Von schönen Zähnen und erholsamem Schlaf

Interview mit Markus Bappert, Geschäftsführer der SCHEU-DENTAL GMBH und der SCHEU GROUP

Wirtschaftsforum: Herr Bappert, können Sie kurz umreißen, wofür die SCHEU GROUP steht?

Markus Bappert: Der Name Scheu wird seit fast 100 Jahren mit innovativen Dentalprodukten verbunden, mit denen Zahnärzte und Kieferorthopäden arbeiten. Rudolf Scheu gründete das Unternehmen 1926 in Iserlohn; heute wird es in der dritten Generation geführt.

Wirtschaftsforum: Scheu steht mit der langen Geschichte für Konstanz und Kontinuität. Gleichzeitig gab es immer wieder Neuerungen in Produkthinsicht, in jüngster Zeit auch in organisatorischer Hinsicht. Was waren wichtige Meilensteine der jüngeren Vergangenheit?

Markus Bappert: Scheu ist seit jeher ein sehr innovatives Unternehmen. Es gibt Produkte aus der Anfangszeit, die noch heute, wenn auch in veränderter Form, auf dem Markt sind. Dies sind zum Beispiel kleine, feinmechanische Komponenten für Zahnärzte und Kieferorthopäden, die für Zahnkorrekturen eingesetzt werden. Ein wichtiger Meilenstein war die Entwicklung des Tiefziehgeräts BIOSTAR® Mitte der 1960er-Jahre. BIOSTAR® war ein echtes Novum und ist auch heute ein Produkthighlight.

Wirtschaftsforum: Was für Laien überraschend klingen mag, ist, dass Scheu sich auch dem Thema Schlafmedizin annimmt. Was genau heißt das?

Markus Bappert: Seit Mitte der 1990er-Jahre entwickeln und fertigen wir Produkte für Menschen mit Schlafproblemen; dabei kann es um das Thema Schnarchen oder um die Schlafapnoe gehen. Atmungsschwierigkeiten beim Schlafen können unter Umständen sehr gefährlich sein und es gibt heute verschiedene zahnmedizinische Möglichkeiten wie unsere TAP®-Schienen, die helfen, Schnarchgeräusche zu reduzieren. Im Vergleich zu riesigen Atemmasken, die über Nacht getragen werden müssen, ist dieser Ansatz sehr viel komfortabler für den Patienten. Angeboten wird die Therapie, die übrigens künftig in den gesetzlichen Katalog aufgenommen wird, von spezialisierten Zahnärzten. Damit wird das Thema deutlich präsenter und Zahnmediziner werden sich stärker engagieren.

Wirtschaftsforum: Wie ist die SCHEU GROUP heute aufgestellt?

Markus Bappert: Die Gruppe wurde 2020 firmiert, um Kompetenzen der Tochtergesellschaften besser zu bündeln und Synergien zu nutzen. Die SCHEU-DENTAL operiert seitdem als Muttergesellschaft am Stammsitz in Iserlohn. Mit der SMILE-DENTAL gibt es seit 2007 eine Tochtergesellschaft in Ratingen, sie sehr erfolgreich als Handelsunternehmen für Kieferorthopäden tätig ist. Es gibt nur wenige auf den KFO-Bereich spezialisierte Händler wie SMILE-DENTAL. Seit 2011 ist die CA DIGITAL eine weitere Tochtergesellschaft, die für eine ganz neue Form der Behandlung steht, am Markt aktiv. Mit dem Clear Aligner können Zahnfehlstellungen auf unsichtbare Weise und für den Patienten sehr komfortable Art und Weise korrigiert werden. Während Kinder zur Zahnkorrektur in der Regel eine feste Zahnspange bekommen, entscheiden sich mittlerweile die Mehrheit der Erwachsenen für eine Aligner-Therapie. Dabei handelt es sich um eine komplett transparente Kunststoffschiene, die nicht sichtbar ist. Damit ist die Hemmschwelle, sich für eine Korrektur zu entscheiden, deutlich niedriger als bei herkömmlichen Klammern aus Metall. Hinzu kommt, dass die Schiene sehr einfach zu reinigen ist und ausgezeichnete Behandlungserfolge verzeichnet.

Wirtschaftsforum: Für die SCHEU GROUP hat es in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche Veränderungen gegeben. Nachdem Christian Scheu das Unternehmen 40 Jahre lang geführt hat, ist mit Ihnen erstmals ein angestellter Manager, der nicht den Namen Scheu trägt, in der Geschäftsführung. Wie geht es für die Gruppe und ihre insgesamt 300 Mitarbeitern weiter?

Markus Bappert: Wir setzen auf eine zweigeteilte Strategie. Bei CA DIGITAL werden wir weiter den digitalen Weg und die Internationalisierung vorantreiben. Wir glauben an das Potenzial von Produkten wie MEMOTAIN®, das weltweit einzigartig ist. Der Retainer steht für höchste Passgenauigkeit und Anwenderfreundlichkeit. Auch im Stammhaus stehen die Zeichen mit der Aligner-Therapie weiter auf Wachstum. Wenn die Therapie weiter an Zuspruch gewinnt, wird auch die Nachfrage nach Geräten und Verbrauchsmaterialien wie Folien steigen. Mit Formierung der Gruppe konnten wir die F&E Aktivitäten bündeln; deshalb sind wir optimistisch, weiter innovative, patientenfreundliche Produkte auf den Markt bringen zu können. 2020 war das zum Beispiel eine dreilagige-Folie, die das Tragen einer Schiene für Patienten deutlich angenehmer macht. Es ist ein tolles Produkt. Wenn Vorteile für Patienten da sind, ist das immer sehr besonders.

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