereift, zertifiziert und zuverlässig über den gesamten Lebenszyklus betreut.

Wirtschaftsforum: Sie entwickeln aktuell neue Lösungen zur Gefahrstoffrückhaltung. Was steckt dahinter?

Martin Drong: Der Markt fragt nach Systemen, die Chemikalien direkt zurückhalten, nicht nur verdünntes Löschwasser. Dafür gibt es noch keine Standards. Wir entwickeln deshalb eigene Lösungen und arbeiten mit TÜV-Gutachten, um Genehmigungen projektweise zu ermöglichen.

Wirtschaftsforum: Wie unterscheiden Sie sich vom Wettbewerb?

Martin Drong: Wir sind Qualitätsführer, nicht Preisführer. Wir haben die meisten Zulassungen, arbeiten mit eigenem Personal von Entwicklung bis Wartung und begleiten Kunden über den gesamten Lebenszyklus. Das schafft langfristige Bindung.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

Martin Drong: Wir wollen Tradition und Innovation verbinden, Verantwortung übernehmen und verlässlicher Partner sein – für Kunden wie für Mitarbeiter. Wenn Kunden sagen, sie fühlen sich bei uns gut aufgehoben, ist das der größte Antrieb.

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