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Interview mit Dirk Kuschmann, Geschäftsführender Gesellschafter der St. Vinzenz Klinik Pfronten im Allgäu GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kuschmann, um einen Überblick zu bekommen, wie lassen sich die Geschichte der St. Vinzenz Klinik und ihre heutige Aufstellung grob skizzieren?

Dirk Kuschmann: Die Klinik war bis Ende 2005 ein Ordenshaus der Barmherzigen Schwestern. 2006 haben sechs Gesellschafter, darunter auch meine Person, das Haus übernommen und als GmbH weitergeführt. Heute gibt es mit der Academia-Gruppe aus München einen Mehrheitsgesellschafter. Herr Heigel, Dr. Geyer und ich sind weiter Gesellschafter, neben mir gibt es mit Christoph Köpf einen zweiten Geschäftsführer. Im Krankenhaus, mit Reha und den zwei MVZs, arbeiten heute 480 Mitarbeiter. Wir sind ein Krankenhaus der Grundversorgung, ein Plankrankenhaus, das heißt, wir haben Anspruch auf Fördermittel.

Wirtschaftsforum: Wie viel Betten gibt es und wo liegen besondere medizinische Schwerpunkte?

Dirk Kuschmann: Wir haben 115 Planbetten und 125 aufgestellte Betten, außerdem 60 Betten in der Rehaklinik. Was uns von anderen Krankenhäusern unterscheidet, ist eine zuverlässige Grundversorgung aus einer Hand; Patienten haben an einem einzigen Standort alles von der ambulanten Untersuchung über die Diagnostik und die operative beziehungsweise stationäre Versorgung im Krankenhaus bis zur Reha. Das heißt, Ärzte und Pfleger sind Rehapatienten bereits bekannt. Hier in Pfronten legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf die orthopädische Chirurgie, die auch über das Allgäu hinaus einen hervorragenden Ruf genießt. Wir haben renommierte Ärzte, ein Endoprothetik-Zentrum und nicht zuletzt zufriedene Patienten. Mit Dr. Schoch und Dr. Geyer sind hier zwei Spezialisten tätig, die unlängst erneut vom Focus zu den Topmedizinern in der Schulter- und Ellenbogenchirurgie gewählt wurden.

Wirtschaftsforum: Wie hat die Coronapandemie den Klinikalltag beeinflusst?

Dirk Kuschmann: Als im März, April letzten Jahres die Allgemeinverfügung kam, dass nicht notwendige Operationen nicht durchgeführt werden sollten, begann für uns eine sehr anspruchsvolle Zeit. Unser Schwerpunkt sind orthopädische Operationen und damit Operationen, die nicht zwingend lebensnotwendig sind. Wir haben im letzten Jahr das komplette OP-Programm eingestellt. Als kleines Haus mit diesem klaren Fokus war das schwierig. Wir haben zwar finanzielle Ausgleiche erhalten, die die Ausfälle finanziell kompensierten, für viele Patienten, die händeringend auf eine Prothese warteten, war die Situation jedoch eine enorme Belastung. Ab August haben wir dann verstärkt operiert. Wir selbst hatten in dieser Zeit auch Coronapatienten, die auf einer speziellen Station behandelt wurden. Der Peak lag im Oktober, November und Dezember mit 14 isoliert untergebrachten Patienten.

Wirtschaftsforum: Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen, welche Trends oder besonderen Entwicklungen zeichnen sich im Gesundheitswesen ab?

Dirk Kuschmann: Wir gehen von einer weiter zunehmenden Verzahnung von stationärer und ambulanter Versorgung aus und halten diese Entwicklung auch für sinnvoll. Primäres Ziel ist immer, Patienten den vollumfänglichen Versorgungsansatz zu bieten. Für die St. Vinzenz Klinik beginnt im Oktober ein neuer Abschnitt. Dann starten wir mit einem Erweiterungsbau mit zwei neuen Bettenstationen und einer zentralen Notaufnahme. Es wird eine Tiefgarage und zusätzliche Parkmöglichkeiten geben. Bei der Planung spielen ökologische Faktoren eine große Rolle; mittels einer Photovoltaikanlage auf dem Dach und einem Blockheizkraftwerk werden wir nachhaltig Strom erzeugen.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet der Neubau für das medizinische Angebot?

Dirk Kuschmann: Nach dem Umzug werden wir ein ambulantes Operationszentrum errichten und damit auf die konstant steigende Nachfrage nach Tageskliniken reagieren. Wir werden einen stärkeren Fokus auf die Geriatrie richten; dieser Bereich passt zu unserem Standort hier im Allgäu und damit zum ländlichen Raum. Einhergehen wird damit ein weiterer neuer Schwerpunkt in der Palliativmedizin.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Digitalisierung für das Krankenhaus?

Dirk Kuschmann: Im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes werden Fördermittel für verschiedene Digitalisierungsprojekte zur Verfügung gestellt. Wir haben entsprechende Anträge gestellt, die momentan geprüft werden. Für diese neuen Projekte wurden spezielle Arbeitsgruppen gebildet, die sich inhaltlich mit Themen wie der Optimierung von Arbeitsabläufen oder der Reduzierung des Dokumentationsaufwandes beschäftigen. Der Administrationsaufwand im Gesundheitswesen ist riesig, immer wieder gibt es neue Verordnungen, auf die wir uns einstellen müssen. Diese überbordende, aufoktroyierte Bürokratie macht das Arbeiten nicht leichter; Hauptthemen einer Klinik sollten nach wie vor Pflege und Medizin sein. Unsere Hoffnung ist, dass der bürokratische Aufwand in Zukunft reduziert werden wird – und Corona irgendwann nicht mehr die Hauptrolle im Krankenhaus spielen wird.

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