„Wir hegen und pflegen unsere Kunden!“

Interview mit Christoph Henze, Vorstand der Henze Boron Nitride Products AG

„Eine unserer großen Stärken ist die Beratung unserer Kunden“, sagt Christoph Henze, zusammen mit seinem Bruder Matthias Vorstand der Henze Boron Nitride Products AG. „Das ist wichtig, denn wir wollen, dass der Kunde genau das Produkt bekommt, das er braucht, um sein Problem zu lösen. Hinzu kommen die von uns angebotene Qualität, ein fairer Preis sowie unser Service rund um die Produkte.“

Bornitrid kommt meist als Zwischenprodukt in industriellen Fertigungsprozessen zum Einsatz und kann bei Temperaturen bis zu 900 °C, unter Schutzgasatmosphäre sogar bis zu 2.000 °C, angewendet werden. Dabei ist die Bandbreite der Anwendungen weit gefächert und reicht von Aluminium-Strangpressen, Aluminium- und Metallguss, dem Bau von Hochtemperaturöfen und der Herstellung wärmeleitfähiger Kunststoffe über PVD- und Plasmaanlagen, Sintertechnik, Pulvermetallurgie, Solartechnik und Photovoltaik bis hin zu Schweiß- und Löttechnik sowie Schmierstoff- und Umformtechnik.

Vielseitig verwendbar

„Wir beziehen Bornitrid als Pulver“, erläutert Christoph Henze. „Aus dem Pulver stellen wir Suspensionen her, die in ihrer Konsistenz einer Wandfarbe ähneln und zum Beispiel zum Beschichten von Gießrinnen verwendet werden. Außerdem lassen wir auch Sprays nach unseren Rezepturen herstellen, die etwa beim Schweißen als Trennspray zum Einsatz kommen. Zu unseren weiteren Aktivitäten gehören der Zukauf und die Herstellung von Sinterkörpern. Diese Sinterkörper bestehen aus unter Druck verdichtetem Bornitridpulver. Aus diesen Sinterkörpern fertigen wir durch Sägen, Drehen und Fräsen Maschinenbauteile. Bornitrid wird grundsätzlich immer dann eingesetzt, wenn andere Materialien versagen. So gehören Hersteller von Maschinen und Anlagen ebenso zu unserem Kundenkreis wie Automobilzulieferer und Industrieunternehmen. Wir liefern dorthin, wo etwas produziert wird, wo es zum Beispiel Sinteröfen und Beschichtungsanlagen gibt.“ Die meisten Kunden finden sich in den Ländern der Europäischen Union, hin und wieder gibt es auch Aufträge aus Asien oder aus den USA.

AG in Familienhand

1993 gründete Peter Henze, der Vater der beiden heutigen Vorstände Matthias und Christoph Henze, das Unternehmen im eigenen Haus. „Unser Vater hatte damals nicht nur den Mut, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, sondern auch die Geduld, Durststrecken mit geringer Auftragslage durchzuhalten“, betont Christoph Henze.

2004 wurden die ersten eigenen Produkte entwickelt, 2012 traten die beiden Söhne in die Geschäftsleitung ein und 2014 wurde ein eigenes Firmengebäude mit heute rund 3.500 m² Fläche bezogen. Jüngste Investition ist der Kauf einer Heißpresse, mit der kundenspezifische Werkstoffe hergestellt werden. Die Anteile des als Aktiengesellschaft aufgestellten Unternehmens mit 57 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 14 Millionen EUR befinden sich allesamt in Familienhand: 25% gehören dem Gründer Peter Henze sowie jeweils 15% seiner Ehefrau und den vier Kindern. „Uns war es wichtig, dass auch die Geschwister, die nicht in der Geschäftsführung sind, die gleichen Firmenanteile haben und sich niemand benachteiligt fühlt“, unterstreicht Christoph Henze.

Beratungsintensive Produkte

Beim Vertrieb spielt die fachliche Beratung der Kunden eine ganz wichtige Rolle. Christoph Henze: „Wir haben Produkte, die man nicht überall bekommt und die sehr beratungsintensiv sind. Wir hegen und pflegen unsere Kunden und bieten ihnen mit unserem großen Know-how unterschiedliche Qualitäten für unterschiedliche Einsatzgebiete.“

Da es sich um ein sehr spezielles Marktsegment handelt, kommen Interessenten auch von sich aus auf die Firma zu, manche auch nach Empfehlungen zufriedener Bestandskunden. Außerdem präsentiert sich die Henze Boron Nitride Products AG auch über ihre Website, in sozialen Medien wie Instagram und LinkedIn sowie durch Inserate in Fachzeitschriften. Darüber hinaus ist das Familienunternehmen mit einem Stand auf der Münchener Fachmesse ceramitec und auf anderen Messen vertreten.

Nachhaltig und sozial

Schon seit Jahren setzt Henze Boron Nitride Products zunehmend auf die Digitalisierung und New Work. „Von überall können unsere Beschäftigten auf unsere Server zugreifen und auch an unseren Maschinen sind alle relevanten Daten direkt abrufbar“, erklärt der Vorstand. „Außerdem haben wir gemeinsam mit der Hochschule Kempten eine Cockpit-Lösung für ein Business Intelligence System entwickelt.“

Große Aufmerksamkeit widmen die Verantwortlichen des Unternehmens auch dem Thema Nachhaltigkeit in einem umfassenden Sinn. Dabei geht es gleichermaßen um ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit sowie um das Gemeinwohl mit Werten wie Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit und Transparenz. Vor diesem Hintergrund wurde auch ein Fünfjahresplan entwickelt, in dem verschiedene Zukunftsszenarien betrachtet werden, die die Grundlage für Entscheidungen zu Produkten, Märkten und Personalmanagement bilden. Oberste Prämisse ist es jedoch, den sozialen Charakter des Unternehmens auch in Zukunft zu erhalten.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

Lokale Stärke, globale Vision

Interview mit Maria Wünsch-Guaraldi, CEO und Alfred Wagner, Finance Director der Sanden International (Europe) GmbH

Lokale Stärke, globale Vision

Der japanische Klimaanlagen-Spezialist Sanden navigiert in Europa mit 1.650 Mitarbeitern und 450 bis 500 Millionen EUR Umsatz durch turbulente Zeiten. Während die Automobilindustrie zwischen Elektromobilität, regulatorischen Unsicherheiten und chinesischer Konkurrenz…

Präzision aus Metall – Wertschöpfung in Perfektion

Interview mit Rob Paulissen, Managing Director der Doesburg Components B.V.

Präzision aus Metall – Wertschöpfung in Perfektion

Vom Guss bis zum einbaufertigen Bauteil: Die Doesburg Components B.V. steht für metallurgisches Know-how, moderne Fertigung und enge Kundenbeziehungen. Das Unternehmen produziert präzise bearbeitete Gusskomponenten für Motoren, Getriebe und Fahrwerke.…

Von der grauen Masse zur ästhetischen Vielfalt: Beton neu gedacht

Interview mit Alexander Bauer, Geschäftsführer der Kirchdorfer Kies und Beton GmbH

Von der grauen Masse zur ästhetischen Vielfalt: Beton neu gedacht

Mit fünf Transportbetonwerken, drei Kieswerken und einer Lkw-Flotte produziert und liefert die Kirchdorfer Kies und Beton GmbH aus dem Großraum Linz Transportbeton und Zuschlagstoffe für verschiedenste Bauprojekte im ober­österreichischen Zentralraum.…

Spannendes aus der Region Landkreis Oberallgäu

„Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft“

Interview mit Timo Fechtig, Geschäftsführer der Fechtig Gruppe

„Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft“

Obwohl die Baubranche und damit auch das Heizungs- und Sanitärgewerk derzeit eine starke Marktkorrektur erfahren, können sich die vier Unternehmen der Fechtig Gruppe, die sich vornehmlich mit der Planung und…

„Unsere Branchenfremdheit  war auch ein Vorteil“

Interview mit Stephanie Schädler, Geschäftsführerin der Allgäuer Alpenwasser GmbH

„Unsere Branchenfremdheit war auch ein Vorteil“

Als Familie Schädler vor zehn Jahren das Unternehmen Allgäuer Alpenwasser übernahm, stand es kurz vor dem Konkurs. Doch hinter den teilweise katastrophalen Zuständen verbarg sich ein Diamant, der durch das…

Formvollendet

Interview mit Rainer Schenk, Geschäftsführer der FBR Facondrehteile GmbH

Formvollendet

Seit über 40 Jahren bringt die FBR Facondrehteile GmbH aus Kirchhaslach in Schwaben Metall in die richtige Form. Was bescheiden in einem Keller begann, ist heute ein international agierendes Unternehmen,…

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr Wildnis als Wohlfühlzone: Was Unternehmer von Otto Bulletproof lernen können

Interview mit Ottogerd Karasch, Geschäftsführer der Bulletproof GmbH

Mehr Wildnis als Wohlfühlzone: Was Unternehmer von Otto Bulletproof lernen können

Wer Ottogerd Karasch heute erlebt, sieht einen Mann, der sich sichtbar wohlfühlt im Unbekannten: allein in der Wildnis, auf harten Touren, vor der Kamera – und im Unternehmertum. Unter dem…

Kurs auf Premiumklasse

Interview mit Marko Zacherl, Geschäftsführer der Sun Charter GmbH

Kurs auf Premiumklasse

Der Yacht-Chartermarkt steht unter Druck: Steigende Kosten, sinkende Nachfrage und harter Verdrängungswettbewerb zwingen viele Anbieter in die Knie. Doch während andere kämpfen, hat die Sun Charter GmbH in nur zwei…

TOP