Mehr als Standard: Paletten in Form gebracht

Interview mit Fabien Joerger, Werksleiter der PGS ULLU Paletten GmbH

In ULLU stecken die Namen der beiden Gründer Ulrich und Lutz, die das Unternehmen 1973 gegründet haben. Mit der französischen PGS Group übernahm im Mai 2021 der größte Palettenhersteller in Europa die Firma in Muggensturm.

„ULLU Paletten ist gut strukturiert, finanziell stabil und hat einen Maschinenpark mit hohem Potenzial. Der bisherige Geschäftsführer wollte das Familienunternehmen an einen Partner aus der Branche verkaufen“, erzählt Werksleiter Fabien Joerger.

Die 30 Jahre alte PGS-Gruppe, die weltweit bereits mehr als 40 Standorte betreibt, will auch weiterhin in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden expandieren. PGS ULLU Paletten beschäftigt 50 Mitarbeiter. Der Umsatz des Unternehmens betrug 2022 26 Millionen EUR.

„Trotz der Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohstoffen konnten wir unseren Umsatz im letzten Geschäftsjahr um 50% steigern. Ein Teil davon ist auf die Entwicklung des Holzpreises zurückzuführen, der andere auf die Erhöhung der Tageskapazität durch die Analyse der Wertschöpfungskette und die Einführung von Lean-Methoden in der Produktion“, berichtet Fabien Joerger, der, bevor er nach Muggensturm kam, im Lean Management in der Automobilbranche und als Produktionsleiter in der Maschinenbauindustrie tätig war.

Paletten im Kreislauf

PGS ULLU Paletten produziert hauptsächlich Einwegpaletten. Das Unternehmen zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität aus und fertigt auch kleine Serien und Maßanfertigungen für Nischenbereiche. So werden etwa im Hochqualitätsbereich in der Automotivebranche große Drei-mal-zwei-Meter-Paletten benötigt, die schwieriger herzustellen sind.

PGS ULLU Paletten bietet auch Ökodesign-Paletten mit Holz aus nachhaltig angebauten Wäldern an und bietet ein Rücknahmesystem (PGS Reverse). Wo Kreislaufwirtschaft nicht funktioniert, wird gemeinsam mit den Kunden über die notwendige Tragfähigkeit nachgedacht und überlegt, ob die Paletten nachhaltiger gefertigt werden können. In Muggensturm befindet sich flächenmäßig eines der kleineren Werke der Gruppe, macht Fabien Joerger deutlich: „Unsere Fläche umfasst nur 1,5 ha. Gemessen am Umsatz pro Quadratmeter gehören wir zu den besten Werken der PGS Group.“

Geliefert wird im Umkreis von 200 km. Die Paletten werden zu 100% selbst produziert, die Nägel kommen aus einem anderen Unternehmen der Gruppe in Belgien. Dadurch reduzieren sich die Transportwege. „Seit der Übernahme durch PGS wird mehr akquiriert und wir haben unsere Produktionsteams verstärkt“, berichtet der Werksleiter.

Schnell digitalisiert

In Sachen Digitalisierung hat das Unternehmen nach der Übernahme durch PGS mit der Einführung des gemeinsamen ERP-Systems einen wichtigen Schritt in die Zukunft gemacht. Die Maschinen sind vernetzt und es kann jederzeit abgelesen werden, was gerade produziert wurde. Neuigkeiten können in einer Intranet-App gepostet werden. Die Archivierung erfolgt über ein Cloud-System, sodass weniger Papier verbraucht wird. In der Produktion werden VoIP-Monitore mit KPI-Anzeige genutzt.

„Vor ein paar Jahren war in der Palettenindustrie im Gegensatz etwa zur Automobilindustrie wenig digitalisiert“, so Fabien Joerger. Neben dem neuen ERP-System weist er auf weitere Stärken von PGS ULLU Paletten hin: „Wir sind innerhalb der Gruppe autonom. Ob Einkauf oder Auslieferung, wir steuern viel selbst, wie ein Einzelunternehmen. Wir profitieren aber vom Best Practice und Benchmarking der Gruppe. So können wir unsere Produktivität immer weiter verbessern.“

Investition in Mitarbeiter

Viel wird auch in die Mitarbeiter und ihre Arbeitsbedingungen investiert. Neben einer neuen Küche mit Kaffeemaschine und neuen Gemeinschaftsräumen profitieren die Angestellten von flexiblen Arbeitszeiten. Monatlich finden Treffen mit der Gruppenleitung statt.

„Insgesamt haben die Mitarbeiter ein zukunftsorientiertes Arbeitsumfeld“, sagt der Werksleiter und hebt die Unternehmenskultur besonders hervor: „Bei uns geht es nicht nur um Zahlen. Mit unserem CEO können Entscheidungen sehr schnell getroffen werden. In gerade einmal drei Monaten hatten wir das neue ERP-System eingeführt. Eine Basis unserer Zusammenarbeit ist Vertrauen und Empowerment. Wir fokussieren uns immer darauf, wie es vorangeht. Auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz. So macht die Arbeit hier sehr viel Spaß.“

Das Jubiläum wird die Gelegenheit bieten, die Treue der Arbeiter in den Vordergrund zu stellen. „Einige sind schon seit 40 Jahren dabei und haben sich im Unternehmen entwickelt“, erzählt Fabien Joerger.

Ökologischen Fußabdruck reduzieren

Zu den Zukunftsplänen sagt er: „Wir suchen neue Geschäfte in der Nähe. Eine unserer Prioritäten ist aber die Reduktion unseres ökologischen Fußabdrucks und die Dekarbonisierung. Kunden legen zunehmend Wert auf eine Methode zur Berechnung des CO2-Ausstoßes. Noch ist das Ganze zu ermitteln und wir müssen uns die Produktionskette ganz genau anschauen.“

In einem weiteren Projekt soll in 2023 auf einer Fläche von 2.500 m2 das Firmendach mit Photovoltaik ausgestattet werden. Zudem wird in eine Biomasseanlage investiert. Fabien Joerger, der ursprünglich aus dem Handwerk kommt und mit einer Schreinerausbildung begonnen hat, sieht für sein Unternehmen trotz der aktuellen geopolitischen Turbulenzen eine gute Zukunft.

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