Verbindungen mit Weitblick
Interview mit Markus Menzi, Geschäftsführer der Bartholet Ropeways AG

Wirtschaftsforum: Herr Menzi, Bartholet ist ein Schweizer KMU mit einer über 60-jährigen Erfahrung im Bereich Seilbahnsysteme, das nicht nur in heimischen Skigebieten, sondern in Großstädten auf der ganzen Welt anspruchsvolle Projekte realisiert. Wie kam es dazu?
Markus Menzi: Die Unternehmensgeschichte begann vor mehr als 60 Jahren, als Anton Bartholet sich als Landmaschinenmechaniker selbstständig machte und Lohnfertigungen für Dritte übernahm. Neben Landmaschinen beschäftigte er sich in seiner Werkstatt auch mit Seilbahnen. Sein Sohn Roland Bartholet führte das Unternehmen in 2. Generation weiter. Ein wichtiger Meilenstein war der Einstieg in den kuppelbaren Bereich im Jahr 2007. In Val d‘Isère baute Bartholet die
erste kuppelbare Sesselbahn. Ab 2012 richtete das Unternehmen den Fokus verstärkt auf das Design und begann eine intensive Zusammenarbeit mit Porsche. Im selben Jahr wurde die erste 6er-Sesselbahn im Design by Studio F. A. Porsche in Laax erstellt. Drei Jahre später entwickelte man mit dem Designstudio eine erste 8er-Gondelbahn, die für Aufsehen sorgte, 2019 folgte die erste 10er-Gondelbahn in Narvik. In den 2020er-Jahren gewann der urbane Raum deutlich an Bedeutung und entwickelte sich neben dem alpinen Geschäft zu einem wichtigen Schwerpunkt.
Wirtschaftsforum: Bartholet steht für höchste Schweizer Qualität und ist tief in der Schweiz verwurzelt. Wie ist die heutige Aufstellung?
Markus Menzi: Seit 2023 sind wir Teil der HTI Gruppe, zu der auch die Firmen Leitner und Poma gehören, agieren aber weiterhin selbstständig am Markt und fühlen uns damit sehr gut aufgestellt.
Wirtschaftsforum: Seilbahnen erschließen längst nicht mehr nur Skigebiete, sondern können den öffentlichen Verkehr ergänzen. Weltweit werden sie in verschiedenen Metropolen erfolgreich als zuverlässiges, stauunabhängiges Verkehrsmittel eingesetzt; dort sieht man längst ihren Mehrwert. Bartholet realisiert in Varanasi momentan die erste urbane Seilbahn Indiens. Was ist das Besondere an diesem Projekt?
Markus Menzi: In Varanasi entsteht eine Seilbahn, die sich in vier Teilstrecken über 3.730 m zieht; es wird 148 10er-Kabinen in Höhen zwischen 7 und 46 m geben. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem Infrastrukturen im urbanen Raum in ein laufendes Geschäft integriert werden müssen. Wir arbeiten, während der Verkehr weiter fließt. Dabei haben wir es mit vielen logistischen Herausforderungen zu tun und benötigen fundiertes Spezialistenwissen, um eine robuste, verlässliche Installation zu schaffen, die den Verkehr entlastet. Trotz aller Herausforderungen gibt es im urbanen Raum auch Vorteile; anders als im alpinen Raum ist normalerweise alles zugänglich. In den Bergen sind bestimmte Orte oft nur mit einem Helikopter zugänglich. Wetterextreme können Arbeiten erschweren und die zeitliche Realisierung stark begrenzen. Für uns bedeutet das, wir müssen viel vormontieren und Montagegruppen klug zusammenführen, um auf der Baustelle schnell zu sein.
Wirtschaftsforum: Seit wann sind Sie im Unternehmen tätig und wie erleben sie aktuelle Marktherausforderungen?
Markus Menzi: Ich bin seit April 2013 fest angestellter Mitarbeiter bei Bartholet, war vorher allerdings schon vier Jahre als Ingenieur frei für das Unternehmen tätig. 2024 habe ich gemeinsam mit Mathias Meier die Leitung übernommen. In den vielen Jahren hat sich immer wieder gezeigt, wie wichtig eine breite Unternehmensaufstellung ist. In der Pandemie wurden viele Projekte gestoppt, heute gibt es viele geopolitische Unsicherheiten. Um Abhängigkeiten von lokalen Herausforderungen zu vermeiden, müssen wir weltweit agieren und ein
hohes Maß an Flexibilität und Robustheit sicherstellen. Wir müssen Märkte und Produkte diversifizieren, uns zum Beispiel stärker auf Spezialbahnen fokussieren, und dabei unserer Linie als Seilbahnhersteller treu bleiben. Unser Markt ist azyklisch, deshalb spüren wir momentan noch keine negativen Effekte der aktuellen Weltlage. Der regionale Markt scheint robust zu sein, wir haben verschiedene Projekte in der Pipeline. In fremden Regionen scheint das jedoch schwieriger zu sein.
Wirtschaftsforum: Bartholet hat 350 Mitarbeitende, einen Marktanteil von circa 10% und rangiert unter den Top 4 der Branche. Wie sieht der Blick in die Zukunft aus?
Markus Menzi: Wir sind zwar weltweit tätig, die Schweiz ist jedoch weiterhin unser Hauptmarkt. Trotz des Klimawandels wird weiterhin in den Skitourismus investiert. Aufgrund verschiedener Regulatorien werden jedoch weniger neue Anlagen realisiert, sondern verstärkt existierende ersetzt. Im alpinen Raum sehen wir deshalb vor allem im Ersatzgeschäft Potenzial. Was urbane Anlagen betrifft, blicken wir weniger nach Zentraleuropa als vielmehr nach Asien oder Südamerika, wo viele Großstädte auf dieses Betriebsmittel setzen. Auch in Indien fließen immer mehr Investitionen in diese Richtung. In China besteht ein großer Bedarf, Sehenswürdigkeiten mithilfe von Seilbahnen zu
erschließen. Damit können wir einen in Zukunft stagnierenden Markt im Alpenraum zum Teil kompensieren. Das Gütesiegel „Quality made in Switzerland“ wird dabei von Vorteil sein. Aber es geht immer auch um den Faktor Mensch. Wir sind im Projektgeschäft tätig; hier geht es nicht um ein oder zwei Jahre, sondern um Beziehungen, die über einen Zeitraum von 30 Jahren sichergestellt werden müssen. Neben all den technischen Herausforderungen entscheiden nicht selten persönliche Beziehungen über den Erfolg eines Projekts.














