Recycling mit Rückgrat

Interview mit Jana Walker, CEO der Resilux Schweiz AG

Wirtschaftsforum: Frau Walker, Resilux Schweiz gilt als Unternehmen, das Kunststoffverpackungen nicht nur produziert, sondern den gesamten Kreislauf mitdenkt. Was ist heute der Kern Ihres Geschäfts?

Jana Walker: Unser Kerngeschäft ist der Closed Loop für den Schweizer Markt. Wir produzieren Preforms und Flaschen, entscheidend ist jedoch die Einbindung in den gesamten Recyclingkreislauf. In der Schweiz funktioniert dieses System seit vielen Jahren stabil und bietet uns eine hohe Planungssicherheit für weitere Investitionen. Ein Teil unseres Geschäfts ist exportorientiert und damit stärker von europäischen Marktentwicklungen abhängig. Der überwiegende Teil basiert jedoch auf dem Schweizer Kreislaufsystem – und genau das ist ein großer Vorteil.

Wirtschaftsforum: Was macht das Schweizer System aus Ihrer Sicht so besonders?

Jana Walker: Die Schweiz hat früh erkannt, dass sich die lineare Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft entwickeln muss. Dafür braucht es verbindliche Vereinbarungen zwischen Sammelorganisationen, Vorsortierern, Recyclern, Abnehmern und Behörden. Rechte und Pflichten gehören dabei untrennbar zusammen. Wir erhalten eine definierte Menge an Post-Consumer-Flaschen und verpflichten uns gleichzeitig, das Material in höchster Qualität wieder in den Kreislauf zurückzuführen. So kann das Material einer Flasche immer wieder zu uns und unseren Kunden zurückkehren. Genau dieses gemeinsame Verständnis ist der Schlüssel.

Wirtschaftsforum: In Europa ist die Lage deutlich volatiler. Welche Auswirkungen hat das auf Resilux Schweiz?

Jana Walker: In Europa erleben wir stärkere Marktschwankungen, weil regulatorische Vorgaben nicht überall konsequent umgesetzt werden und günstiges Material aus anderen Märkten zusätzlichen Druck erzeugt. Das bringt viele Recyclingunternehmen in eine schwierige Lage. Auch wir spüren diese Entwicklungen in unserem Exportgeschäft. Hinzu kommt regulatorische Unsicherheit, wenn neue Vorgaben beschlossen werden, deren Umsetzung zeitlich nicht eindeutig definiert ist. Umso wichtiger ist für uns die Stabilität unseres Schweizer Kerngeschäfts.

Wirtschaftsforum: Welche wichtigen Entwicklungen gab es zuletzt im Kreislauf?

Jana Walker: Ein bedeutender Meilenstein war der geschlossene Kreislauf für PET-Milchflaschen. Diese werden inzwischen schweizweit gesammelt und enthalten wieder einen Rezyklatanteil. Dafür mussten alle Beteiligten investieren – von den Milchabfüllern über die Sammelorganisation und die Vorsortierer bis hin zu uns. Wir haben unsere Sortieranlage erweitert, ein zusätzliches KI-Modul integriert und den Waschprozess optimiert. Nach erfolgreichen Tests befindet sich das System inzwischen im Serienbetrieb.

Wirtschaftsforum: Was zeigt dieses Beispiel über funktionierende Kreislaufwirtschaft?

Jana Walker: EEs zeigt, dass Kreislaufwirtschaft nur gemeinsam funktioniert. Alle Beteiligten müssen Verantwortung übernehmen und bereit sein, in ihre Prozesse zu investieren. Bei den Milchflaschen bedeutete das unter anderem den Wechsel von HDPE- auf PET-Flaschen. Sammelsysteme wurden erweitert, Zulassungen geprüft, Sortieranlagen angepasst und Prozesse weiterentwickelt. Erst wenn alle Glieder der Wertschöpfungskette ineinandergreifen, entsteht ein echter Kreislauf.

Wirtschaftsforum: Gibt es bereits den nächsten Schritt?

Jana Walker: Ja. Mit RecyPac wird derzeit in der Schweiz ein nationales Sammelsystem für Kunststoffverpackungen, Getränkekartons und weitere Verpackungen aufgebaut. Aus dieser Sammlung erhalten wir künftig die PET-Fraktion. Derzeit testen wir, wie sich dieses Material optimal aufbereiten und in unsere bestehende Wertschöpfung integrieren lässt. Unser Ziel ist es, auch hier einen ebenso funktionierenden Kreislauf zu etablieren.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Technologie dabei?

Jana Walker: Eine sehr große. Künstliche Intelligenz setzen wir nicht nur in der Sortierung ein, sondern zunehmend auch in anderen Unternehmensbereichen. Wir arbeiten an der Smart Factory und nutzen KI beispielsweise für Analysen oder Management-Reports. Aufgaben, die früher mehrere Stunden in Anspruch genommen haben, lassen sich heute innerhalb weniger Sekunden vorbereiten. Dadurch bleibt mehr Zeit für die eigentliche Analyse. Außerdem stehen wir kurz vor dem Roll-out mobiler Roboter.

Wirtschaftsforum: Wie entwickelt sich das Unternehmen insgesamt?

Jana Walker: Heute beschäftigen wir rund 170 Mitarbeitende und verfügen weiterhin über eine Kapazität von etwa 30.000 t pro Jahr. Investiert haben wir zuletzt vor allem in die Vorstufen des Recyclings – vom Sortieren über das Mahlen bis hin zum Waschen der Flakes. Gleichzeitig investieren wir weiter in Nachhaltigkeit am Standort, unter anderem in Photovoltaik, um künftig einen Teil unseres Strombedarfs selbst zu decken.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihnen in der Unternehmenskultur besonders wichtig?

Jana Walker: Wir leben eine coaching-orientierte Führung. Denn in der Kreislaufwirtschaft gibt es selten Standardlösungen. Neue Herausforderungen gehören zum Alltag und können nur mit einem hoch motivierten, zusammengeschweißten Team bewältigt werden, das flexibel denkt und gemeinsam handelt.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihr Blick nach vorn?

Jana Walker: Wir wollen weitere Kreisläufe schließen und unsere Prozesse technologisch kontinuierlich weiterentwickeln. Für die ressourcenarme Schweiz ist Recycling ein strategischer Erfolgsfaktor: Es sichert wertvolle Materialien im Inland, reduziert die Abhängigkeit von Importen und macht unser Land widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen von Pandemien, Kriegen und anderen globalen Versorgungsrisiken.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Verlässlich durch jede Wetterlage

Interview mit Dirk Tombült, Geschäftsführer der Fedder und Zünkler Service GmbH & Co. KG

Verlässlich durch jede Wetterlage

Ob Schnee, Eis, Hitze oder Starkregen: Außenflächen von Immobilien müssen ganzjährig sicher, gepflegt und nutzbar bleiben. Für bundesweit aufgestellte Unternehmen ist das eine komplexe Aufgabe. Fedder und Zünkler koordiniert Winterdienst,…

Nähe schafft Sicherheit

Interview mit Jörg Goldstein, Geschäftsführer der SVG Qualität- und Transport- Beratungs-GmbH

Nähe schafft Sicherheit

Die Transport- und Logistikbranche steht unter hohem wirtschaftlichem Druck. Gleichzeitig wachsen die regulatorischen Anforderungen in Bereichen wie Arbeitssicherheit, Gefahrgut oder Gesundheitsschutz kontinuierlich. Die SVG Qualität- und Transport- Beratungs-GmbH unterstützt Unternehmen…

Die Besten für den Nordwesten

Interview mit Ricardo Corominas, Geschäftsführer der PRIMUS Personaldienstleistungen GmbH

Die Besten für den Nordwesten

Unter dem Motto „Just Works“ will die Primus Personaldienstleistungen GmbH aus Oldenburg mit einem engen Niederlassungsnetz im Nordwesten Deutschlands als starker Karrierepartner für ihre Mitarbeiter auftreten, die sie wiederum bei…

Spannendes aus der Region Bilten

Der wahre One-Stop-Shop für OEMs

Interview mit Marco Lang, CEO der STEINEL Solutions AG

Der wahre One-Stop-Shop für OEMs

Auftragsfertigungs- und Entwicklungsdienstleistungen für Unternehmen sind ein hart umkämpfter Markt. Wer hier erfolgreich sein will, muss für seine Kunden die Extra-Meile gehen und das viel zitierte ‘Alles aus einer Hand’…

Backkunst made in Switzerland

Interview mit Sandra Buess, Leiterin Verkauf, Marketing & Entwicklung der Kern & Sammet AG

Backkunst made in Switzerland

Bequem, gleichzeitig aber genussvoll und frisch soll das moderne Essen sein. Die Kern & Sammet AG aus der Schweiz, ein Traditionsbäcker mit bald 50 Jahren Erfahrung im Markt, stellt sich…

„Wir sind hier in unserer Region sehr geerdet!“

Interview mit Marco Lang, CEO der STEINEL Solutions AG

„Wir sind hier in unserer Region sehr geerdet!“

Vom reinen Auftragsfertiger zum Anbieter kompletter Systemlösungen: Das ist die Geschichte der schweizerischen STEINEL Solutions AG. Das zur STEINEL-Gruppe gehörende Unternehmen mit Sitz in Einsiedeln, Schweiz, bietet seinen Kunden –…

Das könnte Sie auch interessieren

Aus Müll wird Mehrwert

Interview mit Dr. Christoph Franzke, Geschäftsführer der ALBA Berlin GmbH

Aus Müll wird Mehrwert

Wer heute nicht trennt, wird morgen abgehängt. Recycling ist entscheidend für eine gelingende Kreislaufwirtschaft – denn hier entsteht der Rohstoff der Zukunft. ALBA, 1968 in Berlin gegründet, zählt heute zu…

„Durch uns müssen viele Löcher in der Erde gar nicht erst gegraben werden!“

Interview mit Emiel van Loon, Geschäftsführer der Overdie Deutschland GmbH

„Durch uns müssen viele Löcher in der Erde gar nicht erst gegraben werden!“

Für Overdie ist Kreislaufwirtschaft kein Modewort, sondern seit Jahrzehnten gelebter Alltag: Das Unternehmen sorgt dafür, dass der Schlacke aus der Müllverbrennung Metalle entzogen und diese anschließend sauber voneinander getrennt werden.…

Innovationen entlang des Rohstoffkreislaufs

Interview mit Philipp Heim, Geschäftsführer der HEIM-Gruppe

Innovationen entlang des Rohstoffkreislaufs

Nachhaltigkeit, Recycling und regionale Rohstoffversorgung gewinnen in der Baustoffbranche zunehmend an Bedeutung. Die HEIM-Gruppe verbindet klassische Baustoffgewinnung mit erneuerbaren Energien und modernen Recyclingkonzepten. Geschäftsführer Philipp Heim spricht über die Entwicklung…

TOP