„In der Umwelttechnologie ist Deutschland Weltmarktführer!“

Interview mit Dipl.-Ing. (FH) Tobias Lanner, Geschäftsführer der LANNER Anlagenbau GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Lanner, vor knapp zwei Jahren hat Ihr Unternehmen einen neuen Produktionsstandort in China eröffnet. Wie hat sich dieses Vorhaben seitdem entwickelt? 

Tobias Lanner: Wir sind schon lange über Vertriebspartner und ein eigenes Technikum in China präsent. Bereits vor der Coronapandemie wollten wir uns dort auch mit einem Joint Venture engagieren, doch wegen der weltweiten Verwerfungen musste dieser Plan dann erst einmal auf Eis gelegt werden, bevor wir einige Zeit später die richtige Immobilie gefunden und das Schlüsselpersonal angestellt haben. Im März 2025 durften wir dann schließlich unsere Produktionsstätte in ­Haimen/Nantong eröffnen – zuerst als Montagewerk, das sehr schnell einen reibungslosen Betrieb aufnehmen konnte. Kurze Zeit später haben wir dann auch unsere Steuerungen dort gebaut und eine mechanische Fertigung eingerichtet. Inzwischen produzieren wir dort

unsere Brikettierpressen komplett und auch bereits neue Baugrößen und Varianten, die wir in Deutschland noch gar nicht hergestellt haben. In den nächsten Monaten und Jahren wollen wir unsere Lieferketten in China noch weiter ausbauen und unsere Wertschöpfung vor Ort sukzessive vertiefen. Bereits 2027 werden wir dazu neue Geschäftsräume beziehen. 

Wirtschaftsforum: Worin lag die größte Herausforderung auf Ihrem Weg nach China? 

Tobias Lanner: In der richtigen Personalie an der Spitze. Wir hatten großes Glück, einen engagierten Menschen aus China zu finden, der unsere Produkte bereits aus seiner vorherigen Tätigkeit bei einem deutschen Automobilunternehmen kannte. Denn im gelebten Geschäftsalltag kommt es nicht nur auf das richtige fachliche Know-how, sondern auch auf umfassende interkulturelle Kompetenzen und Erfahrungen an: Man muss sowohl das deutsche Mindset als auch die lokalen Anforderungen und Gegebenheiten kennen. Denn in China herrscht ein anderer Takt, mit viel schnelleren Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten und einer behördlichen Unterstützung, die für uns bisweilen überraschend war. 

Wirtschaftsforum: Wo kann man einfacher fertigen – in Deutschland oder in China? 

Tobias Lanner: Beides hat seinen Reiz: In Deutschland kann man sich meist auf die Ausbildung von Facharbeitern verlassen, während in China oftmals angelernte Mitarbeiter aus anderen Betrieben zu uns kommen, die erst mit unserer genauen Sichtweise vertraut gemacht werden müssen. Sie durchlaufen aber zumeist eine sehr steile Lernkurve. 

Wirtschaftsforum: Hatten Sie bei Ihrem Schritt nach China keine Bedenken, dass Ihre Maschinen dort einfach nachgebaut werden würden? 

Tobias Lanner: Nein, denn unsere Produkte existierten bereits auf dem chinesischen Markt. Wir füllen dort also keine Lücke, die zuvor noch niemand bedient hatte, sondern bespielen den Markt mit dem Versprechen: Made in China, engineered in Germany. Unser oberstes Gebot muss daher lauten, unsere hohe Qualität beständig aufrechtzuerhalten, damit wir dauerhaft den Mehrpreis gegenüber den Anlagen eines rein chinesischen Herstellers rechtfertigen können. Neben weiterem Wachstumspotenzial in China wollen wir uns dabei auch verstärkt in angrenzenden Märkten wie Vietnam und Indien engagieren, wo wir über die Exportaktivitäten unserer Kunden natürlich bereits präsent sind. Gerade in Indien erreichen die Produktionskapazitäten derzeit eine kritische Schwelle, ab der auch unsere Aufbereitungslösungen sinnvoll eingesetzt werden können. Als mittelständisches Unternehmen müssen und wollen wir unsere nächsten Schritte aber sehr genau überlegen, um unser Engagement im indischen Markt bedacht, aber nachdrücklich auszubauen. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie derweil auf den Standort Deutschland? 

Tobias Lanner: Wir sind in Deutschland sicherlich Weltmarktführer in diesem Bereich Umwelttechnologie – das ist ein Riesenvorteil. Mit InvestRE hält zumindest das Land Baden-Württemberg auch spannende Förderprogramme bereit, die Unternehmen bei Investitionen in ihre Prozessoptimierung unterstützen, um kritische Rohstoffe zu erhalten oder entsprechende Substituierungen anzustoßen. Daraus ergibt sich nicht nur eine Erleichterung für entsprechende Investitionsentscheidungen, sondern auch eine Stärkung unseres Standorts. Denn der mangelnde Investitionswille, der sich aus fehlendem Vertrauen in die Zukunft speist, ist wahrscheinlich gerade die größte Herausforderung, vor der wir hierzulande stehen – zusammen mit dem allgegenwärtigen Personalmangel. Dabei muss es uns gelingen, wieder mehr Menschen für Industrieberufe zu begeistern: Denn gerade vor dem Hintergrund des Siegeszugs der künstlichen Intelligenz liegen im Sondermaschinenbau nicht nur attraktive Tätigkeitsfelder, sondern auch perspektivisch sichere Arbeitsplätze. Ein Unternehmen wie LANNER Anlagenbau kann zudem durch seine tiefe Wertschöpfung und sein breites Produkt- und Anwendungsspek­trum überzeugen – und durch sein internationales Engagement spannende Perspektiven eröffnen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Verlässlich durch jede Wetterlage

Interview mit Dirk Tombült, Geschäftsführer der Fedder und Zünkler Service GmbH & Co. KG

Verlässlich durch jede Wetterlage

Ob Schnee, Eis, Hitze oder Starkregen: Außenflächen von Immobilien müssen ganzjährig sicher, gepflegt und nutzbar bleiben. Für bundesweit aufgestellte Unternehmen ist das eine komplexe Aufgabe. Fedder und Zünkler koordiniert Winterdienst,…

„Wir entwickeln die IT-Fachkräfte von morgen.“

Interview mit Jovan Ilic, Geschäftsführer der goldsteps Consulting GmbH & Co. KG

„Wir entwickeln die IT-Fachkräfte von morgen.“

Trotz Rezession sind in Deutschland derzeit über 100.000 IT-Stellen unbesetzt. Genau hier setzt goldsteps an: „Wir schaffen IT-Karrieren – und unterstützen Unternehmen damit, die IT-Fachkräfte von morgen zu gewinnen.“ Durch…

Nachhaltigkeit mit Tradition

Interview mit Daniela Schlotz, Geschäftsführende Gesellschafterin der HAKAWERK W. Schlotz GmbH

Nachhaltigkeit mit Tradition

Die Anforderungen an Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegeprodukte steigen: Sie sollen zuverlässig wirken, ergiebig und hautverträglich sein und zugleich Umwelt und Ressourcen schonen. Die HAKAWERK W. Schlotz GmbH verfolgt diesen Ansatz…

Spannendes aus der Region Ortenaukreis

Der innovative Logistikdienstleister für die Baumarktversorgung der Schweizer LANDI Läden

Interview mit Daniel Thomann, Geschäftsführer der LahrLogistics GmbH

Der innovative Logistikdienstleister für die Baumarktversorgung der Schweizer LANDI Läden

Zunehmende Warenströme, wachsende Anforderungen an Lieferketten und der Ruf nach mehr Effizienz verändern die Logistikbranche rasant. Die LahrLogistics GmbH hat diesen Wandel früh erkannt und sich in nur zehn Jahren…

3.500 m2 Sport-Expertise

Interview mit Laureen Kuhn, Jörg Huber (l.) und Timo Huber (r.), Geschäftsführer der Georg Kuhn GmbH

3.500 m2 Sport-Expertise

In den Fluren wird über Sport geredet, auf dem Dach wird Strom produziert, und manche Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten dabei. Sport Kuhn in Offenburg ist ein Familienbetrieb im besten Sinne…

Wenn Engineering auf Zukunftstechnologien trifft

Interview mit Joachim Himmelsbach, Geschäftsführer der Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH

Wenn Engineering auf Zukunftstechnologien trifft

Die industrielle Fertigung steht weltweit vor tiefgreifenden Veränderungen. Neue Technologien, geopolitische Verschiebungen und steigende Anforderungen an Effizienz und Präzision verlangen Unternehmen ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit ab. Die Erwin Junker…

Das könnte Sie auch interessieren

„Unsere Anlagen laufen rund um die Uhr!“

Interview mit Martin Müller, CEO bis 2025 der Polymetrix AG

„Unsere Anlagen laufen rund um die Uhr!“

Martin Müller kennt Polymetrix wie kaum ein anderer: Seit fast fünf Jahrzehnten begleitet er die Entwicklung des Unternehmens aus dem schweizerischen Oberbüren, das weltweit Maßstäbe in Kunststoffverarbeitung und Recycling setzt.…

Mit Anlagen-Know-how gegen den Fachkräftemangel

Interview mit Thorsten Bung, Geschäftsführer der Kuhne GmbH

Mit Anlagen-Know-how gegen den Fachkräftemangel

Mit über 90 Jahren Erfahrung im Markt ist die Kuhne Group zu einem der führenden europäischen Anlagenbauer für die Folien- und Plattenherstellung avanciert. Geschäftsführer Thorsten Bung verriet im Interview mit…

Vom Automotive-Ingenieurdienstleister zum General Industry-Anbieter

Interview mit Michael Böhler, Gründer und Geschäftsführer von sbp

Vom Automotive-Ingenieurdienstleister zum General Industry-Anbieter

Aus S&B Automotive wird nun das Unternehmen sbp, womit es seine Ambitionen für die Zukunft nachdrücklich unterstreicht: Denn der etablierte Ingenieurdienstleister aus der Automobilindustrie will seine gewachsene Lösungskompetenz in der…

TOP