Oberflächen mit Tiefgang

Interview mit Omid Armaghan, Geschäftsführer der Tecnofirma GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Armaghan, Tecnofirma ist ein Spezialist für die Behandlung von Oberflächen und hat im Laufe der Zeit Standorte in Italien, Deutschland, den USA und China aufgebaut. Wie kam es zu dieser Entwicklung? 

Omid Armaghan: Die Tecnofirma SpA in Monza wurde vor über 70 Jahren gegründet und baut auf entsprechendes Know-how, Erfahrung und viele internationale Kunden. Um diese internationalen Kunden optimal betreuen zu können, begann man 2008 mit einer Internationalisierungsstrategie. 2008 wurde die erste Niederlassung in China gegründet, 2021 in Deutschland, 2022 in den USA. Wir arbeiten schwerpunktmäßig für international tätige Automobilkonzerne und ihre Zulieferfirmen, für einen zuverlässigen Support ist diese Aufstellung sehr wichtig. 

Wirtschaftsforum: Wie sieht diese Aufstellung von Tecnofirma genau aus? 

Omid Armaghan: Weltweit beschäftigen wir 144 Mitarbeiter in den Bereichen Vertrieb, Projektmanagement, Fertigung und Aftersales. In Deutschland übernehmen wir keine Montage der Anlagen, sondern fokussieren uns auf die Automatisierung; zum Beispiel, wenn Anlagen von Robotern be- oder entladen werden sollen. 

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von Anlagen. Können Sie das präzisieren? 

Omid Armaghan: Tecnofirma ist Synonym für Oberflächenbeschichtungs- oder -veredelungsanlagen. Dabei geht es zum Beispiel um das Hochdruckreinigen und -entgraten. Bevor metallische Bauteile in die Montage gehen, müssen sie von metallischen Kontaminationen befreit werden, die bei vorgelagerten Bearbeitungsprozessen wie dem CNC-Fräsen oder-Drehen entstehen. Gerade in so anspruchsvollen Anwendungsbereichen wie Automobil, Luftfahrt oder Defense ist es essenziell, dass sämtliche noch vorhandene Grate entfernt werden. Wir arbeiten dafür in erster Linie mit Wasser, das heißt mit Drücken bis zu 2.000 bar. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich Coating; hier konzentrieren wir uns auf vollautomatische Lackieranlagen. Serienproduktionsteile, klassische Interior-Bauteile wie Scheinwerferlinsen, werden in unseren Anlagen lackiert. Einen dritten Tätigkeitsbereich bildet das Imprägnieren von Elektromotoren. Mit unseren Anlagen können die Rotoren und Statoren eines Elektromotors imprägniert werden, um die thermische und elektrische Isolation zu verbessern. 

Wirtschaftsforum: Tecnofirma agiert auf einem wettbewerbsintensiven Markt, der immer wieder vor neuen Herausforderungen steht. Wo liegen die Stärken der Firma, um hier Akzente zu setzen? 

Omid Armaghan: Als kleines mittelständisches Unternehmen konkurrieren wir mit den großen Playern der Branche. Flexibilität ist vor diesem Hintergrund unser größtes Asset. Wir sind kein klassischer Maschinenbauer, sondern ein Sonderanlagenbauer, der gemeinsam mit den Kunden maßgeschneiderte Lösungen realisiert. Dafür arbeiten wir mit einem modularen Baukastensystem, das wir in den letzten Jahren konsequent weiterentwickelt haben, um auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden eingehen zu können. In dieser Flexibilität liegt unsere Stärke im Vergleich zu großen Wettbewerbern mit einem standardisierten Angebot. 

Wirtschaftsforum: Wie haben sich die Krisen der vergangenen Jahre auf die Firmenentwicklung ausgewirkt?

Omid Armaghan: Mit dem Aufkommen der Elektromobilität konnten wir sowohl im Bereich Elektromotorenfertigung als auch im Bereich Batteriegehäusefertigung große Aufträge im Bereich der Oberflächenbeschichtung akquirieren. Wir sind auf diesem Nischenmarkt einer der wenigen Anbieter voll automatisierter Anlagen, haben von Beginn an mit den großen renommierten OEMs zusammengearbeitet und inter­essante Projekte abgewickelt. Das machen wir heute auch noch. Einer der zehn größten, weltweit tätigen Automobilzulieferer in Deutschland arbeitet weltweit mit Tecnofirma zusammen. Aber natürlich spüren wir auch die Höhen und Tiefen der Branche. 

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie künftig Chancen für Tecno-firma und welche persönliche Motivation steht hinter ihrer Arbeit?

Omid Armaghan: Wir werden die Automatisierung weiter in Richtung Dark Factory forcieren, also Anlagen konstruieren, die mannlos arbeiten können. Zudem werden wir die Modularität der Anlagen weiter ausbauen, so dass Kunden nicht zwangsweise eine neue Anlage kaufen, sondern sie nur um ein Modul erweitern müssen. Ich persönlich möchte gemeinsam mit meinem Team den Industriestandort Deutschland stärken. Viele reden davon, die Chinesen zu stoppen. Ich bin regelmäßig in China, sehe wie weit die Chinesen sind und weiß, dass dieser Moment längst vorbei ist. Aber wir sollten versuchen, das, was wir in den vergangenen 15 bis 20 Jahren verpasst haben, nachzuholen und besser zu werden. Das ist für mich persönlich eine besondere Motivation.

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