Cyberangriffe erkennen und abwehren, bevor großer Schaden entsteht

Interview mit Ramon Weil, CEO und Founder der SECUINFRA GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Weil, lassen Sie uns über Ihre Motivation sprechen, die SECUINFRA GmbH im Bereich Cybersecurity zu gründen. Warum haben Sie sich für diesen Bereich entschieden?

Ramon Weil: Mein Ziel ist seit Gründung des Unternehmens, die Cyber-Resilienz in Deutschland zu steigern, denn Cyberangriffe bergen ein riesiges Geschäftsrisiko. Allerdings führt nicht jeder Cyberangriff automatisch zu einem hohen Schaden. Wir haben uns darauf spezialisiert, Cyberangriffe möglichst früh zu erkennen und abzuwehren und damit den möglichen Schaden für ein Unternehmen auf ein Minimum zu reduzieren.

Wirtschaftsforum: Können Sie uns etwas über die Historie Ihres Unternehmens erzählen und wie Sie es aufgebaut haben?

Ramon Weil: SECUINFRA wurde 2010 von mir gegründet und ist seitdem aus eigener Kraft, ohne externe Investoren, gewachsen. Angefangen haben wir im Bereich Cyber Defense Consulting. Hierbei haben wir Kunden beim Aufbau eigener Security Operation Center (SOC) und Security Information & Event Management Systeme (SIEM) beraten. Seit einigen Jahren bieten wir unseren Kunden darüber hinaus verschiedene Managed Security Services an, bei denen wir entweder den kompletten Service übernehmen, in einem Co-Managed-Modell mit unseren Kunden eng zusammenarbeiten oder „nur“ die Analyse und Abwehr eines Cyberangriffes übernehmen. In Kürze werden wir dies in drei verschiedene Managed Detection & Response (MDR) Services zusammenfassen.

Wirtschaftsforum: Managed Detection & Response – das klingt nach einem interessanten Modell, denn vermutlich können viele Unternehmen solche Security-Services nicht selbst aus eigener Kraft auf die Beine stellen. Zudem dürften die jeweiligen Bedürfnisse sehr individuell sein, oder?

Ramon Weil: Das ist richtig, in den letzten Jahren haben wir gesehen, dass Unternehmen sehr unterschiedliche Anforderungen an die Erkennung, Analyse und Abwehr von Cyberangriffen haben. Einerseits gibt es Unternehmen, die sehr Cloud-affin sind, andererseits gibt es auch welche, die dem Cloud-Zwang der großen Softwareanbieter sehr skeptisch gegenüberstehen. Außerdem sind zwar viele Angebote für größere Unternehmen vorhanden – jedoch kaum bezahlbare Möglichkeiten für kleine Unternehmen. Darüber hinaus haben viele Firmen in eigene Cyber-Defense-Kapazitäten investiert und stellen nun fest, dass sie zwar viel Geld für Produkte bezahlt haben, aber nicht das notwendige Personal finden, um ihre Cyber-Resilienz tatsächlich zu steigern. Um all diese unterschiedlichen Bedingungen zu berücksichtigen, werden wir zukünftig drei komplett verschiedenen Managed Detection & Response Services anbieten. Einerseits haben wir eine eigene MDR-Plattform aus Best-in-Class-Lösungen entwickelt, die komplett ohne die Cloud auskommt. Andererseits bieten wir einen Managed Detection & Response Service basierend auf der Microsoft Cloud an. Last but not least gibt es weiterhin unsere Co-Managed Detection & Response Services, um all denjenigen Firmen zu helfen, die Probleme dabei haben, einen 24/7-Service inhouse aufzubauen.

Wirtschaftsforum: Welche Leistungen bieten Sie darüber hinaus an und was sind Ihre Zielgruppe?

Ramon Weil: Unser Leistungsspektrum umfasst die Erkennung, Analyse und Abwehr von Cyberangriffen. Wir überwachen Endpoints, also Geräte, mit denen täglich gearbeitet wird, sowie Netzwerke und Protokolldateien, um Angriffe frühzeitig zu erkennen. Die Kombination aus verschiedenen Technologien und Methodiken ermöglicht es uns, Angriffe umfassend zu erkennen und tiefgreifend zu analysieren sowie schnell und effizient abzuwehren.Unsere Zielgruppe besteht dabei aus zwei Arten von Kunden: einerseits Unternehmen, die Unterstützung bei der Erkennung, Analyse und Abwehr von Cyberangriffen benötigen oder dies als kompletten Service bei uns einkaufen. Andererseits kontaktieren uns Firmen, die Opfer eines Cyberangriffes geworden sind, und Hilfe bei der Analyse und Abwehr benötigen.

Wirtschaftsforum: Welche Stärken zeichnet Ihr Unternehmen aus und welche Herausforderungen sehen Sie in Ihrem Markt?

Ramon Weil: Unsere Stärken liegen in der klaren Fokussierung auf die Erkennung, Analyse und Abwehr von Cyberangriffen – wir konzentrieren uns seit 2010 zu 100 Prozent auf dieses Thema. Eine tragende Säule sind hierbei unsere Mitarbeiter. Alle technischen SECUINFRA Mitarbeiter sind handverlesene Cyber-Defense-Experten. Weiterhin ist unser komplettes Unternehmen ISO27001-zertifiziert – und nicht nur einzelnen Teile. Unsere Services erbringen wir rund um die Uhr an jedem Tag mit ausgewiesenen deutschsprachigen Cyber-Defense-Experten. Die größten Herausforderungen sind einerseits gute Mitarbeiter zu finden und langfristig ans Unternehmen zu binden. Andererseits ist der Cyber-Defense-Markt sehr dynamisch und unübersichtlich. Für Unternehmen ist es da sehr schwierig, den passenden Anbieter zu finden.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen es gerade an, gute Mitarbeiter sind in Ihrer Branche von großer Bedeutung. Wie schaffen Sie es, diese für sich zu gewinnen und zu halten?

Ramon Weil: Wir pflegen eine sehr gute Mitarbeiterkultur, die auf unseren Werten beruht: Vertrauen, Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit, Innovationskraft und Loyalität. Eine gute Stimmung im Unternehmen ist hierbei entscheidend für unseren Erfolg. Neben sehr vielen Benefits wie Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, attraktive Altersvorsorge, regelmäßige Teamevents und vieles mehr sind hierfür vor allem gegenseitige Wertschätzung und eine offene Feedbackkultur wichtig. Abgerundet wird alles durch interessante Aufgaben in einem der spannendsten Themenbereiche unserer Zeit, Cyber Defense. Dafür werden wir seit Jahren als Top Arbeitgeber Mittelstand von Focus-Business und als Bester Arbeitgeber von Great Place to Work ausgezeichnet. Inzwischen bekommen wir monatlich mehr als 100 Bewerbungen. Bei den Bewerbern achten wir neben der fachlichen Qualifikation vor allem auf die persönlichen und sozialen Kompetenzen sowie die Teampassung.

Wirtschaftsforum: Seit der Gründung hat sich die SECUINFRA GmbH sehr gut entwickelt. Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Ramon Weil: Aktuell liegt unser Fokus darauf, die Cyber-Resilienz in Deutschland zu steigern und die Markführerschaft im Bereich Cyber Defense hierzulande zu übernehmen. Der nächste Schritt ist, das Ganze auf weitere Länder in Europa und darüber hinaus auszuweiten. Unser langfristiges Ziel ist es, das weltweit agierende, führende Cyber-Defense-Unternehmen aus Deutschland zu werden. Derzeit ist der globale Markt vor allem durch US-amerikanische Unternehmen dominiert. Dem möchten wir etwas entgegensetzten: Cyber Defense – Made in Germany.

https://www.secuinfra.com/de/managed-detection-and-response/

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Der Motor läuft weiter

Interview mit Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Schnell, Geschäftsführer der HJS Motoren GmbH

Der Motor läuft weiter

Die Planung und Umsetzung von Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien stehen seit Jahren unter dem Einfluss sich regelmäßig ändernder Rahmenbedingungen – eine Entwicklung, die zunehmend zu Planungsunsicherheit führt und…

Bereit für die Transformation

Interview mit Tim Kohnle, Geschäftsführer der KUHN IT GmbH

Bereit für die Transformation

Die Digitalisierung von Kanzleien ist in vollem Gange; sichere EDV- und Cloud-Lösungen sind von zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit, Effizienz und Mandantensicherheit. Durch den Wandel zum Homeoffice und die Notwendigkeit…

Speziallösungen aus dem Reinraum

Interview mit Tino Fiedler, Geschäftsführer der Kögel Filter GmbH - Contecma-Filtration

Speziallösungen aus dem Reinraum

Was in einer Privatwohnung begann, ist heute ein Hightechbetrieb mit internationaler Reichweite: Die Kögel Filter GmbH mit dem Markenauftritt Contecma Filtration ist ein Spezialist für individuelle Filtrationslösungen und Containment-Systeme in…

Spannendes aus der Region Berlin

Unsichtbar, aber unverzichtbar: Infrastruktur für eine vernetzte Zukunft

Interview mit Oliver Weicker, Chief Commercial Officer Telecom Solutions CEE der Prysmian Kabel und Systeme GmbH

Unsichtbar, aber unverzichtbar: Infrastruktur für eine vernetzte Zukunft

Ob Energiewende, Digitalisierung oder der explosionsartig wachsende Datenbedarf moderner Gesellschaften – ohne leistungsfähige Infrastruktur im Hintergrund geht heute nichts mehr. Stromnetze, Glasfasertrassen und Datenautobahnen bilden das Rückgrat wirtschaftlicher Entwicklung, bleiben…

Zeitenwende für Europas Sicherheit

Interview mit Anders Sjöberg, Geschäftsführer der Saab Deutschland GmbH

Zeitenwende für Europas Sicherheit

Softwaregesteuerte Systeme, künstliche Intelligenz und autonome Plattformen definieren die Zukunft der Sicherheitstechnologie neu. Gleichzeitig zwingt die veränderte geopolitische Lage Europa, mehr Verantwortung für die eigene Verteidigung zu übernehmen. Die Saab…

Boutique statt Behäbigkeit

Interview mit Christian Saxenhammer, CEO der Saxenhammer Corporate Finance GmbH

Boutique statt Behäbigkeit

Wenn Übernahmen, Nachfolge oder Finanzierung anstehen, brauchen mittelständische Unternehmen vor allem eines: Orientierung – und eine Beratung, die Tempo mit Präzision verbindet. Die Saxenhammer Corporate Finance GmbH positioniert sich als…

Das könnte Sie auch interessieren

E-Rechnungspflicht: Wie Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren können

Interview mit Nicolas de Beco, CEO der Banqup Group

E-Rechnungspflicht: Wie Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren können

Lang angekündigt, kommt sie doch schneller als gedacht – die E-Rechnungspflicht. Damit stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, schnellstmöglich ihre Prozesse zu digitalisieren und zu optimieren. Die Banqup Group bietet…

Bereit für die Transformation

Interview mit Tim Kohnle, Geschäftsführer der KUHN IT GmbH

Bereit für die Transformation

Die Digitalisierung von Kanzleien ist in vollem Gange; sichere EDV- und Cloud-Lösungen sind von zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit, Effizienz und Mandantensicherheit. Durch den Wandel zum Homeoffice und die Notwendigkeit…

Klarer Anspruch: „Unsere Kunden sollen erfolgreich sein!“

Interview mit Harold Vrieling, Executive Vice President Development der Infor (Barneveld) B.V.

Klarer Anspruch: „Unsere Kunden sollen erfolgreich sein!“

Der Einsatz von Software zur Steuerung und Kontrolle betrieblicher Prozesse ist heute Standard. ERP-Programme, die nicht die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz nutzen, kommen jedoch schnell an ihre Grenzen. Die cloudbasierten Lösungen…

TOP