„Wir hatten zur richtigen Zeit die richtige Idee!“
Interview mit Joachim Adam, Vorstandssprecher der Pentadoc AG

Wirtschaftsforum: Herr Adam, Pentadoc steht seit beinahe 30 Jahren für eine herstellerunabhängige und nachhaltige Unternehmensberatung, zuvorderst in ganz spezifischen Marktnischen.
Joachim Adam: Ursprünglich ist unser Unternehmen 1998 aus einem Großprojekt für die Deutsche Post entstanden, in dessen Rahmen die Gründer von Pentadoc die Automatisierung sämtlicher Prozesse rund um das Thema Fracht verantworteten. Unter dem damals üblichen Schlagwort Dokumentenmanagement ging es dabei nicht nur um die Digitalisierung von Lieferscheinen und Rechnungen, sondern auch um den Aufbau von einem der größten optischen Archive Europas, in dessen Zuge auch die dazu passende SAP-Standardschnittstelle entstand. Schon damals wollten wir für unsere Kunden als herstellerunabhängige Architekten auftreten, deren oberstes Ziel stets in der Konzipierung und Umsetzung der besten Lösung für den jeweiligen Anwendungsfall bestand. Dieser Haltung sind wir bis heute treu geblieben. Durch eine glückliche Fügung, beziehungsweise eine bedeutende Gesetzesnovelle, wurde unser Know-how ab dem Jahr 2003 auch stark von Betriebskrankenkassen nachgefragt, die sich nun bundesweit öffnen durften und somit ihren Mitgliederbestand dank unfassbar attraktiven Beitragssätzen bisweilen innerhalb eines halben Jahres verzehnfachen konnten. Dazu mussten natürlich neue Strukturen geschaffen werden, digital, aber auch organisatorisch. Wir hatten dazu die richtigen Ideen zur richtigen Zeit.
Wirtschaftsforum: Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Pentadoc bereits einen enormen Vertrauensvorschuss in der Branche erarbeitet.
Joachim Adam: So konnten wir nun auch unser Kompetenzspektrum auf die Prozess- und Organisationsberatung erweitern. Durch das starke Wachstum einzelner gesetzlicher Krankenkassen standen auch bald größere Fusionen im Raum, die wir zunächst moderieren und später in ihrer Umsetzung begleiten durften, unter anderem den Zusammenschluss der Barmer Ersatzkasse und der GEK. Das war vielleicht mein Meisterstück.
Wirtschaftsforum: Worauf führen Sie diese erfolgreiche Strategie zurück?
Joachim Adam: Ehrlich gesagt stand davon nie etwas in einem Strategiepapier. Ich glaube, es ist uns durchwegs gelungen, unsere tiefgreifenden technologischen und digitalen Kompetenzen, gekoppelt mit einem starken Know-how in der Aufbauorganisation, auszuspielen und dabei konsequent die Menschen mitzunehmen. Von vielen der größeren Marktteilnehmer unterscheidet uns, dass wir eben nicht mit einem fertigen Blueprint vorstellig werden, sondern bei unserer Konzeptionierung nachdrücklich den konkreten Reifegrad unseres Kunden berücksichtigen, der dann auch unsere Befähigungskonzepte prägt. So verlieren wir auch bei komplexen Change-Prozessen niemals den Menschen aus dem Auge und das ist das Entscheidende.
Wirtschaftsforum: Wie tiefgreifend werden derweil die Veränderungen sein, die durch die KI bei Ihren Kunden Einzug halten?
Joachim Adam: Wir durchleben gerade auf mehreren Ebenen einen einschneidenden Paradigmenwechsel, beginnend mit vielfältigen organisatorischen Veränderungen. Denn ein Human in the Loop braucht eine ganz andere Befähigung und muss seine Aufgaben mit einer ganz anderen Haltung erfüllen als ein Sozialversicherungsfachangestellter in seiner bisherigen Tätigkeit, einfach weil die Fachlichkeit durch die weitreichenden Fähigkeiten der KI immer stärker in den Hintergrund rückt.
Wirtschaftsforum: Ein Wandel, der nicht selten Ängste bei den betroffenen Mitarbeitern auslöst. Was lässt sich dagegen tun?
Joachim Adam: Kleine Zwischenziele in einzelnen Abteilungen können wichtige Erfolge deutlich machen, die dann schrittweise eine positive Dynamik im Unternehmen entfachen. Eine Schmiede in eine Autowerkstatt zu transformieren, ist zunächst eine Mammutaufgabe, aber in verdaubaren Häppchen doch erreichbar. Das beste Ergebnis entsteht, wenn sich Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen in der Kantine unterhalten, einer von ihnen dabei freudig von einem Digitalisierungs- oder Change-Projekt berichtet, das ihm in seinem Ressort gerade die Arbeit erleichtert, woraufhin seine Kollegen Lust statt Skepsis auf den Wandel entwickeln, der auch sie betreffen wird. Eine ehrliche Strategie kann so aus Mitarbeitern Beteiligte machen.
Wirtschaftsforum: Pentadoc bekennt sich ebenfalls zu diesem Wandel, unter anderem mit zwei neuen Tochtergesellschaften.
Joachim Adam: Auch wir müssen unser Geschäftsmodell komplett neu definieren, um unseren Mehrwert beim Kunden zu schärfen. Damit einhergehend entwickeln wir derzeit auch neue Preismodelle, die sich stärker am Outcome als an der abrechenbaren Zeit orientieren werden. Gleichzeitig verändern wir unsere eigenen Recruiting-Prozesse, weil sich auch unser eigenes Kompetenzspektrum verschiebt. Bei Pentabalance beschäftigen wir zum größten Teil Psychologen und Organisationsberater, die unsere Prozess- und Technologieexperten mit ihrem Know-how perfekt ergänzen. Mit 5Plus wollen wir derweil unsere Kunden, aufbauend auf unserer fünfgliedrigen Strategie, bei der Umsetzung ihrer KI-Lösungen unterstützen.









