„Digitalisierung ermöglicht noch mehr Kundennähe!“

Interview mit Bennet Friedrich, Leiter Geschäftsentwicklung der Hecon Abrechnungssysteme GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Friedrich, Hecon steht seit Jahrzehnten für einfach smarte Heizkostenabrechnungen – gerade in letzter Zeit ein Brandthema in deutschen Haushalten.

Bennet Friedrich: Im Kern unserer Unternehmenstätigkeit steht in der Tat die Messdienstleistung. Unser Leistungsspektrum erstreckt sich dabei von der Installation der Messgeräte in den über 60.000 von uns betreuten Wohn- und Gewerbeeinheiten über die Verarbeitung der Verbrauchsdaten bis hin zur Erstellung der allseits bekannten Heizkostenabrechnung, in der die Energieverbräuche eines Gebäudes auf die einzelnen Haushalte oder Nutzobjekte umgelegt werden. Zudem verlangt der Gesetzgeber inzwischen in vielen Fällen auch die Erstellung einer sogenannten unterjährigen Verbrauchsinformation, damit die Mieter eine direkte monatliche Rückkoppelung zu ihrem Energieverbrauch erhalten, sodass sie ihr Heizverhalten gegebenenfalls schnell anpassen können – und nicht erst ein Jahr später, wenn die Endabrechnung ins Haus flattert.

Wirtschaftsforum: Die Anforderungen an Ihre Tätigkeit dürften damit noch einmal komplexer geworden sein – wie stark hat bei Hecon inzwischen die Automatisierung Einzug gehalten, um diesen Herausforderungen gerecht werden zu können?

Bennet Friedrich: Wir betreuen mehrere hunderttausend Messgeräte, die uns in Summe mehr als 1.000.000 Datenpunkte pro Monat liefern – ohne eine stark automatisierte Datenverarbeitung wären wir hoffnungslos verloren. Sobald die benötigte Infrastruktur einmal geschaffen wurde, läuft der Prozess der Datenerhebung und -aufbereitung dann in der Tat auch weitgehend automatisiert ab, während die Montagearbeiten natürlich auch perspektivisch gar nicht digitalisierbar sind. Doch man kann das Thema Automatisierung in zwei völlig verschiedene Richtungen denken.

Wirtschaftsforum: Welche sind das?

Bennet Friedrich: Manche Marktteilnehmer sehen darin eine Möglichkeit, um von nun an nur noch stur nach Schema F vorzugehen und möglichst alle Kundenanforderungen in dasselbe Korsett zu pressen. Wir bevorzugen den gegenteiligen Weg und sehen die Digitalisierung vielmehr als Möglichkeit, um noch näher an unsere Kunden heranzurücken und genau auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können. Denn wenn irgendwann einmal ein Problem oder eine Frage auftreten sollte, sind wir jederzeit ansprechbar: telefonisch, aber auch vor Ort im jeweiligen Objekt oder in unserem neuen Firmengebäude, das wir bewusst sehr offen gestaltet haben, um einen engen Austausch zu ermöglichen – innerhalb der Belegschaft, aber auch mit unseren Kunden und Partnern.

Wirtschaftsforum: Mit welchen Innovationen beschäftigt sich H­econ derzeit?

Bennet Friedrich: Wir entwickeln unsere Prozesse ständig weiter – sowohl im Wege der klassischen Software-Programmierung als auch mit KI. Darüber hinaus sehen wir weiteres Wachstums­potenzial jenseits unseres angestammten Kerngeschäfts und gehen hierbei bereits mit einigen sehr innovativen Kunden erste Schritte, etwa um auch ihre Heizungskeller zu digitalisieren.

Da wir uns mit Energiedaten und ihrer Interpretation sowie verschiedensten Messtechnologien und Funkübertragungswegen bestens auskennen, möchten wir in Zukunft auch erfassen, ob die Einstellung der jeweiligen Heizungsanlage energetisch sinnvoll ist oder Verbesserungen vorgenommen werden könnten, ob die Warmwassertemperatur vielleicht zu niedrig ist und damit die Gefahr der Entstehung von Legionellen besteht, oder ob möglicherweise keine Nachtabsenkung erfolgt. So wollen wir noch viele weitere Leistungen mit einem echten Mehrwert für unsere Kunden anbieten.

Wirtschaftsforum: Mit Ihrem Bruder und Ihnen ist nun auch die dritte Generation in das Familienunternehmen Hecon eingetreten – was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Bennet Friedrich: Ich habe Wirtschaftspsychologie und Innovationsmanagement studiert, mein Bruder Wirtschaftsinformatik und Immobilienmanagement. Im Umfeld meines Studiums war ich zunächst für ein innovatives Start-up im Bereich Hausverwaltung sowie für eine Strategieberatung an der Schnittstelle zwischen der Wohnungs- und Energiewirtschaft tätig – das Thema Immobilien hat mich also immer schon beschäftigt, und auch mit meinem Bruder, der schon deutlich länger für ­Hecon tätig ist als ich, habe ich mich gerne intensiv über unser Familienunternehmen ausgetauscht. Die Möglichkeit, daran nun auch als Leiter der Geschäftsentwicklung mitwirken zu dürfen – mit allem, was dazugehört, – fand ich unglaublich attraktiv, gerade weil mir auch andere Wege offenstanden.

Wirtschaftsforum: Eine spannende Aufgabe – vor allem in Zeiten, in denen sich vieles rasant verändert.

Bennet Friedrich: Mein großes Vorbild ist mein Großvater, der ­Hecon vor über 35 Jahren gegründet hat – auch mit 88 Jahren ist er Vollblutunternehmer geblieben, und wenn ich mich heute mit ihm zu aktuellen Themen austausche, merken wir, dass der Kern unseres Unternehmens trotz aller technologischen und Marktveränderungen immer noch derselbe ist wie einst: Denn damals wie heute stehen wir für hochwertigste Leistungen nah am Kunden!

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Die Besten für den Nordwesten

Interview mit Ricardo Corominas, Geschäftsführer der PRIMUS Personaldienstleistungen GmbH

Die Besten für den Nordwesten

Unter dem Motto „Just Works“ will die Primus Personaldienstleistungen GmbH aus Oldenburg mit einem engen Niederlassungsnetz im Nordwesten Deutschlands als starker Karrierepartner für ihre Mitarbeiter auftreten, die sie wiederum bei…

Nachhaltigkeit mit Tradition

Interview mit Daniela Schlotz, Geschäftsführende Gesellschafterin der HAKAWERK W. Schlotz GmbH

Nachhaltigkeit mit Tradition

Die Anforderungen an Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegeprodukte steigen: Sie sollen zuverlässig wirken, ergiebig und hautverträglich sein und zugleich Umwelt und Ressourcen schonen. Die HAKAWERK W. Schlotz GmbH verfolgt diesen Ansatz…

„Große Transformationen passieren nicht über Nacht!“

Interview mit Christian Arnold, Geschäftsführer der Energiekonzepte Deutschland GmbH

„Große Transformationen passieren nicht über Nacht!“

Die Energiekonzepte Deutschland GmbH, gegründet 2018 im Umfeld des letzten Solarbooms, entwickelt sich derzeit vom Lieferanten von Solarmodulen und Wärmepumpen zum holistischen Energieversorger weiter. CEO Christian Arnold erklärte im Interview…

Spannendes aus der Region Landkreis Tübingen

Im Griff der Zeit

Interview mit William Owusu, Geschäftsführer der Forkardt Deutschland GmbH

Im Griff der Zeit

Der Maschinenbau in Deutschland hat turbulente Jahre hinter sich – und die nächsten werden nicht ruhiger. Seit über 100 Jahren ist der Name Forkardt ein Qualitätsbegriff in der Werkstückspanntechnik. Ein…

Kompetent. Persönlich. Premium.

Interview mit Daniel Köstlin, Geschäftsführer der WR-Haustechnik GmbH & Co. KG

Kompetent. Persönlich. Premium.

Sanitärprodukte haben sich in den vergangenen Jahren zu modernen Higtech-Lösungen entwickelt. Sensorsteuerungen, digitale Temperaturregelung, wassersparende Technologien und smarte Vernetzung sorgen für mehr Komfort, Effizienz und Hygiene im Alltag. Gleichzeitig steigen…

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Interview mit Christof Kunze, Geschäftsführer der Gustav Daiber GmbH

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Mit kaum einem anderen Produkt können Mitarbeiter ihre Identifizierung mit ihrem Unternehmen so sichtbar und nachhaltig zeigen wie mit gebrandeten Workwear- und Corporate-Fashion-Outfits: Hierfür hält die Gustav Daiber GmbH seit…

Das könnte Sie auch interessieren

„Mich reizt die Komplexität!“

Interview mit Nikola Tubic, Vorsitzender und CEO der Wyss&Lila AG

„Mich reizt die Komplexität!“

Wer sich mit Engineeringdienstleistungen im Bahnsegment selbstständig machen will, muss die Materie bis ins Detail verstehen. Nikola Tubic ist diesen Schritt nach mehr als zwei Jahrzehnten Branchenerfahrung gegangen und gründete…

Hamburger Mittelstand, globaler Maßstab

Interview mit Benjamin Barnack, Geschäftsführer der hey contact heroes GmbH

Hamburger Mittelstand, globaler Maßstab

Die Arbeitswelt hat sich verändert – und mit ihr der Kundenservice. Während viele Unternehmen noch darüber diskutieren, wie viel KI sinnvoll ist, verbindet die hey contact heroes GmbH längst globale…

Saubere Lösungen für komplexe Anforderungen

Interview mit Samuel Simon, Geschäftsführer der Schwarzwälder Service GmbH & Co. KG

Saubere Lösungen für komplexe Anforderungen

Die Gebäudereinigungsbranche befindet sich im Wandel. Digitalisierung, Automatisierung und steigende Qualitätsansprüche verändern das Geschäft ebenso wie der zunehmende Fachkräftemangel. Die Schwarzwälder Service GmbH & Co. KG begegnet diesen Herausforderungen mit…

TOP