Partner statt Flächenvermieter
Interview mit Daniela Mühlen, Geschäftsbereichsleiterin Kommunikation & Werbung, und Israel Giese, Geschäftsbereichsleiter Finanzen & Verwaltung der MESSE ESSEN GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Giese, wenn Sie auf die letzten Jahre zurückblicken – was waren die entscheidenden Schritte für die Entwicklung der MESSE ESSEN?
Israel Giese: Der große Wendepunkt war die Modernisierung unseres Geländes – die „Neue Messe Essen“. Parallel dazu haben wir uns organisatorisch neu aufgestellt und verschlankt. Aufgaben wurden klarer definiert, Prozesse neu sortiert. Und ein Punkt war uns besonders wichtig: der Servicegedanke. Wir verstehen uns nicht als reine Flächenvermieter, sondern als Partner. Dieser Anspruch zieht sich durch alles.
Wirtschaftsforum: Die Pandemie hat die Branche hart getroffen. Wie sind Sie durch diese Phase gegangen?
Daniela Mühlen: Corona war ein kompletter Stillstand. Aber wir hatten unsere Restrukturierung kurz zuvor abgeschlossen. Das hat uns stabilisiert. Digitale Formate haben wir getestet, doch am Ende hat sich gezeigt: Messe ist und bleibt ein People Business. 2023 war dann – auch durch Nachholeffekte – das erfolgreichste Jahr unserer Geschichte.
Israel Giese: Und man darf nicht vergessen: Das Bedürfnis nach persönlichem Austausch war nach Corona größer denn je. Das hat uns Rückenwind gegeben.
Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?
Israel Giese: Wir arbeiten mit rund 180 Vollzeitäquivalenten, in Köpfen sind es etwa 200 Mitarbeitende, und erwirtschaften in turnusbedingt starken Jahren einen Umsatz von über 80 Millionen Euro. Entscheidend aber ist unser breites Portfolio – von Eigenveranstaltungen im B2B- und B2C-Bereich bis hin zu Gastmessen.
Wirtschaftsforum: Welche Veranstaltungen sind Ihre Flaggschiffe?
Daniela Mühlen: Im Fachmessebereich haben wir echte Weltleitmessen: die IPM ESSEN im Gartenbau, die E-world energy & water oder die Security Essen. Neu hinzu kommt in diesem Herbst die Euro Defence Expo – ein strategischer Schritt in einem gesellschaftlich relevanten Themenfeld. Wir setzen bewusst auf Branchen mit Wachstumspotenzial wie Energie, Sicherheit oder Medizin.
Wirtschaftsforum: Digitalisierung ist für viele Unternehmen ein Kraftakt. Wie gehen Sie damit um?
Israel Giese: Wir haben mit „Rubin“ ein neues operatives System im laufenden Betrieb eingeführt – das war eine Operation am offenen Herzen. Aber Digitalisierung heißt nicht nur Software, sondern auch Prozesse neu denken. Wir gehen das besonnen an. So viel Digitalisierung wie nötig, aber der persönliche Kontakt bleibt zentral.
Daniela Mühlen: Genau. Nähe ist unser Markenkern. Nähe im Service, Nähe hinsichtlich unserer Lage mitten im Ruhrgebiet, kurze Wege im Gelände. Das ist kein Marketingbegriff, das leben wir.
Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?
Daniela Mühlen: Mittelständisch geprägt, trotz unserer Größe. Direkt, offen, mit kurzen Entscheidungswegen. Und flexibel – wir springen täglich zwischen Branchen und Themen.
Israel Giese: Ich schätze besonders den direkten Austausch. Man bekommt sofort Feedback, kann sich teamübergreifend austauschen und arbeitet nicht im eigenen Silo.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die MESSE ESSEN in den nächsten Jahren?
Israel Giese: Zunächst: Kurs halten. Wirtschaftliche Stabilität sichern. Gleichzeitig wollen wir neue Formate wie die Euro Defence Expo etablieren.
Daniela Mühlen: Und wir wollen als Standort für spezialisierte B2B-Veranstaltungen weiter an Profil gewinnen. Essen liegt im Herzen Europas – das ist ein starkes Argument.
Wirtschaftsforum: Zum Schluss: Was treibt Sie persönlich an?
Israel Giese: Die Ganzheitlichkeit. Von der Idee bis zur Abrechnung begleite ich mit meinem Bereich im Grunde genommen den gesamten Wertschöpfungsprozess. Das macht die Arbeit lebendig.
Daniela Mühlen: Für mich ist es die Vielfalt. Jede Messe ist eine neue Welt. Man lernt ständig dazu – und wenn dann am ersten Veranstaltungstag die Hallen voll sind, weiß man, wofür man es tut.

















