SAP-Spezialist mit dem richtigen Mindset

Interview mit Fin Geldmacher, Lars Gregor, Lothar Grüber, Geschäftsführer der prismat GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Geldmacher, prismat ist eine Ausgründung des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik und hat sich insbesondere in den letzten 15 Jahren in seinem Bereich von einem Geheimtipp-Unternehmen zu einer etablierten Größe auf dem deutschen Markt entwickelt. Wie kam es dazu?

Fin Geldmacher: Die Ausgründung erfolgte 1991 und seit 2008 sind mein Kollege Lars Gregor und ich in der Geschäftsführung. Obwohl Deutschland sich damals in einer Wirtschaftskrise befand und das Unternehmen noch nicht gefestigt war, sind wir das Risiko des Neustarts eingegangen. Wir mussten einerseits jeden Stein umdrehen, um Kosten einzusparen, gleichzeitig investieren. Einen Boost erfuhren wir durch ein erfolgreiches Projekt bei Ferrero, wo wir als einer der Ersten weltweit die Lagerlogistik mit einer neuen SAP-Software neu aufgestellt haben. Für Ferrero war das IT-Projekt das erfolgreichste aller Zeiten und für uns der Beginn einer neuen Reise.

Wirtschaftsforum: In den Folgejahren wurden neue Standorte aufgebaut, erfolgreiche Projekte zum Abschluss gebracht, neue Abteilungen aufgebaut, um das Geschäft zu professionalisieren.

Lars Gregor: Wir haben vor allem viele innovative Projekte gemacht, an die sich andere nicht herangetraut haben, was anfangs ein hoher Invest war. Dieser Pioniergeist liegt in unserer DNA. Wir haben viele schwierige Projekte durchgeführt, Pilotprojekte, wo wir die weltweit Ersten waren und uns einen Namen gemacht haben.

Wirtschaftsforum: Heute hat prismat über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, fünf Standorte in Deutschland, eine Tochtergesellschaft in Rumänien und einen Umsatz von 25,5 Millionen EUR. Wird dieses Wachstum andauern?

Fin Geldmacher: In den vergangenen fünf Jahren haben wir einen Schub bekommen, vorher haben wir stetig reinvestiert. Wir wollen weiterwachsen, aber nicht um jeden Preis. Viel wichtiger ist uns, unsere Werte und die hohe Qualität in den Projekten zu erhalten.

Lars Gregor: Genau deshalb setzen wir auch verstärkt auf Nachwuchsförderung. Mit dem Qualifizierungsprogramm ‘prismat/LIFTOFF’ wenden wir uns an Absolventinnen und Quereinsteiger, die nach einer intensiven Ausbildung zertifiziert werden. In diesem Jahr haben wir 16 neue Kolleginnen ausgebildet, die Zertifizierungen laufen momentan.

Lothar Grüber: Die richtige Haltung – ein gewisses Qualitätsbewusstsein, Aufgeschlossenheit, Neugier und der Zuspruch zu unseren Unternehmenswerten – ist sicherlich etwas Intrinsisches. Das muss irgendwo in den Kandidatinnen drinstecken. Das Fachwissen aber können wir sehr wohl vermitteln. Was die Entwicklung betrifft, steht für uns das organische Wachstum im Vordergrund. Qualität und Know-how sind wichtig, das gilt für Mitarbeiter wie für langjährige Kundenbeziehungen.

Fin Geldmacher: Unser Business ist komplex; wir arbeiten in der operativen Logistik, ein sehr sensibler Bereich, in dem wir keine Kompromisse eingehen können und gute Mitarbeitende essenziell sind. Dank unserer eigenen Projektmethodik können wir auf Leute mit entsprechendem Know-how für komplexe, langjährige Projekte bauen. Bei unseren Kunden handelt es sich zum Teil um Weltkonzerne, für die es wichtig ist, dass sie von Tag eins an ihre Kunden ausliefern können.

Lars Gregor: Für uns ist Nachwuchsförderung die Antwort auf den Fachkräftemangel. Wir wollen Mitarbeitende mit unserer eigenen Methodik so fit machen, dass sie Projekte erfolgreich begleiten können. Ich selbst habe hier als Werkstudent begonnen; dasselbe gilt für viele der ersten Mitarbeiter.

Fin Geldmacher: Wir sind ein bisschen so etwas wie Borussia Dortmund der SAP-Logistik-Branche – mit dem Unterschied, dass wir die guten Spieler nicht verlieren.

Wirtschaftsforum: Was ist das Besondere an der Firmenkultur?

Fin Geldmacher: Es gibt hier einen prismat-Spirit, den man einfach erleben muss. Die Geschäftsführer sitzen nicht im Elfenbeinturm, sondern agieren auf Augenhöhe. Wir drei sind zwar die Hauptverantwortlichen, aber unser Führungsteam besteht aus mehr als 30 Leuten; es gibt ein intensives Miteinander, einen besonderen Zusammenhalt, wir leben die Open-Door-Policy und haben sehr gute Erfahrungen mit dem System ‘Hire your Friends’ gemacht. Ein bestimmtes Mindset, Engagement und Teamfähigkeit sind noch wichtiger als fachliche Skills.

Lothar Grüber: Wertschätzung drückt sich zum Beispiel darin aus, dass Prävention hinsichtlich Stress- und Konfliktmanagement eine große Rolle spielt; wir wollen optimale Unterstützung bieten und vorsorgen. Die Botschaft lautet: Achte auf Dich!

Wirtschaftsforum: Gibt es für Sie einen Schlüssel zum Erfolg?

Fin Geldmacher: Es ist wichtig, erfolgreiche Projekte durchzuführen und Referenzen vorzuweisen. Wir wachsen letztlich mit den Kunden auf Augenhöhe.

Lars Gregor: Man nimmt uns als absoluten Spezialisten wahr. Wir sind mit der Intralogistik gestartet, heute aber ganzheitlich unterwegs und setzen uns mit vielen neuen Technologien wie Cloud und KI auseinander, um Prozesse und Systeme der Kunden zu revolutionieren.

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