„Jedes Unternehmen muss sich mit Automatisierung beschäftigen“

Interview mit Andreas Palmen, Geschäftsführer der Staci Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Palmen, Ihr Unternehmen bietet maßkonfigurierte Lösungen für eine agile Supply Chain an. In welchem Marktsegment bewegen Sie sich mit diesem Ansatz?

Andreas Palmen: Die Staci-Gruppe verfügt über mehr als 60 Niederlassungen in Europa und Nordamerika und hat sich auf Logistiklösungen für den Werbemittelmarkt spezialisiert. Unsere Kernkompetenz liegt also im Umgang mit sämtlichen Marketingmaterialien, die in diesem Segment alltäglich anfallen: vom kleinen Sticker über gebrandete Strandkörbe oder Sonnenschirme für die Außengastronomie bis hin zu kompletten Messeständen.

Wirtschaftsforum: Wodurch unterscheiden Sie sich dabei von anderen Logistikanbietern?

Andreas Palmen: Speditionsunternehmen haben sich eher auf den Transport von großen, unförmigen Gegenständen spezialisiert, E-Commerce-Unternehmen und Standardlogistiker hingegen eher auf kleine Sendungen. Unser Alleinstellungsmerkmal besteht in der Möglichkeit, den Transport von sämtlichen Artikeln mit schier beliebiger Größe im Rahmen einer einzigen Bestellung abzuwickeln und unserem Kunden damit eine Werbelogistiklösung aus einer Hand anzubieten. So können wir uns problemlos an die individuellen Anforderungen des jeweiligen Kundenprojektes anpassen und die gesamte von ihm benötigte Ware direkt an seinen Point of Sale oder seinen Event-Stand liefern – den eigentlichen Stand natürlich inklusive.

Wirtschaftsforum: Welche Veränderungen nehmen Sie im Markt für Werbematerialien und bei der Gestaltung von Event-Ständen derzeit wahr?

Andreas Palmen: Aktuell basiert ein großer Teil der zum Einsatz kommenden Werbeartikel immer noch auf Printmedien. Die zunehmende Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten macht jedoch selbstverständlich auch vor diesem Markt nicht halt, und ohne Zweifel können wir hier ein klares Umdenken erkennen: Niemand will mehr eine überzogene Anzahl an Werbemitteln für ein Produkt herstellen lassen und hinterher einen großen Teil wieder vernichten müssen. Dank unserer agilen Strukturen sind wir dabei besonders gut in der Lage, hier auf einen stärker am tatsächlichen Bedarf orientierten Ansatz zu reagieren. Gleichzeitig nehmen digitale Medien an Messeständen immer mehr Raum ein, da sie eine bessere Darstellung vernetzter Informationen ermöglichen als herkömmliche Pappaufsteller. Auch in diesem Segment engagiert sich die Staci-Gruppe in einigen ihrer Märkte bereits; Deutschland wird hier in Bälde folgen.

Wirtschaftsforum: Werden auch Ihre Warehouses immer digitaler – und stärker automatisiert?

Andreas Palmen: Vor meiner Tätigkeit für Staci habe ich das erste automatisierte Lager für den Lebensmittellieferservice der Rewe Digital GmbH entwickelt und aufgebaut – ich blicke also auf eine langjährige Erfahrung in diesem Themenbereich zurück und bin überzeugt, dass sich jedes Unternehmen unbedingt damit beschäftigen muss. Das hängt auch mit dem zunehmenden Fachkräftemangel zusammen, der insbesondere bei qualifizierten Lagermitarbeitern zu spüren ist. Aus diesem Grund sind weitere Wachstumsschritte oft nur durch eine stärkere Automatisierung von Prozessen darstellbar. Gleichzeitig stößt die Automatisierung jedoch an gewisse natürliche Grenzen.

Wirtschaftsforum: Welche Grenzen sind das?

Andreas Palmen: Den Transport eines Pappaufstellers und ähnlicher Artikel, die conveyable sind, kann man vergleichsweise leicht automatisieren; den Transport eines gebrandeten Sonnenschirms oder ähnlicher Produkte mit Übermaßen dagegen nicht. Einige unserer Lagerhäuser in Europa verfügen bereits über eine Teilautomatisierung für Kleinteile, und wir sehen hier auch weiteres Potenzial an unseren Standorten. Die spezifische Ausgestaltung hängt jedoch stark vom jeweiligen Kunden und seinem Produktspektrum ab. Manchmal liegt der Schlüssel zu einer größeren Effizienz auch in der Automatisierung einzelner Prozesse: Bei Print-on-Demand-Aufträgen stellt sich beispielsweise die Frage, wie man ein Produkt aus einer Produktionslinie am besten in ein logistisches Element überführen und verpacken kann. Ebenso lassen sich bei der Verpackung durch eine verstärkte Automatisierung echte Effizienzgewinne erzielen: Dort kommt bei uns mittlerweile eine Maschine zum Einsatz, die die jeweiligen Kartonagen bestellgenau zuschneidet und verklebt, sodass wir die Menge des benötigten Füllmaterials erheblich reduzieren konnten.

Wirtschaftsforum: Welche Themen stehen außerdem auf der Agenda von Staci?

Andreas Palmen: Wir möchten unsere spezifische Expertise gerne auch über den Werbemittelmarkt hinaus anbieten. Derzeit übernehmen wir beispielsweise im Auftrag eines medizinischen Dienstleisters die Kommissionierung und den taggleichen Versand von Blutzuckermessgeräten für Diabetes-Patienten. Hier sehen wir für die Zukunft weiteres Potenzial für eine verstärkte Marktnachfrage nach unserem spezifischen Know-how.

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