Spanntechnik neu definiert

Interview mit Klaus Nann, Geschäftsführer der Simon Nann GmbH & Co. KG

Seit über 80 Jahren behauptet sich die Simon Nann GmbH & Co. KG als Experte für Werkstückspannung. „Wir sind eine kleine Edelschmiede“, beschreibt Geschäftsführer Klaus Nann das Unternehmen. Die Kernkompetenz liegt in Spannmitteln für die Werkstückspannung, insbesondere in der Spannzange. Während früher ein großes Standardprogramm auch kurzfristig ab Lager verfügbar war, liegt der Fokus heute auf maßgeschneiderten Sonder- und Semistandardlösungen. Mehr als 50% der Produkte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Kunden, oft in Losgröße 1. Die Anwendungen reichen von der Spannung von Rohmaterial und Sägeabschnitten – auch als Halbfertigteile – bis hin zu automatisierten Lösungen für Montagetätigkeiten und den Transport. Ein bedeutender Wachstumsbereich ist die Medizintechnik, etwa bei der Herstellung von Implantaten.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Fokus

Nachhaltigkeit ist ein festes Prinzip der Produktion. Mit Photovoltaikanlage, energiesparenden Maschinen und Wärmerückgewinnung setzt die Firma auf Ressourcenschonung. Kunden stellen zwar keine spezifischen Anforderungen, doch die Produktion entspricht modernen Umweltstandards. „Wir schauen bei Investitionen genau auf die Energieeffizienz“, betont Klaus Nann. Digitalisierung spielt in der Produktion eine wachsende Rolle, insbesondere durch digitale Betriebsdatenerfassung. Papierlose Prozesse sind in Planung, doch bei den Spannmitteln selbst bleibt die Integration digitaler Funktionen wie Spannkraftüberwachung ein Nischenthema.

Kundennähe und wirtschaftliche Herausforderungen

Mit 50 Mitarbeitern erwirtschaftet das Unternehmen aktuell 5,6 Millionen EUR Umsatz. Die Kunden kommen überwiegend aus dem Maschinenbau, der Medizintechnik und wachsenden Bereichen wie Defense und Elektromobilität. Rund 80% der Kunden stammen aus Deutschland, insbesondere aus Süddeutschland, 10% aus Europa, der Rest aus den USA und Asien. Das Unternehmen plant, den stabilen Bereich Medizintechnik weiter auszubauen. „Das erste Halbjahr 2025 wird schwer, wir müssen uns konsolidieren, bevor wir in der zweiten Jahreshälfte Wachstum erwarten“, erklärt Klaus Nann. Langfristig strebt die Firma mehr Unabhängigkeit von der Automobilindustrie und nachhaltiges Wachstum an. Wichtig bleibt, ein verlässlicher Partner für die Kunden zu sein.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Interview mit Viktoria Steiner, Geschäftsführerin der raro plastics GmbH

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Die raro plastics GmbH steht für Präzision, Flexibilität und gewachsene Kompetenz in der Kunststoffverarbeitung. Geschäftsführerin Viktoria Steiner führt das Unternehmen mit hohem technischem Verständnis und klarem Blick für Kundenbedürfnisse. Im…

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Interview mit Jörg Herre, Leiter Vertrieb und Marketing der Friedemann Wagner GmbH

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Die deutsche Industrie steht unter Druck. Investitionen werden verschoben, Projekte gestoppt. Und doch gibt es Unternehmen, die Kurs halten – mit Bodenhaftung, technischer Klarheit und einem langen Atem. Jörg Herre…

Mehr Komfort und Sicherheit in der Bahn

Interview mit Roberto Taccucci, Sales Director der TSL-ESCHA GmbH

Mehr Komfort und Sicherheit in der Bahn

Die TSL-ESCHA GmbH hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Tastern, Warnmeldern und Signalleuchten in der Bahntechnik spezialisiert und kann als Teil des französischen MAFELEC TEAM inzwischen noch auf…

Spannendes aus der Region Landkreis Tuttlingen

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Interview mit Antonio Lucá, Hauptgesellschafter der MADISON COSMETICS GmbH

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Der Kosmetikmarkt ist schnell, laut und gleichzeitig hoch reguliert. Neue Marken entstehen gefühlt über Nacht, Trends werden in sozialen Netzwerken beschleunigt und Kunden erwarten immer häufiger beides: ein gutes Gefühl…

Intelligente Fördertechnik für die Industrie von morgen

Interview mit Appal Chintapalli, Geschäftsführer und Sarah Glatz, Senior Director Conveyor Business sowie Sven Worm, Vice President New Markets der montratec GmbH

Intelligente Fördertechnik für die Industrie von morgen

Die montratec GmbH aus Dauchingen entwickelt smarte Intralogistiklösungen für anspruchsvolle Branchen wie Halb­leiter-, Batterie- oder Medizintechnik. Mit dem Transfersystem montrac® und der strategischen Unterstützung des Mutterkonzerns Columbus Mc Kinnon, nachstehend…

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Interview mit Jörg Herre, Leiter Vertrieb und Marketing der Friedemann Wagner GmbH

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Die deutsche Industrie steht unter Druck. Investitionen werden verschoben, Projekte gestoppt. Und doch gibt es Unternehmen, die Kurs halten – mit Bodenhaftung, technischer Klarheit und einem langen Atem. Jörg Herre…

Das könnte Sie auch interessieren

Materialien, die moderne ­Industrie möglich machen

Interview mit Dr. Sven Vogt, Geschäftsführer und Maximilian Steffien, Werksleiter Norsystec, Tochtergesellschaft der KKT Holding GmbH

Materialien, die moderne ­Industrie möglich machen

Die KKT Holding GmbH hat sich von zwei deutschen Standorten zu einer international aufgestellten Industriegruppe entwickelt. Mit hoher eigener Wertschöpfung, technologischer Kompetenz in der Verarbeitung von Gummi-, Kautschuk- und Kunststoffkomponenten…

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Interview mit Alessio Nicoletti, Geschäftsführer der Torneria Nicoletti S.r.l. und Luigi Nicoletti, CEO und Sales Manager der Torneria Nicoletti S.r.l.

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Seit Jahrzehnten ist die metallverarbeitende Industrie im Wandel – technologische Fortschritte, neue Anforderungen in puncto Nachhaltigkeit und ein sich ständig veränderndes geopolitisches Umfeld fordern Unternehmen heraus. Doch es gibt Familienbetriebe,…

TOP