„Spooky, wenn Paletten allein durchs Lager fahren“

Interview mit Ingo Blum, Marketingleiter und Pressesprecher der Schöler Fördertechnik AG

Wirtschaftsforum: Herr Blum, welche Ereignisse waren besonders prägend für das 1966 gegründete Unternehmens?

Ingo Blum: Ein wichtiger Schritt war der Umzug in den heutigen Hauptsitz in Rheinfelden 1974. Damit begann die weitere Expansion. 1982 haben wir Niederlassungen in Ravensburg, Schramberg und Achern eröffnet. Mit der Übernahme des Linde-Händlers Brixner 2003 hat sich unser Einzugsgebiet verdoppelt und weitere Niederlassungen kamen hinzu. 2016 entstand in Zimmern ob Rottweil unser größter Standort und unsere zentrale Werkstatt. Mit Linde MH verbindet uns eine 50-jährige erfolgreiche Zusammenarbeit. Diese enge Verbundenheit mit dem Technologieführer hat uns sehr geprägt.

Wirtschaftsforum: Hinter jedem erfolgreichen Unternehmen stecken erfolgreiche Menschen. Welche sind das bei Schöler?

Ingo Blum: Unser Erfolg basiert auf dem täglichen Beitrag eines jeden einzelnen Mitarbeiters. Allein unsere 180 Servicetechniker sind täglich im Kundenkontakt und beim Kunden vor Ort. Bei jedem hinterlassen sie ihren Fußabdruck. Als familiengeführtes Unternehmen sind für uns der Zusammenhalt unter den Mitarbeitern, die gegenseitige Wertschätzung und die Mitarbeiterzufriedenheit von großer Bedeutung. Zufriedene Mitarbeiter sind die besten Markenbotschafter.

Wirtschaftsforum: Wo steht das Unternehmen heute und wohin soll es sich noch entwickeln?

Ingo Blum: Wir haben sechs Standorte und beschäftigen 420 Mitarbeiter. 2019 betrug unser Umsatz 114 Millionen EUR. Räumlich ist unser Geschäftsgebiet aufgrund einer festgelegten Händlerstruktur in Deutschland fest definiert. Umso wichtiger für uns ist es, die künftigen Marktanforderungen zu kennen, zu beobachten und entsprechend Geschäftsmodelle daran auszurichten. Unser Ziel für die nächsten Jahre ist, die Marktführerschaft in Baden-Württemberg zu sichern und auszubauen.

Wirtschaftsforum: Seit wann sind Sie im Unternehmen und welche Impulse können Sie ihm geben?

Ingo Blum: Ich bin seit 2,5 Jahren bei Schöler. Zuvor war ich 20 Jahre in einer Werbeagentur, davon 14 als Geschäftsführer. Bei Schöler bin ich im Management und für das Marketing verantwortlich. Ich sehe es unter anderem als meine Aufgabe an, die Digitalisierung voranzutreiben. Wir haben zum Beispiel unterstützt durch Maßnahmen im Bereich Search Engine Advertising (SEA) unser Onlinemarketing neu ausgerichtet und eine App zur Vertriebsunterstützung entwickelt. Mich beschäftigt auch die Frage, wie wir unser komplettes Portfolio unter einer starken Dachmarke vereinen können.

Wirtschaftsforum: Was ist das für eine App?

Ingo Blum: Sie heißt forsale-S® und bildet unser gesamtes Produktportfolio ab. Die Entwicklung dieser App liegt uns im Marketing besonders am Herzen. Früher hat ein Verkäufer einen Riesenkoffer mit Prospekten, Preislisten und Datenblätter mit sich geschleppt. Mit forsale-S® werden jetzt alle Inhalte, auch mediale wie Videos, im Offlinemodus auf einem mobilen Endgerät, aber auch auf einem Desktop-Rechner angezeigt. Über 6.000 Datenblätter sowie Broschüren können direkt aus der App an Kunden geschickt werden. Nachdem die App bei unseren Verkäufern sehr gut angekommen ist, wollen wir sie jetzt auch bei anderen Händlern unter Lizenz vertreiben. Wir haben schon einige Anfragen. Im Prinzip kann diesbezüglich jede Firma, die einen Vertrieb hat, dieses Tool nutzen. Wir haben aber noch weitere digitale Plattformen eingeführt, wie die Onlinevermietungsplattform baxxler, die übrigens von einem anderen Linde-Händler entwickelt wurde, oder auch das Tool Linde-Connect.Es vernetzt Fahrzeuge und liefert dem Flottenmanager fortlaufend den Status der gesamten Flotte.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihr Produktportfolio besonders aus; welche neuen Entwicklungen gibt es?

Ingo Blum: Früher waren wir der klassischer Gabelstaplerhändler. Heute sind wir wegweisender Partner in der Intralogistik. Stapler können zum Beispiel in definierten Zonen automatisiert heruntergebremst werden. Routenzüge sind aus dem innerbetrieblichen Warenverkehr kaum noch wegzudenken. Autark fahrende Produkte werden auch in den nächsten Jahren die große Herausforderung sein. Wenn Paletten ohne Menschen durchs Lager fahren, ist das schon etwas spooky. Bei alldem rückt die Sicherheit im Bereich der Intralogistik immer stärker in den Fokus. Die digitalen Lösungen ermöglichen heute, die Unfallstatistik stark zu verbessern und die Unfallzahlen deutlich zu reduzieren. Auch dazu beraten wir unsere Kunden. In Zimmern ob Rottweil haben wir ein Demo-Areal eingerichtet, in dem der Kunde diese Sicherheitsfunktionen und das Flottenmanagement live erleben kann.

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