Ein cooles Unternehmen

Interview mit Tobias Ritter, Technischer Geschäftsführer der ritter & bader GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Ritter, als Spezialist für Kühltechnik, was für Lösungen bieten Sie Ihren Kunden an?

Tobias Ritter: Bei uns geht es um Kühltechnik für den Maschinenbau. Ein wichtiger Bereich ist die Kühlung von Maschinen, Werkzeug- und Prozessmaschinen. Unsere Lösungen kühlen die Maschinen auf eine gewünschte Temperatur herunter. Immer wichtiger werden auch Eintauchkühler. Diese werden von oben in ein Becken eingeführt, wo zum Beispiel Kühlschmierstoffe oder Kühlöle gekühlt werden. Darüber hinaus bieten wir noch Lösungen für Durchlaufkühlungen, Schaltschrankkühlungen und Sonderkühlungen, zum Beispiel für Beamer in Bahnhöfen und U-Bahnhöfen. Auch Wärmetauscher gehören zu unserem Sortiment. Wir sind Experten für Sonderlösungen und kommen häufig dann ins Spiel, wenn eine Lösung besondere Anforderungen erfüllen muss.

Wirtschaftsforum: Ihr Thema ist Kühlung. Wie beeinflussen die Entwicklungen hin zu mehr Umweltschutz Ihr Geschäft?

Tobias Ritter: Ein zentrales Thema ist in unserem Bereich die Energieeffizienz. Durch die neue F-Gase-Verordnung liegt der Fokus auf Low GWP Kältemittel, welche weniger zum Treibhauseffekt beitragen. Hier müssen dann jedoch oft strengere Auflagen beim Anlagenkonzept und im Betrieb erfüllt werden:

Wirtschaftsforum: Haben Sie als Unternehmen Maßnahmen ergriffen, um Ihren ökologischen Fußabdruck zu verbessern?

Tobias Ritter: Wir versuchen schon seit langem so viel Strom und Wärme wie möglich über unser eigenes Blockheizkraftwerk zu erzeugen. Wir sind inzwischen fast Selbstversorger. Den Strom nutzen wir selbst und die Wärme brauchen wir für unsere Prüfstände, um die Kühler zu testen. Im Sommer erzeugen wir die komplette Wärme für unsere Prüfstände über Solarthermieanlagen. Wir verfügen seit 2010 über 60 KW Photovoltaikleistung und zusätzlichen 40 KW seit 2022 und möchten unsere Kapazitäten hier noch weiter ausbauen.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden?

Tobias Ritter: Der Maschinenbau, hauptsächlich in Deutschland, ist unsere wichtigste Zielbranche. Hier sind wir für Namen wie Grob-Werke, DMG Mori und zahlreiche andere namenhafte Maschinenbauer, kleine wie große tätig.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet ritter & bader vom Wettbewerb?

Tobias Ritter: Wir gehen immer individuell auf die Bedürfnisse unserer Kunden ein, sind flexibel und versuchen alles möglich zu machen, um den Kundenwünschen gerecht zu werden. Auch in den letzten Krisenjahren sind wir diesem Credo treu geblieben. Wir pflegen intensiven Kundenkontakt auf Augenhöhe und entwickeln Lösungen partnerschaftlich.

Wirtschaftsforum: Wie begegnen Sie dem anhaltenden Fachkräftemangel?

Tobias Ritter: Wir haben vor einiger Zeit die Vier-Tage-Woche eingeführt. Seitdem bekommen wir mehr Bewerbungen. Da es kaum noch erfahrende Kräfte am Markt gibt, bilden wir selbst aus.

Wirtschaftsforum: Was glauben Sie, schätzen Ihre Mitarbeiter an ritter & bader als Arbeitgeber?

Tobias Ritter: Wir pflegen ein familiäres Klima und unsere Türen stehen immer offen, auch die der Geschäftsführer. Wir wertschätzen unsere Mitarbeiter und kümmern uns um sie, gehen auch auf persönliche Probleme ein.

Wirtschaftsforum: Seit wann gibt es ritter & bader und was hat das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist am Markt?

Tobias Ritter: Das Unternehmen wurde vor über 30 Jahren als Tochterunternehmen eines Blechherstellers gegründet. Wir haben damals für das Unternehmen Kühler für Schaltschränke gebaut. Im Laufe der Zeit wurden wir eigenständig und haben uns immer mehr in Richtung Industrie entwickelt. Ende der 90er Jahre haben wir damit begonnen, Industriekühler zu bauen. Damit sind wir gewachsen. Später haben wir uns auf Sonderkühlungen spezialisiert. Das heißt, wir machen keine Massenstückzahlen. Im Jahr bauen wir zwischen 6.000 und 7.000 Kühler.

Wirtschaftsforum: Wie haben die Krisen der letzten drei Jahre Ihr Geschäft beeinflusst?

Tobias Ritter: Meine Schwester und ich sind seit 2022 in der Geschäftsführung. Durch die Probleme der Lieferketten hatten wir etliche Ausfälle. Diese konnten wir aber auffangen. Wir sind ein Sonderbauer mit einer breiten Produktpalette. Der Ukraine-Krieg hat die Lieferprobleme, die schon während der Pandemie entstanden sind, noch verschlimmert. Deshalb haben wir uns ein größeres Lieferantennetzwerk aufgebaut. So sind wir immer lieferfähig geblieben. Inzwischen hat sich die Situation etwas entspannt und der Markt hat sich auf einem höheren Preisniveau stabilisiert.

Wirtschaftsforum: Was sind die wichtigen Themen auf Ihrer Agenda 2024?

Tobias Ritter: Die neue F-Gase-Verordnung wird unser zentrales Thema sein. Wir müssen die Kühler auf die zugelassenen Kältemittel umstellen. Wir möchten unser hohes Qualitätsniveau weiter beibehalten und sind zufrieden, wenn wir solide und in kleinen Schritten wachsen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

Eine smarte Verbindung zwischen Truck und Trailer

Interview mit Joachim Dürr, CEO der JOST Werke SE

Eine smarte Verbindung zwischen Truck und Trailer

Der Kupplungsvorgang zwischen einem Zugfahrzeug oder einem landwirtschaftlichen Nutzfahrzeug und seinem jeweiligen Anhänger ist für die Fahrer im Allgemeinen ein lästiger und bisweilen gar gefährlicher Vorgang. Smarte Kupplungssysteme bis hin…

Hart wie ein Diamant

Interview mit Thorsten Noack, Geschäftsführer und Inhaber der NOMIG GmbH

Hart wie ein Diamant

Vor 25 Jahren wurde die NOMIG GmbH aus einer Vision geboren: Thorsten Noack gründete das Rekener Unternehmen mit dem Ziel, Kundenwünschen mit mehr Individualität, Spontaneität und Kosteneffizienz zu entsprechen. Heute…

Für eine luftdichte Verbindung

Interview mit Stefanie Bindzus, Geschäftsführerin der ITV GmbH

Für eine luftdichte Verbindung

In der Pneumatik wird Druckluft oder Gas zum Antrieb von Werkzeugen oder Maschinen verwendet. Dazu werden Steckverbinder und Systeme benötigt, um die Luft sicher von A nach B zu bringen.…

Spannendes aus der Region Landkreis Neu-Ulm

Verbindungswelten für eine grüne Zukunft

Interview mit Michael Döring, Geschäftsführer WEH

Verbindungswelten für eine grüne Zukunft

Nicht nur die Automobilindustrie, sondern alle Industriebereiche müssen umdenken, wenn es um die Energieversorgung und Antriebstechnik geht. WEH aus Illertissen in Deutschland ist Weltmarktführer für Wasserstoff-Betankungskomponenten und Pionier in der…

Professionelle All-In-One HR-Software

Interview mit Jörg Stadelhofer, Vertriebsleiter der Persis GmbH

Professionelle All-In-One HR-Software

Die digitale Transformation schreitet immer weiter voran, selbst in einem Bereich, der so sehr auf zwischenmenschliche Interaktionen angewiesen ist wie das Personalwesen. Ein Vorreiter auf diesem Gebiet ist die Persis…

So sieht der Einzelhandel der Zukunft aus

Interview mit Andreas Nebel, Vorstand und Uli Schäfer, Vorstand der DRS Deutsche Retail Services AG

So sieht der Einzelhandel der Zukunft aus

Als Uli Schäfer und Andreas Nebel die DRS Deutsche Retail Services AG gründeten, war es ihr Ziel, ganzheitliche IT-Lösungen speziell für den Einzelhandel anzubieten. Die Strategie der beiden Unternehmensgründer und…

Das könnte Sie auch interessieren

Architektur als Philosophie

Interview mit Peter Roelvink Architekt & Partner IAA Architecten B.V.

Architektur als Philosophie

Das Nachbarland die Niederlande war schon immer so etwas wie ein kleines Amerika in Westeuropa. Denn während die Deutschen traditionell alles bis zu Ende denken und erst dann mit einem…

Eine visionäre Reise

Interview mit Johannes Sréter, Partner Safety Tax Free GmbH

Eine visionäre Reise

Balkonkraftwerke boomen. Unlängst wurde in Deutschland erstmals die Marke von einer halben Million geknackt, was einer Verdoppelung der gemeldeten Anlagen seit Mitte 2023 entspricht. Immer mehr Menschen wollen Teil der…

„Unser Ziel ist der 15-Minuten-Standort!“

Interview mit Bernd Lohse, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Neue Zeche Westerholt mbH

„Unser Ziel ist der 15-Minuten-Standort!“

Wo an der Stadtgrenze von Herten und Gelsenkirchen einst in der Zeche Westerholt enorme Steinkohlevorräte abgebaut wurden, steht heute eine Industriebrache – noch. Denn auf dem 39 Hektar großen Areal…

TOP