„Für uns ist Regionalität das bessere Bio!“

Interview mit Uwe Nickut, Geschäftsführer der nickut catering GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Nickut, seit vielen Jahren engagiert sich Ihr Unternehmen in der Gemeinschaftsgastronomie für das Bergische Land – welchen Herausforderungen begegnen Sie damit derzeit im Markt? 

Uwe Nickut: Grundsätzlich stammen unsere Kunden aus nahezu allen öffentlichen Bereichen: von Schulen und Kindertagesstätten über Krankenhäuser bis hin zu Seniorenheimen. Darüber hinaus bieten wir Essen auf Rädern an. Vor diesem Hintergrund ist natürlich die Preisgestaltung in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, da wir aufgrund der allgemeinen inflationären Entwicklung in der Gemeinschaftsverpflegung weit oben in der Preisspirale angekommen sind: Denn auch wenn noch so viele Trägerschaften dahinterstehen – am Ende müssen das Essen die Eltern der Schulkinder oder die Menschen in den Pflegeheimen bezahlen, und da darf die Preisakzeptanz eben nicht verlorengehen.

Glücklicherweise haben wir bei nickut catering in starken Zeiten durch Wachstum und höhere Effizient z.B. im Bereich Logistik vorgesorgt, sodass wir nicht alle Preissteigerungen an die Endverbraucher weitergeben mussten, sondern diese zum Teil selbst im Unternehmen abfedern können.

Wirtschaftsforum: Mit welchen produktseitigen Veränderungen beschäftigen Sie sich derzeit? 

Uwe Nickut: Es wird viel über vegane oder vegetarische Alternativen geschrieben, und natürlich bieten auch wir entsprechende Gerichte an: Letztlich sind die Produkte mit Fleischkomponenten bei den Verbrauchern aber immer noch die begehrtesten. Gerade in Seniorenheimen braucht man weiterhin Vollkost – und man darf nicht unterschätzen, welchen Einfluss die Verpflegung auf die Lebensqualität der Menschen hat, die dort leben. Natürlich spielt das Thema Nachhaltigkeit aber auch für uns eine wichtige Rolle – insbesondere durch unseren starken Anspruch an regional erzeugte Lebensmittel, denn Regionalität ist für uns das bessere Bio. Darüber hinaus setzen wir bei der Verpackung unserer Produkte gerade wichtige Innovationen um, die sowohl einen sinnvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten als auch unsere Prozesse vereinfachen werden.

Wirtschaftsforum: Welche Ansätze verfolgen Sie dabei genau? 

Uwe Nickut: Ich bin großer Verfechter von wiederverwertbaren Verpackungsmaterialien geworden – insbesondere von hochwertigem PET. Inzwischen arbeiten wir mit einem dänischen Hersteller zusammen, der hierbei zu 98% auf wiederverwertbares Material setzen kann: fast so viel, wie bisher bei Aluminium erreicht wurde. Derzeit entwickeln wir die Logistikprozesse, um die PET-Verpackungsmaterialien bei unseren Kunden zurückzuholen und anschließend grob zu reinigen, um dabei sämtliche Speisereste zu entfernen. Danach werden sie bei uns zwischengelagert und -gekühlt, bevor wir sie zu einer Verarbeitungsfirma transportieren wollen, wo sie dann geschreddert und anschließend wiederverwertet werden. Logistisch mag dieser Prozess etwas komplexer ausfallen, doch so sparen wir uns die sehr personalintensive Reinigung der bisher von uns verwendeten Edelstahlbehälter samt ihrem deutlich höheren Transportgewicht, das einen echten Kostentreiber in unserer Logistik darstellt. 

Wirtschaftsforum: Wie entwickelt sich nickut catering derweil als Unternehmen weiter? 

Uwe Nickut: Neben der Gemeinschaftsverpflegung betreiben wir mit Bergischländer auch eine angeschlossene Metzgerei, woraus sich starke Synergieeffekte ergeben, die wir in Zukunft noch weitreichender für uns nutzen wollen: zum Beispiel mit neuen Voll-Convenience-Produkten, die wir so auch für Stadien, gastronomische Betriebe und weitere Anbieter herstellen möchten – je nach Kundenwunsch nach eigener oder Fremdrezeptur. 

Wirtschaftsforum: Inwiefern ist der Fachkräftemangel dabei ein limitierender Faktor? 

Uwe Nickut: Natürlich ist es schwierig, qualifiziertes Personal zu finden – in der Fleischerei, aber auch als Kommissionierer. In der Küche können wir uns derweil durch die geregelten Arbeitszeiten abheben, was in der Branche nicht selbstverständlich ist. Letzten Endes wollen wir durch sichere Arbeitsplätze mit Löhnen, die über Tarif liegen, sowie attraktiven sozialen Leistungen und einer fürsorglichen Unternehmenskultur überzeugen. Ich bin nun bereits seit 32 Jahren selbstständig und mir ist es wichtig, all meinen Mitarbeitern stets auf Augenhöhe zu begegnen und für sie in allen Belangen ansprechbar zu sein. Denn letzten Endes sind das die Menschen, die unsere Wirtschaft am Leben und unser Land am Laufen halten – in unserem Fall, indem sie dafür sorgen, dass Schulkinder, Senioren oder Krankenhauspatienten satt werden. Im Zuge der Akademisierungswelle ist in den letzten Jahren aus meiner Sicht ein bisschen ins Hintertreffen geraten, welche Rolle die Menschen spielen, die tagtäglich tief in der konkreten Wertschöpfung an den tatsächlichen Produkten und Dienstleistungen arbeiten. Das sollten wir auch gesellschaftlich wieder mehr in den Vordergrund rücken.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Genusswelten

Mit Schokolade Grenzen überwinden

Interview mit Tobias Goßens, Geschäftsführer der Rotstern Schokoladen GmbH & Co. KG/Argenta Schokoladenmanufaktur GmbH

Mit Schokolade Grenzen überwinden

Kaum ein Lebensmittel ruft so starke Emotionen hervor wie Schokolade. Sie tröstet, belohnt, verbindet Generationen und ist dabei weit mehr als nur ein süßer Snack. Während große Konzerne weltweit um…

Wo die Seele des Prosecco wächst

Interview mit Stefano Gava, General Manager der Val d‘Oca S.r.l.

Wo die Seele des Prosecco wächst

Die Weinbranche steht unter dem Einfluss globaler Trends, von neuen Konsumgewohnheiten bis hin zu steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit und Qualität. In dieser dynamischen Landschaft behauptet sich Val d’Oca als eine…

Schnell. Smart. Sushi –  der Convenience-Markt im Wandel

Interview mit John Örmä, Geschäftsführer der Sushi Circle Gastronomie GmbH

Schnell. Smart. Sushi – der Convenience-Markt im Wandel

Ob im Supermarkt um die Ecke oder als Streetfood-Alternative: Seit fast 30 Jahren bringt die Sushi Circle Gastronomie GmbH japanische Esskultur auf deutsche Teller – und das mit wachsendem Erfolg.…

Spannendes aus der Region Rheinisch-Bergischer Kreis

Oberflächen mit Tiefgang

Interview mit Omid Armaghan, Geschäftsführer der Tecnofirma GmbH

Oberflächen mit Tiefgang

Die Automobilindustrie steht angesichts globaler Krisen, steigender Kosten und technologischer Umbrüche unter Druck. In diesem herausfordernden Umfeld gewinnt Automation zunehmend an Bedeutung. Der gezielte Einsatz automatisierter Systeme kann dabei helfen,…

Schnell. Schlank. Versorgungssicher.

Interview mit Alexander Bell, Geschäftsführer und Andre Schmidt, Vertriebsleiter der Medsorg GmbH

Schnell. Schlank. Versorgungssicher.

Die Anforderungen an Pflegeeinrichtungen steigen – und damit auch der Bedarf an verlässlichen Partnern, die Versorgungssicherheit, Effizienz und Qualität zusammenbringen. Gerade bei Verbrauchsmaterialien und Pflegebedarf zählt nicht nur der Preis,…

Unvergessliche Erlebnisse gestalten

Interview mit Marc Lehmann, Geschäftsführer der Blueprint Events & Services GmbH

Unvergessliche Erlebnisse gestalten

Was macht eine Veranstaltung zu etwas Besonderem? Die Antwort liegt in der Kunst, kreative Ideen mit professioneller Umsetzung zu verbinden. Die Blueprint Events & Services GmbH aus Köln bietet maßgeschneiderte…

Das könnte Sie auch interessieren

Lernen, das zum Leben passt

Interview mit Robin Marsch, Chief Commercial Officer der velpTech GmbH

Lernen, das zum Leben passt

Weiterbildung nach dem Gleichschrittprinzip? Für velpTEC greift das zu kurz. Der Bildungsanbieter setzt auf individuelle Lernwege, Praxisnähe und persönliche Begleitung. Chief Commercial Officer Robin Marsch sieht darin mehr als ein…

„Die Zukunft der Mobilität wird ambivalent sein!“

Interview mit Karl Heinz Beckers, Geschäftsführer der BBT Automotive Components GmbH

„Die Zukunft der Mobilität wird ambivalent sein!“

Kurz nach der Wiedervereinigung baute der aus Bayern stammende Unternehmer Karl Heinz Beckers einen fertigungsintensiven Betrieb in den neuen Bundesländern auf, mit dem er Zündkabelsätze und Zündkerzenstecker für die Automobilindustrie…

Großprojekte mit Substanz

Interview mit Özgür Gezer, Geschäftsführender Gesellschafter der Gezer Unternehmensgruppe

Großprojekte mit Substanz

Vom ersten Sanierungsprojekt bis zur breit aufgestellten Unternehmensgruppe: Die Gezer Vermögensverwaltung GmbH vereint Hochbau, Projektentwicklung, schlüsselfertiges Bauen und Immobilienvermittlung unter einem Dach. Der geschäftsführende Gesellschafter Özgür Gezer spricht über seinen…

TOP