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Politik und Schulsystem sind zögerlich bei der Digitalisierung

Interview mit Verena Pausder, Gründerin und Unternehmerin

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Wirtschaftsforum: Frau Pausder, als ich Ihre Website erstmals besuchte, entstand folgendes Bild in meinem Kopf: Workaholic 30+ mit ausgeprägter Techaffinität und Gründungsmentalität. Inwiefern trifft der erste Eindruck tatsächlich zu?

Verena Pausder: Techaffinität und Gründungsmentalität treffen auf jeden Fall zu, als Workaholic würde ich mich nicht bezeichnen. Ich arbeite sehr gerne, weil ich viel Leidenschaft für meine Arbeit habe. Meine Familie aber steht an erster Stelle. Ich verlasse zum Beispiel ohne Ausnahme jeden Tag pünktlich um kurz vor sechs Uhr das Büro, um zuverlässig zehn Minuten später bei meinen Kindern zu sein. Dann essen wir zu Abend, wir spielen, wir lesen vor. Und auch im Urlaub gilt für mich: Die Zeit gehört der Familie. Außerdem habe ich ein großes Vertrauen in meine Mitarbeiter und kann Aufgaben sehr gut abgeben.

„Neben der Arbeit, der Kreativität und der Leidenschaft meines Teams, steckt in jeder App von Fox & Sheep eine große Portion Herzblut und operative Arbeitszeit von mir.“ Verena Pausder

Wirtschaftsforum: Mit Fox&Sheep sind Sie mittlerweile eine feste Größe bei Kinder-Apps. Agieren Sie im Unternehmern ausschließlich administrativ als Geschäftsführerin oder geht es für Sie auch noch in das Operative, sprich entwickeln Sie mit?

Verena Pausder: Ich bin in jedem Entwicklungsschritt eingebunden. Hat die Idee Potenzial, ist das Storytelling altersgerecht, mit welchen Illustratoren und Animatoren arbeiten wir zusammen? Neben der Arbeit, der Kreativität und der Leidenschaft meines Teams, steckt in jeder App von Fox & Sheep also auch eine große Portion Herzblut und operative Arbeitszeit von mir. Zum einen bin ich nicht dafür gemacht, ausschließlich administrativ zu arbeiten, zum anderen ist meine Motivation sowohl für die Arbeit bei Fox & Sheep als auch bei der HABA Digitalwerkstatt komplett intrinsisch. Kinder spielerisch an die digitale Welt heranzuführen und ihre digitale Bildung voranzutreiben, das ist mein Thema. Darauf habe ich auch die nächsten 40 Jahre noch große Lust.

Wirtschaftsforum: Mit dem Spielwarenhersteller HABA haben Sie einen neuen Mehrheitseigener, der traditionell für Holzspielwaren steht. Wie passt der Bauklotz zu hochwertigen Spiele-Apps für Kinder?

Verena Pausder: Zum einen stellt HABA an seine Spielwaren ebenso hohe Ansprüche wie wir an unsere Apps, zum anderen verbinden uns gemeinsame Ziele und Werte. Ob Holzspielzeug oder Digitalwerkzeug, wir möchten etwas entwickeln, das die Neugier und Kreativität unserer Kinder fördert und sie fit macht für ihre Zukunft. In einer unserer Apps (Little Friends Dance Studio AR) zum Beispiel verschmelzen die Welten. Mithilfe von Augmented Reality erwecken wir hier Puppen von HABA zum Leben und lassen sie im Kinderzimmer tanzen. Von Beginn an hat HABA auch die Idee der Digitalwerkstatt begeistert mitgetragen, weil sie gleichermaßen an das Potenzial analoger und digitaler Angebote für die Erziehung und Bildung unserer Kinder glauben.

„Ob Holzspielzeug oder Digitalwerkzeug, wir möchten etwas entwickeln, das die Neugier und Kreativität unserer Kinder fördert und sie fit macht für ihre Zukunft.“ Verena Pausder

Wirtschaftsforum: An fünf Städten in Deutschland bieten Sie Digitalwerkstätten für Kinder ab sechs Jahren an. Stehen Sie damit nicht in Konkurrenz mit den Schulen?

Verena Pausder: Würden wir in Konkurrenz zu den Schulen stehen, hätten wir unser Ziel erreicht. Digitale Bildung würde dann flächendeckend und selbstverständlich für alle Schülerinnen und Schüler stattfinden. Da sich Politik und Schulsystem bisher aber nur zögerlich der Digitalisierung stellen, kommen sowohl Lehrer als auch Eltern regelmäßig mit dem Wunsch auf uns zu, dass wir unsere Erfahrung und Expertise zu ihnen tragen und wir arbeiten eng mit über 100 Schulen in Deutschland zusammen. Um das weiter zu intensivieren planen wir nun mobile Digitalwerkstätten, die unsere Lerninhalte direkt auf die Schulhöfe des Landes bringen. Außerdem wird es ab Herbst unsere Digitalwerkstatt Box mit Programmier- und Tüftelprojekten für zu Hause geben. Der Bedarf an digitalen Lernangeboten für Kinder ist also riesengroß.

„Würden wir in Konkurrenz zu den Schulen stehen, hätten wir unser Ziel erreicht.“ Verena Pausder

Wirtschaftsforum: Abschließend eine persönliche Frage: Könnten Sie sich vorstellen, eine Spiele-App für Gründer zu entwickeln und welches Feature würde Sie darin unbedingt integrieren wollen?

Verena Pausder: Tatsächlich arbeiten mein Team und ich gerade an einem Spiel, das ich auch Gründern sehr ans Herz legen würde: Es heißt Loomies, kommt im November auf den Markt und regt zum Abschalten und Reflektieren an, indem es die Spieler auf eine Reise durch wunderschöne Welten aus Licht und Schatten schickt. Es ist ein bewusster Gegenentwurf zu jenen Apps und Spielen, die nichts anderes tun, als um unsere Aufmerksamkeit zu buhlen. Das Feature heißt also: Verzicht auf digitales Dopamin.

Interview: Markus Büssecker, Fotos: Kim Keibel

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