Kostensparender Umweltschutz auf dem Bau

Interview mit Andreas Marquardt, Geschäftsführer der Streumaster Maschinenbau GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Marquardt, seit 1967 stellt Ihr Unternehmen Streusysteme her. Wie viel haben Ihre heutigen Bindemittel- und Großflächensteuer noch mit den Anlagen der Anfangszeit gemeinsam?

Andreas Marquardt: Erstaunlich viel – denn obwohl in über fünf Jahrzehnten natürlich zahlreiche technische Veränderungen stattgefunden haben, ist die Grundform weitgehend erhalten geblieben. Im Endeffekt handelt es sich bei unseren Produkten um Behälter, die eine bestimmte Menge Binde- und Düngemittel aufnehmen und anschließend über unsere patentierten Dosierschleusen mit einer sehr hohen Streugenauigkeit auf dem gewählten Untergrund verteilen können. Diese Fähigkeit macht unsere Produkte einzigartig.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist die Streupräzision bei der Endanwendung Ihrer Maschinen?

Andreas Marquardt: Die Bedeutung der Streugenauigkeit lässt sich gar nicht hoch genug bemessen. Das gilt sowohl für unsere Baureihen, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, wo das exakte Mischungsverhältnis zwischen dem Düngemittel und den natürlichen Substanzen entscheidend für das richtige Säure-Basen-Verhältnis des Bodens ist, als auch für unsere Bindemittelstreuer im Baugewerbe, die heute den Hauptteil unserer Tätigkeit ausmachen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Streugenauigkeit auf der Baustelle?

Andreas Marquardt: Auch auf der Baustelle ist das richtige Mischverhältnis entscheidend. Schließlich müssen die im Labor festgelegten Werte auch bei der tatsächlichen Verarbeitung vor Ort eingehalten werden und die Zusammensetzung von Kalk, Zement und anderen Stoffen muss auf den Prozentpunkt genau stimmen. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Verwendung von Schaumbitumen auf Recycling- und Stabilisierungsbaustellen: Dort fahren Recylcer über die Baustelle, fräsen den Asphalt auf und stellen ein Recyclinggemisch her, in dem wiederum Schaumbitumen in den Mischraum des Recyclers eingesprüht wird. Damit sich dieses Schaumbitumen zusammen mit dem feingestreuten Zement zu einem neuen Bindemittel entwickeln kann, müssen die jeweiligen Stoffanteile mit exakter Präzision miteinander vermengt werden.

Wirtschaftsforum: Worin besteht der Vorteil dieser Technologie?

Andreas Marquardt: Durch diese Anwendung können Bauunternehmer etwa die Hälfte der Gesamtkosten einer zu reparierenden Straße und circa 80% aller Transporte auf einer Baustelle einsparen. Zudem handelt es sich hierbei um eine In-Situ-Recyclingmaßnahme, die mit zahlreichen logistischen und ökologischen Vorteilen verbunden ist: Denn im Endeffekt wird dabei als Ausgangsmaterial für die neue Straße das alte Gestein der vorherigen verwendet, woraus mit sehr wenig Zementkalkgemisch ein neuer Untergrund entsteht, auf den man dann nur noch einen circa vier Zentimeter dicken Asphaltbelag aufbringen muss. Im Ausland findet diese Technologie schon seit vielen Jahren einen breiten Anklang; in Deutschland wird sie jedoch noch verhältnismäßig wenig eingesetzt. Wir gehen aber davon aus, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird.

Wirtschaftsforum: Wäre hier auch die öffentliche Hand gefragt, diese Innovation weiter voranzutreiben?

Andreas Marquardt: Ich gehe fest davon aus, dass auch die politischen Akteure dieses Thema bald verstärkt vorantreiben und ihre Ausschreibungsunterlagen entsprechend anpassen werden. Schließlich findet sich in dieser Technologie die perfekte Symbiose der Kernvorstellungen von Grünen und FDP: kostensparender, wirtschaftlicher und effektiver Umweltschutz.

Wirtschaftsforum: Streumaster blickt auf eine über 50-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Wie bleiben Sie attraktiv für junge Talente?

Andreas Marquardt: Wir sind überzeugt, dass in der Beschäftigung junger Talente die Zukunft unseres Unternehmens liegt. Wir wollen diesen Weg mit Kontinuität und Modernität beschreiten und setzen deshalb auf eine konsequent hohe Ausbildungsquote. Dabei kommt uns ein hilfreiches Alleinstellungsmerkmal zugute. Denn viele Technologien für Streusysteme kann man tatsächlich nur bei uns erlernen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

„Wir denken nicht im Quartal, sondern in Generationen“

Interview mit Thomas Fischer, Geschäftsführer der MBI Deutschland GmbH

„Wir denken nicht im Quartal, sondern in Generationen“

Wer Thomas Fischer zuhört, spürt schnell: Hier spricht keiner in Marketingfloskeln. Es geht um Technik, um robuste Lösungen – und um Vertrauen. Um Präsenz im richtigen Moment. Und darum, wie…

Zeitenwende für Europas Sicherheit

Interview mit Anders Sjöberg, Geschäftsführer der Saab Deutschland GmbH

Zeitenwende für Europas Sicherheit

Softwaregesteuerte Systeme, künstliche Intelligenz und autonome Plattformen definieren die Zukunft der Sicherheitstechnologie neu. Gleichzeitig zwingt die veränderte geopolitische Lage Europa, mehr Verantwortung für die eigene Verteidigung zu übernehmen. Die Saab…

Wenn jeder Hundertstel­millimeter zählt

Interview mit Luc De Sutter, Geschäftsführer der Soenen Technology nv.

Wenn jeder Hundertstel­millimeter zählt

In jeder Küche verbergen sich kleine Wunder der Präzisionstechnik: perforierte Bleche in Mikrowellen, Siebe in Spülmaschinen oder Filter in Dunstabzugshauben. Was auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint, erfordert eine Genauigkeit…

Spannendes aus der Region Landkreis Mühldorf am Inn

Dienste von Menschen für Menschen

Interview mit Maximilian Kammermeier, Geschäftsführender Gesellschafter der ESD Gruppe

Dienste von Menschen für Menschen

Sicherheit, Reinigung, Logistik – klingt nach nüchternem Pflichtprogramm? Nicht bei ESD. Was 1947 als kleine Sicherheitsfirma begann, ist heute ein agiler Multidienstleister mit Herz, Verstand und Vision. Die ESD Dienstleistungsgruppe…

Mit Herz, Hand und Haltung

Interview mit Jochen Saacke, Geschäftsführer der Höhenberger Biokiste GmbH

Mit Herz, Hand und Haltung

Immer mehr Menschen legen Wert auf gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit und Regionalität – gleichzeitig soll der Einkauf möglichst bequem sein. Biokisten verbinden diese Ansprüche: Frisches Obst, Gemüse und viele weitere Bio-Produkte…

Industrie 5.0 beginnt beim Menschen

Interview mit Andreas Tobisch, Operativer Geschäftsführer der DE software & control GmbH

Industrie 5.0 beginnt beim Menschen

In der modernen Fertigung ist Software weit mehr als ein Werkzeug – sie ist der Schlüssel für Effizienz, Flexibilität und Zukunftsfähigkeit. Doch echte Innovation entsteht dort, wo Technologie auf Nutzerfreundlichkeit…

Das könnte Sie auch interessieren

Wie Begrünung das Büroklima prägt

Interview mit Markus Mohr, Geschäftsführer der Mohr Hydrokultur

Wie Begrünung das Büroklima prägt

Ob Großraumbüro, Co-Working-Space oder repräsentatives Headquarter: Unternehmen investieren heute stärker denn je in Arbeitsumgebungen, die Menschen anziehen – und im Alltag funktionieren. Begrünung spielt dabei eine wachsende Rolle, weil sie…

„Wir brauchen im digitalen Alltag einen Sicherheitsgurt“

Interview mit Erika Felder, Geschäftsführerin der memon bionic instruments GmbH

„Wir brauchen im digitalen Alltag einen Sicherheitsgurt“

Es beginnt mit einer persönlichen Erfahrung – und mündet in eine unternehmerische Mission. Erika und Hans Felder haben ihr erfolgreiches Immobiliengeschäft aufgegeben, um eine Technologie bekannt zu machen, die Menschen…

Souverän in die Cloud: IT, die den ­Mittelstand entlastet

Interview mit Jan Stober, Mitglied der Geschäftsleitung der NetPlans GmbH

Souverän in die Cloud: IT, die den ­Mittelstand entlastet

Lieferengpässe bei Hardware, wachsende regulatorische Anforderungen und ein rasant steigender Bedarf an IT-Security: Der Mittelstand steht beim Thema Digitalisierung gleich vor mehreren Baustellen. Die NetPlans GmbH aus Karlsruhe begegnet diesen…

TOP