„Bei Lebensmitteln umdenken“

Interview mit Frank Nimwegen, Geschäftsführer der Seli GmbH Automatisierungstechnik

Wirtschaftsforum: Herr Nimwegen, mit welcher Idee wurde Seli gegründet?

Frank Nimwegen: 1990 habe ich das Unternehmen gegründet, um kompetente Ansprechpartner für die Lebensmittelindustrie zu stellen. In den letzten zehn Jahren haben wir uns auf Neuentwicklungen im Bereich der hygienischen Messtechnik konzentriert. Dahinter steht der Gedanke, Dinge zu vereinfachen, der Umwelt etwas Gutes zu tun und Kosten und Ressourcen einzusparen. Hier gibt es im Lebensmittelbereich viel Optimierungspotenzial. Wir fassen dabei die speziellen Bedingungen im Lebensmittel- und Pharmabereich ins Auge.

Wirtschaftsforum: Warum haben Sie einen Bedarf darin gesehen, Produkte zu vereinfachen?

Frank Nimwegen: In der Lebensmittelbranche wurden Produkte verwendet, die sehr komplex waren, weil sie nicht speziell für diesen Bereich entwickelt wurden. Im Lebensmittelbereich haben wir es mit Reinigungsprozessen zu tun, mit Hygienic Design und lebensmittelberührenden Produkten. Aber viele Produkte waren nicht entsprechend designt. Wir berücksichtigen all diese Faktoren. Der Bediener soll das Produkt möglichst ohne Bedienungsanleitung bedienen können. Dazu kommt, dass durch unsere Produkte auch die Prozesse, die wir steuern und optimieren wollen, erfassbar und regelbar sind. Wir stellen uns deshalb immer die Frage, was wir für die Umwelt tun können, wo wir, auch in den Prozessen, Kosten einsparen können, wie wir wenig Materialverluste haben und wie wir Rohmaterial sparen können.

Wirtschaftsforum: Wie ist Seli aufgestellt?

Frank Nimwegen: Unsere Zentrale mit Entwicklung, Vertriebsorganisation, dem kaufmännischen Bereich und den Service- und Dienstleistungen befindet sich in Neuenkirchen. Die Fertigung geben wir an vier Partner, die ausschließlich in Deutschland produzieren. Die fertigen Teile kommen dann zu uns in die Endproduktion und werden hier geprüft und kalibriert, bevor sie zum Kunden gehen. Extern sind 350 Mitarbeiter für uns tätig, in Neuenkirchen haben wir 30 Beschäftigte. Unser Jahresumsatz liegt bei zehn Millionen EUR.

Wirtschaftsforum: Welches sind Ihre wichtigsten Produkte und Leistungen?

Frank Nimwegen: Unsere Kernkompetenz sind Analysenmesstechniken, mit denen Prozesse optimiert werden können. Wir haben heute die kleinsten und schnellsten Messgeräte am Weltmarkt. Darüber hinaus sind wir in Deutschland eines der größten Systemhäuser für Automatisierung in der Lebensmittelindustrie mit großem Know-how in den Abläufen und Prozessen. Sowohl im technischen Innen- als auch Außendienst haben wir ausgebildete Techniker. Im Bereich Aftersales bieten wir umfassende Leistungen wie die Kalibrierung und Rekalibrierung und haben ein eigenes Labor. In Deutschland beliefern wir fast die gesamte Lebensmittelindustrie. Der deutsche Markt ist allerdings relativ gesättigt, daher ist unser Ziel, mit unserem Angebot auch ins benachbarte Ausland und nach Übersee zu gehen. In vielen Ländern haben wir bereits Vertretungen. Zukünftig werden wir uns auch mehr um den Pharmabereich kümmern.

Wirtschaftsforum: Welchen beruflichen Hintergrund haben Sie, und wie sehen Sie Ihre Aufgabe als Geschäftsführer?

Frank Nimwegen: Ich bin gelernter Elektrotechniker und war in verschiedenen Führungspositionen in der Lebensmittelindustrie tätig. Heute bin ich im Unternehmen derjenige, der die Visionen hat und Dinge nach vorn trägt. Dabei ist es mir wichtig, die Menschen mitzunehmen und Know-how weiterzugeben in Form von Schulung und Ausbildung. Führungspersonen sollten auch heute noch mehr über das Unternehmen wissen als nur technische und kaufmännische Daten. Sie müssen wissen, was sie tun. Das ist in vielen Fällen nicht gegeben.

Wirtschaftsforum: Wie erreichen Sie Ihre Kunden und potenziellen Kunden jetzt, wo Sie sich nicht auf Messen präsentieren können?

Frank Nimwegen: Wir haben einen digitalen Showroom mit 3-D-Animationen und allen Produktinformationen entwickelt, in den wir unsere Kunden einladen. Darin steckt unser gesamtes Know-how. Der Kunde macht mit uns einen Termin, und wir begleiten ihn dann durch den Showroom.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Zukunft der Lebensmittelbranche?

Frank Nimwegen: Die Branche ist sehr gebeutelt durch das Verlangen nach billigen Lebensmitteln. Hier muss ein Umdenkprozess stattfinden. Die Menschen sollten sich fragen, ob sie jeden Tag Fleisch essen müssen. Wir spüren die Folgen direkt, denn in Deutschland werden weniger Anlagen gebaut. Wenn wir irgendwann nur noch importieren, weil die Ware aus dem Ausland billiger ist, haben die Menschen hier auch keine Arbeit mehr. Daran müssen wir als Gesellschaft arbeiten. Aufklärung ist deshalb ganz wichtig.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Sie lassen niemanden fallen

Interview mit Michael Schüler, Technik- und Produktmanager bei Etanco, sowie mit Julian Wagner, Vertriebsleiter beim gleichen Unternehmen

Sie lassen niemanden fallen

Sicherheit, die funktioniert, entscheidet sich nicht im Katalog, sondern auf der Baustelle. Als Teil der Simpson Strong-Tie GmbH verbindet Etanco internationale Strukturen mit praxisnaher Technik und persönlicher Beratung. Wie die…

Italienischer Genuss weltweit exportiert

Interview mit Luigi Brandazza, geschäftsführender Gesellschafter der Allegra s.r.l.

Italienischer Genuss weltweit exportiert

Italienische Lebensmittel stehen für Qualität, Tradition und Lebensfreude. Seit fast zwei Jahrzehnten verfolgt das familiengeführte Unternehmen Allegra s.r.l. aus Piacenza das Ziel, das kulinarische Erbe Italiens international erlebbar zu machen.…

Mut zur Verdoppelung

Interview mit Rudi Lins, Geschäftsführer der Rudi Lins Gesellschaft m.b.H. & Co. KG

Mut zur Verdoppelung

Der österreichische Automobilmarkt ist um ein gutes Drittel eingebrochen, E-Mobilität spaltet die Branche und politische Vorgaben ändern sich im Jahrestakt. Trotzdem blickt Geschäftsführer Rudi Lins optimistisch in die Zukunft, denn…

Spannendes aus der Region Kreis Steinfurt

Kontrolliert und geregelt

Interview mit Thomas Zirk, CEO der AuCom MCS GmbH & Co. KG

Kontrolliert und geregelt

In vielen Unternehmen sind sie nach wie vor Standard: Motoren ohne geregelten Antrieb, die mehr Energie verbrauchen als nötig. Präzise Drehzahlregelungen lassen sich mit Frequenzumrichtern optimal lösen – sie sorgen…

„Möbel muss man anfassen, fühlen, ausprobieren“

Interview mit Michael Kösters, Geschäftsführer über Möbel Ewald Kösters GmbH

„Möbel muss man anfassen, fühlen, ausprobieren“

Michael Kösters ist in einem Möbelhaus groß geworden – wortwörtlich. Heute führt er die Möbel Ewald Kösters GmbH in dritter Generation. Im Gespräch erzählt er, warum er trotz starker Konkurrenz…

Ganzheitliche Ansätze für moderne Infrastruktur

Interview mit Dipl.-Ing. Frank Baumgarten, Geschäftsführer der INGPLAN Ingenieurgesellschaft mbH

Ganzheitliche Ansätze für moderne Infrastruktur

Selbst Regionen, in denen es historisch reichlich Regen gab, leiden inzwischen aufgrund der Folgen des Klimawandels unter Dürre. In dieser kritischen Zeit übernimmt die INGPLAN Ingenieurgesellschaft mbH aus Coesfeld eine…

Das könnte Sie auch interessieren

Sehen, was sonst verborgen bleibt

Interview mit Dr. René Heine Geschäftsführer der Cubert GmbH

Sehen, was sonst verborgen bleibt

Chlorophyllgehalt in Pflanzen messen, Hämoglobinfluss verfolgen oder Kontaminationen erkennen – die Ulmer Firma Cubert macht mit hyperspektraler Bildgebung das Unsichtbare sichtbar. Ihre Spezialkameras führen komplette chemische Analysen in Echtzeit durch,…

Weltweit im Einsatz: Sensorik für Extreme

Interview mit Dr. Holger von Both, CEO und Yves Böhme, CFO der Sensor Technik Sirnach AG

Weltweit im Einsatz: Sensorik für Extreme

Extreme Bedingungen sind ihr Alltag: Bei STS dreht sich alles um Sensoren, die zuverlässig in Raketenantrieben, in der Tiefsee oder in hunderte Meter tiefen Brunnen arbeiten – überall dort, wo…

Wenn es ganz genau sein soll ...

Interview mit Michael Zintl, Geschäftsführer der DZG Metering GmbH

Wenn es ganz genau sein soll ...

Die schrittweise Umstellung des Stromnetzes hin zu Smart Energy ist in vollem Gange. Bis 2032 sollen alle Haushalte in Deutschland mit digitalen Stromzählern ausgestattet sein. Smart Meter spielen für die…

TOP