Materialien, die moderne ­Industrie möglich machen

Interview mit Dr. Sven Vogt, Geschäftsführer und Maximilian Steffien, Werksleiter Norsystec, Tochtergesellschaft der KKT Holding GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Vogt, Herr Steffien, wie hat sich die KKT-Gruppe entwickelt und wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?

Dr. Sven Vogt: Die KKT-Gruppe entstand 2002 aus zwei Ursprungsstandorten – KKT Fröhlich in Osterode und KKT Pressig. In den vergangenen Jahren haben wir die Gruppe strategisch weiterentwickelt und international ergänzt. Ein wichtiger Schritt war die Ausgründung der Materialentwicklung in die Tochtergesellschaft Elastica. Gleichzeitig haben wir unsere Struktur durch internationale Standorte erweitert – etwa in Tunesien für arbeitsintensive optische Bearbeitungen und Systemmontagen sowie in Rumänien für halb automatisierte Umspritzprozesse. So ist aus zwei Unternehmen eine mittelständische Industriegruppe mit klarer technologischer Ausrichtung entstanden.

Maximilian Steffien: Ich bin Werksleiter der Norsystec, einer 100%igen Tochter der KKT Holding, und verantworte den Standort. 2012 bin ich über ein duales Studium bei KKT eingestiegen, war anschließend Assistent von Dr. Sven Vogt und später Projektmanager bei Norsystec. Seit 2019 leite ich den Standort. Die Gruppe bietet jungen Führungskräften früh Verantwortung und Entwicklungsmöglichkeiten.

Wirtschaftsforum: Die vergangenen Jahre waren für viele Indus­trieunternehmen schwierig. Wie ist KKT mit den Krisen umgegangen?

Dr. Sven Vogt: Wir haben früh darauf gesetzt, einen großen Teil der Wertschöpfung selbst abzudecken. Heute fertigen wir je nach Produkt etwa 80 bis 85% innerhalb der Gruppe. Dadurch haben wir eine hohe technische und operative Kontrolle und sind weniger abhängig von

externen Lieferketten. Krisen wie Pandemie oder geopolitische Spannungen haben uns natürlich getroffen, aber meist nur begrenzt. In manchen Situationen waren wir sogar der Lieferant, der noch liefern konnte. Gleichzeitig nutzen wir Krisen bewusst, um zu investieren und uns technologisch weiterzuentwickeln.

Maximilian Steffien: Für uns am Standort bedeutet das vor allem, stabile Prozesse sicherzustellen und gleichzeitig Projekte weiter voranzutreiben. Gerade in unsicheren Zeiten ist es entscheidend, Kunden zuverlässig zu beliefern und die eigene Wertschöpfung zu sichern.

Wirtschaftsforum: Wie groß ist die KKT-Gruppe heute und wo sehen Sie Ihre Marktposition?

Dr. Sven Vogt: Wenn wir alle Standorte zusammen betrachten, beschäftigen wir knapp 1.000 Mitarbeiter. Um die Entwicklung zu verdeutlichen: Um die Jahrtausendwende lagen wir bei rund 200 Mitarbeitern und etwa 20 Millionen EUR Umsatz, heute bei etwa 70 bis 75 Millionen EUR. Im Markt sehen wir uns insgesamt im oberen Drittel. In Bereichen wie Luftfahrt, Sicherheitstechnik oder elektrotechnischen Anwendungen verfügen wir durch unsere Kombination aus Material-, Werkzeug-, Verarbeitungs-, Prüf- und Montagetechnologie über eine sehr starke technologische Position.

Maximilian Steffien: Diese Marktposition spürt man auch in der Produktion. Wir arbeiten in technologisch anspruchsvollen Segmenten mit hohen Qualitätsanforderungen. Entsprechend wichtig ist es, Projekte präzise umzusetzen und flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren.

Wirtschaftsforum: In welchen Branchen sind Sie aktiv und wie international ist Ihr Geschäft?

Dr. Sven Vogt: Unsere Aktivitäten sind bewusst breit diversifiziert. Eine zentrale Säule ist die Materialentwicklung sowie die Produktion und der Vertrieb von Gummi- und Silikonmischungen. Darüber hinaus fertigen wir komplexe Gummi-, Kautschuk- und Kunststoffteile für Automotive, Luftfahrt, Sicherheitstechnik, Medizintechnik und industrielle Anwendungen – etwa optische Interior-Bauteile, Feuerwehrmasken, Flugzeugdichtungen, Mittelspannungsanwendungen oder Beatmungsschläuche. Über 80% unserer Kunden sind OEMs. Europa ist unser Hauptmarkt, zugleich sehen wir Wachstum in Brasilien, Südafrika, Indien und Indonesien. In Nord- und Südamerika sowie China arbeiten wir mit Partnerstrukturen.

Maximilian Steffien: Für die Werke bedeutet diese Branchenvielfalt eine große Bandbreite an Anforderungen. Unterschiedliche Märkte und Stückzahlen erfordern flexible Prozesse und eine enge Abstimmung innerhalb der Gruppe.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Automotive für Ihr Unternehmen?

Dr. Sven Vogt: Automotive ist eine wichtige, aber nicht die einzige Säule. Wir sind in technologisch anspruchsvollen Segmenten tätig, oft als Alleinlieferant oder mit wenigen Wettbewerbern. Gleichzeitig arbeiten wir plattformorientiert, was Stabilität schafft. Auf die Transformation der Branche reagieren wir mit Investitionen in neue Materialien, Recyclinglösungen und Mehrkomponententechnologien für die Elektromobilität.

Maximilian Steffien: Für die Produktion bedeutet das vor allem, Projekte zuverlässig in die Serie zu bringen und Prozesse kontinuierlich zu verbessern. Gerade im Automotive-Bereich ist operative Stabilität entscheidend.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Digitalisierung?

Dr. Sven Vogt: Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil unserer Strategie – ökologisch wie sozial. Gerade im Bereich Gummi ist das anspruchsvoll, deshalb arbeiten wir daran, Materialien effizienter einzusetzen und Abfälle zu reduzieren. Ein wichtiger Fortschritt ist die verlängerte Lebensdauer vieler Produkte. Parallel investieren wir in Digitalisierung, Automatisierung und KI-nahe Technologien, um Mitarbeitende zu entlasten und neue Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Bis 2030 wollen wir klimaneutral sein; aktuell liegen wir bei rund 20% Energieautarkie und bauen diesen Anteil weiter aus.

Maximilian Steffien: Für den Standort sind Nachhaltigkeit und insbesondere CO2-Neutralität zentrale Themen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, unsere Wertschöpfungstiefe weiter zu sichern und interne Projekte konsequent umzusetzen.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre wichtigsten Ziele für die kommenden Jahre?

Dr. Sven Vogt: Die kommenden Jahre werden dynamisch. Viele Projekte, die wir in den letzten zwei bis drei Jahren vorbereitet haben, gehen nun in die Umsetzung und sollen zwischen 2028 und 2030 auf den Markt kommen. Ein entscheidender Erfolgsfaktor bleibt unsere Mannschaft. Wir investieren stark in Ausbildung und Nachwuchs. Viele Mitarbeiter bleiben über Jahrzehnte im Unternehmen – getragen von einer mittelständischen Kultur mit flachen Hierarchien, Vertrauen und offener Fehlerkultur.

Maximilian Steffien: Für uns am Standort bedeutet Zukunft vor allem, Projekte erfolgreich umzusetzen und Prozesse weiter zu stärken. Gleichzeitig profitieren wir davon, Teil einer Gruppe zu sein, die Entwicklungsmöglichkeiten bietet und jungen Führungskräften Verantwortung überträgt. Genau das habe ich selbst erlebt.

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