Logistik von morgen

Interview mit Julia Schmitt, Mitglied der Geschäftsleitung Leitung Unternehmensentwicklung der Schmitt Gruppe

Wirtschaftsforum: Frau Schmitt, die Schmitt Gruppe ist ein erfolgreiches Familienunternehmen, das auf eine über 85-jährige Erfahrung bauen kann. Wie lässt sich die Entwicklung grob skizzieren?

Julia Schmitt: Das Unternehmen entstand aus einer klassischen Spedition – mit einem Lkw in der Nachkriegszeit. Ein Meilenstein war der Umzug an den heutigen Standort in Vellberg; vor allem der Bereich Logistik, der heute mit 70% den Löwenanteil am Geschäft ausmacht, ist in den vergangenen Jahren sukzessive gewachsen. Aber auch die Spedition ist eine wichtige Säule im Portfolio. Beide Geschäftsbereiche sind eng miteinander verzahnt und gehen Hand in Hand.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?

Julia Schmitt: Neben dem Hauptsitz in Vellberg gibt es im Umkreis von rund 20 km weitere Lagerstandorte, die wir weiter ausbauen. Wir beschäftigen je nach Saison rund 400 Mitarbeiter. Nach Corona konnten wir einen Rekordumsatz von 40 Millionen EUR verbuchen und gehen heute davon aus, weiter gesund zu wachsen.

Wirtschaftsforum: Die Geschäftsleitung liegt in der Verantwortung ihres Vaters Günter Schmitt und ihres Onkels Jürgen Schmitt. Sie vertreten die 4. Generation, sind mit dem Unternehmen von Kindesbeinen an aufgewachsen und agieren als Frau in einer männerdominierten Branche. Wo sehen Sie Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Julia Schmitt: Meine Rolle ist zweigeteilt und auf jeden Fall strategisch. Ich bin sehr stark am Austausch interessiert und viel auf Messen und Events präsent. Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist das Thema Fachkräfteentwicklung. Es war mein persönlicher Wunsch, in dem Bereich aktiver zu werden und Engagement zu zeigen, um zum Beispiel die Mitarbeiterbindung zu stärken. Dazu hat nicht zuletzt unser neues Verwaltungsgebäude beigetragen, mit dem wir eine Oase geschaffen haben, in deren offenem, modernen Ambiente Mitarbeiter sich wohlfühlen, die zum Austausch einlädt und das Team gestärkt hat. Wir haben verschiedene große Projekte zum Thema Mitarbeiterbindung aufgesetzt, zum Beispiel eine betriebliche Krankenversicherung mit einem Budget für jeden Mitarbeiter. Zudem gibt es Kleinigkeiten wie Wasserspender und frisches Obst an jedem Standort. In unserer Region gibt es viele große Player und deshalb ist es schwierig, qualifizierte Kräfte zu finden. Wir haben aktuell ein Projekt, um Mitarbeiter aus dem Ausland zu rekrutieren.

Wirtschaftsforum: Schmitt setzt auf die zwei Standbeine Logistik und Spedition. Wie setzt man sich hier vom Wettbewerb ab?

Julia Schmitt: Wir sind sehr breit aufgestellt. Zusatzdienstleistungen wie das Etikettieren und Verpacken, die sogenannten Value Added Services, werden immer wichtiger. Das Etikettieren bestimmter Reinigungsmittel muss zum Beispiel mit verschiedenen internationalen Richtlinien und Standards konform sein. Besonders stark sind wir in den Bereichen Automotive und Sondermaschinenbau. 2019 haben wir die erste Gefahrstoffhalle gebaut und damit einen neuen Schwerpunkt gesetzt. Hier geht es um die Lagerung von Autobatterien, die höchste Anforderungen an die Sicherheit stellt. Wir arbeiten deshalb mit Infrarotkameras zur Wärmeüberwachung. Seit Juli 2023 gibt es eine weitere Halle, die mit einem Verschieberegal für Autobatterien ausgestattet ist. Angesichts der boomenden E-Mobilität konnten wir hier früh in einem zukunftsträchtigen Marktsegment Fuß fassen. Im Sondermaschinenbau lagern wir einzelne Komponenten großer Maschinen – von der kleinsten Schraube bis zum größten Blechteil –, die von uns zur richtigen Zeit an die Produktion geliefert werden.

Wirtschaftsforum: Mit dem Gefahrstofflager für Autobatterien hat Schmitt früh auf einen Megatrend reagiert. Ist das ein Schlüssel zum Erfolg?

Julia Schmitt: Ja. Frühes Erkennen und Reagieren ist entscheidend, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Genauso wichtig ist, sich um das Wohl der Mitarbeiter zu kümmern. Wir sind bodenständig, haben flache Hierarchien, immer ein offenes Ohr für unsere Mitarbeiter und bieten spannende Entwicklungschancen. Viele Mitarbeiter gehören dem Unternehmen seit 10, 20 oder 30 Jahren an; das sehen wir als besondere Anerkennung. Nicht zuletzt ist das Qualitätsbewusstsein fest in unserer Kultur verankert und wird von allen gelebt. Das gilt auch für unser Motto ‘Ein Ziel – Eine Leidenschaft’. Gemeinsam arbeiten wir daran, unsere Kunden mit passgenauen Leistungen zufriedenzustellen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Transport & Logistik

Smarte Systeme statt Suchzeiten

Interview mit Walter Bostelmann, Vorstandsvorsitzender der Kellner & Kunz AG, EVP RECA Group

Smarte Systeme statt Suchzeiten

Ob Industrie, Handwerk oder Bau: Besonders bei C-Teilen wie Schrauben, Werkzeugen oder Verbrauchsmaterial zählt vor allem eines – dass alles verfügbar ist, wenn es gebraucht wird. Dabei setzen viele Betriebe…

Intelligente Lagertechnik für eine neue Produktionsrealität

Interview mit Thomas Lehner, Geschäftsführer der Fehr Lagerlogistik AG

Intelligente Lagertechnik für eine neue Produktionsrealität

Lieferketten sind fragiler geworden, Produktionsprozesse komplexer, qualifizierte Fachkräfte schwerer zu finden. Automatisierte Lagerlösungen werden dadurch zu zentralen Bestandteilen moderner Supply Chain-Strategien. Die Fehr Lagerlogistik AG hat sich genau hier positioniert…

Die Kunst der perfekten Zustellung

Interview mit Kris Van Humbeeck, CEO der DHL Express (Austria) GmbH

Die Kunst der perfekten Zustellung

Wenn Waren innerhalb weniger Stunden rund um den Globus transportiert werden müssen, zählt vor allem eines: Verlässlichkeit. Genau darauf hat sich die DHL Express (Austria) GmbH spezialisiert. Das Unternehmen, das…

Spannendes aus der Region Landkreis Schwäbisch Hall

Werkstätten im Takt der Technik

Interview mit Nicole Wolter, Geschäftsführerin und Andreas Wittig, Head of Product Portfolio Management der WABCOWÜRTH­ Workshop ServicesGmbH

Werkstätten im Takt der Technik

Die WABCOWÜRTH Workshop ServicesGmbH mit Sitz in Künzelsau ist ein international tätiger Anbieter von Diagnose- und Servicelösungen für Nutzfahrzeuge. Geschäftsführerin Nicole Wolter und Andreas Wittig, verantwortlich für das Product Portfolio…

Strom formt Stahl: Die Zukunft der Wärmebehandlung

Interview mit Norbert Wirth, Geschäftsführer der EMA Indutec GmbH

Strom formt Stahl: Die Zukunft der Wärmebehandlung

Die Transformation industrieller Prozesse ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern tägliche Realität. Gerade bei energieintensiven Anwendungen wächst der Druck, effizientere und zugleich nachhaltigere Lösungen zu finden. Die EMA Indutec GmbH…

Digitaler Wandel  im Schrotthandel

Interview mit Jakub Bruch, Management der Bruch & Söhne GmbH & Co. KG

Digitaler Wandel im Schrotthandel

Jakub Bruch trat eher unverhofft in 4. Generation in sein Familienunternehmen Bruch & Söhne ein, das vornehmlich sein Vater als produzierenden Schrott- und Metallgroßhandel mit eigenem Hafenumschlagplatz positionieren konnte. Mit…

Das könnte Sie auch interessieren

Intelligente Anlagen für anspruchsvolle Projekte

Interview mit Alexander Smeets, Geschäftsführer der LENTZEN Gebäudetechnik GmbH

Intelligente Anlagen für anspruchsvolle Projekte

In Zeiten steigender Energiepreise und wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen gewinnt moderne Gebäudetechnik stark an Bedeutung. Unternehmen benötigen Lösungen, die Effizienz, Verlässlichkeit und intelligente Steuerung verbinden. Genau hier positioniert sich die LENTZEN Gebäudetechnik…

„Wir sind wie eine Familie mit allen Höhen und Tiefen!“

Interview mit Henning Diephaus, Geschäftsführer der Funke GmbH & Co. KG

„Wir sind wie eine Familie mit allen Höhen und Tiefen!“

Mit ihrer Tradition von fast 160 Jahren sieht sich die Funke GmbH & Co. KG auch für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt. Ein breites Kundenportfolio, der Einsatz innovativer Technologie…

Weil weniger so viel mehr ist

Interview mit Markus Müller, Geschäftsführer der Re-uz Germany GmbH

Weil weniger so viel mehr ist

Rund 1.800 Festivals gibt es derzeit in Deutschland – und ihre Zahl wächst. Sie sind Kulturorte und Wirtschaftsmotor – und herausfordernd. Große Mengen an Müll, vor allem durch Einweggeschirr und…

TOP