Wenn Engineering auf Zukunftstechnologien trifft

Interview mit Joachim Himmelsbach, Geschäftsführer der Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH

Seit mehr als sechs Jahrzehnten entwickelt die Junker-Gruppe hochpräzise Schleiftechnologien für unterschiedlichste Branchen – von der Automobilindustrie bis hin zu humanoiden Robotern und Datenzentren. Ihre Stärke liegt vor allem in ihrer hohen Anpassungsfähigkeit. Statt standardisierter Produkte entwickelt das Unternehmen individuelle Lösungen für die jeweiligen Anforderungen seiner Kunden. „Wir wollen dem Kunden keine Maschine verkaufen, sondern ihm eine Lösung bieten, die exakt seinen Anforderungen entspricht“, erklärt Geschäftsführer Joachim Himmelsbach.

Maßgeschneiderte Lösungen für komplexe Anforderungen

Grundlage dafür ist ein breites technologisches Portfolio. International bekannt ist Junker insbesondere für das sogenannte CBN-Hochgeschwindigkeitsschleifen. Diese Technologie ermöglicht die hochpräzise Bearbeitung großer Stückzahlen in sehr kurzen Taktzeiten. Dabei bewegt sich die Genauigkeit im Mikrometerbereich. Gerade diese Präzision macht die Maschinen des Unternehmens für zahlreiche Zukunftsbranchen unverzichtbar. Hinzu kommt ein hoher Engineering-Anteil. Viele Maschinen werden individuell konfiguriert und exakt auf die jeweilige Anwendung zugeschnitten. Dadurch entstehen hoch spezialisierte Fertigungslösungen für unterschiedlichste industrielle Einsatzgebiete.

Neue Märkte als Wachstums­treiber

Lange Zeit war die Automobilindustrie der wichtigste Absatzmarkt der Junker-Gruppe. Doch das Unternehmen reagierte frühzeitig auf die Veränderungen der Branche und erschloss neue Geschäftsfelder. Heute gehören Anwendungen für humanoide Roboter zu den besonders dynamischen Wachstumsbereichen. Die Maschinen von Junker kommen dort bei der Herstellung hochpräziser Antriebselemente zum Einsatz. Auch die steigende Nachfrage nach Notstromversorgung für internationale Datenzentren eröffnet neue Potenziale. Für die dort benötigten Großmotoren müssen große Kurbelwellen, Nockenwellen und Getriebebauteile mit höchster Genauigkeit bearbeitet werden – ein Einsatzgebiet, in dem die Schleiftechnologien von Junker ihre Stärken ausspielen. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen Lösungen für Anwendungen in der Luftfahrt­industrie. Überall dort, wo höchste Präzision, Prozesssicherheit und Effizienz gefragt sind, wächst die Nachfrage nach spezialisierten Schleiftechnologien. Automatisierung spielt dabei seit vielen Jahren eine zentrale Rolle. Die Maschinen produzieren Bauteile in extrem kurzen Intervallen und sind deshalb eng mit automatisierten Fertigungsprozessen verbunden. Dafür verfügt das Unternehmen über einen eigenen Geschäftsbereich für Automatisierungslösungen – sowohl für eigene Maschinen als auch für komplette Produktionslinien. Auch das Thema künstliche Intelligenz gewinnt zunehmend an Bedeutung. Erste Anwendungen nutzt Junker bereits im Software- und Servicebereich, etwa zur schnelleren Analyse von Störungen oder zur Optimierung von Abläufen.

Internationale Struktur sichert Wettbewerbsfähigkeit

Die Junker-Gruppe beschäftigt weltweit rund 1.100 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz zwischen 170 und 190 Millionen EUR. Neben dem Hauptsitz in Nordrach ist das Unternehmen international mit Niederlassungen und Produktionsstandorten aufgestellt. Eine wichtige strategische Entscheidung wurde bereits in den 1990er-Jahren getroffen: Damals integrierte Unternehmensgründer Erwin Junker Produktionsstandorte in Tschechien in die Unternehmensgruppe. Dort erfolgen bis heute Fertigung und Vormontage vieler Maschinen. Diese internationale Struktur trägt wesentlich dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern. Gleichzeitig hält Junker konsequent am Qualitätsanspruch „Engineering in Germany“ fest. Langjährige Erfahrung, technisches Know-how und erfahrene Mitarbeiter bilden dabei die Grundlage für die hohe Qualität der Produkte.

Solides Wachstum mit klarem Zukunftskurs

Trotz der wirtschaftlich angespannten Lage in Europa blickt man bei der Junker-Gruppe optimistisch in die Zukunft. Besonders außerhalb Europas beobachtet das Unternehmen weiterhin eine hohe Investitionsbereitschaft. Für die kommenden Jahre setzt Junker auf nachhaltiges Wachstum und technologische Weiterentwicklung. „Wir planen keine extremen Wachstumssprünge, sondern wollen in kleinen, stabilen Schritten weiter wachsen“, sagt Joachim Himmelsbach. Gleichzeitig verfolgt die Unternehmensgruppe das Ziel, sich auch künftig durch individuelle Lösungen und höchste Präzision vom internationalen Wettbewerb abzuheben. Dabei spielen Kundennähe und Flexibilität eine zentrale Rolle. Statt auf standardisierte Maschinen setzt Junker weiterhin auf passgenaue Konzepte für unterschiedlichste Anforderungen und Branchen. Genau dieser Lösungsansatz hat das Unternehmen über Jahrzehnte hinweg erfolgreich gemacht und bildet auch künftig die Grundlage der Unternehmensstrategie. Die Vision der Gruppe fasst Joachim Himmelsbach in einem Satz zusammen: „Technologie, die bewegt. Lösungen, die verbinden. Präzision, die begeistert.“ 

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