Gold auf Knopfdruck
Interview mit Steffen Orben, Geschäftsführer der Deutsche Börse Commodities GmbH

Warum sollte ein Privatanleger Gold nicht so einfach kaufen können wie eine Aktie? Aus dieser Frage entstand 2005 die Idee zu einem Wertpapier, das den Goldmarkt für ein breites Publikum öffnen sollte. Steffen Orben, damals im Devisenhandel der Deutschen Bank tätig, war an der Entwicklung des Konzepts beteiligt. Zwei Jahre später gründeten sechs deutsche und ein Schweizer Unternehmen die Deutsche Börse Commodities GmbH. Steffen Orben leitet das Unternehmen seit der Gründung als Geschäftsführer.
Ein Gramm als Wertpapier
Das Geschäftsmodell ist bewusst schlicht gehalten. Ein Anteil Xetra-Gold entspricht einem Gramm Gold. Die Anleger handeln das Papier an der Börse in Euro, der Preis folgt dem Großhandelspreis des Edelmetalls. „Wir ermöglichen dem Anleger einen effizienten Zugang zu Gold als Anlageklasse“, sagt Steffen Orben. Anders als beim Kauf von Münzen oder Barren fallen keine Präge- und Vertriebskosten an.
Wer sein Gold physisch in Händen halten möchte, kann die Schuldverschreibung an jedem Geschäftstag kündigen und sich das Metall ausliefern lassen. Dafür entstehen allerdings zusätzliche Kosten. Das Konzept hat sich durchgesetzt. Nach Angaben des Geschäftsführers ist Xetra-Gold das größte physisch hinterlegte Goldwertpapier im Euroraum. Es zählt weltweit zu den fünf größten Produkten dieser Art. Rund 176 t Gold lagerten im Oktober 2026 für die Anleger in den Tresoren. Die Nachfrage zog vor allem in Krisenzeiten an, wie beispielsweise in der Finanzmarktkrise, der Eurokrise und der Coronapandemie. Die geopolitischen Unsicherheiten und die wachsende Staatsverschuldung stärken das Interesse. Steffen Orben geht davon aus, dass institutionelle Investoren ihre Goldbestände künftig weiter ausbauen werden.
Transparenz schafft Vertrauen
Für Steffen Orben steht nicht die Wertsteigerung des Edelmetalls im Vordergrund, sondern ein verlässlicher Zugang zum Goldmarkt. „Wir wollen ein zuverlässiger Partner sein“, sagt der Geschäftsführer. Dazu zählt er die sichere Verwahrung ebenso wie die Möglichkeit der physischen Auslieferung: Anleger können ihre Schuldverschreibung an jedem Geschäftstag kündigen und sich das entsprechende Gold liefern lassen. Auf der Internetseite des Unternehmens sind Goldbestände und Auslieferungsmengen offengelegt, selbst die einzelnen eingelagerten Barren sind dort verzeichnet. „Transparenz in der Kommunikation ist extrem wichtig“, betont Steffen Orben.
Mit den Jahren sind die regulatorischen Anforderungen gewachsen. Anlegerschutz, Berichtspflichten und Nachhaltigkeitsfragen beschäftigen die Gesellschaft heute weitaus stärker als in ihren Anfangsjahren. Vor allem nach der Finanzmarktkrise wurden die Vorgaben zum Anlegerschutz und zur Aufbereitung von Kundeninformationen verschärft. Am Grundkonzept ändert das aus Sicht Orbens nichts. Entscheidend bleibe die ursprüngliche Motivation, Privatanlegern einen möglichst kostengünstigen Zugang zum Goldmarkt zu verschaffen. Dass sich das Modell seit fast zwanzig Jahren am Markt behauptet, sieht er als Bestätigung der damaligen Entscheidung. Zugleich ist er sich der damit verbundenen Verantwortung bewusst. „Unsere GmbH ist zu führen wie eine große Kapitalgesellschaft“, sagt er. Verlässlichkeit und Transparenz sollen auch künftig das Fundament des Geschäfts bilden.






