„Erfolg hat viele Nachahmer“

Interview mit Gerd Günther, CEO der Novaled GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Günther, was war in der Historie von Novaled besonders wichtig?

Gerd Günther: Wir sind ein ehemaliges Startup, das 2001 als Ausgründung aus der Technischen Universität Dresden und dem Fraunhofer Institut entstanden ist. Bis 2006 hat es gedauert, bis wir Materialien entwickelt hatten, die bei den Display-Herstellern getestet werden konnten, und weitere vier Jahre, bis wir in die Massenproduktion von Samsung gefunden haben. Samsung war damals zunächst der einzige Produzent von OLEDs, den organischen Leuchtdioden. Wenn Samsung Produkte aufgenommen hat, war das ein Zeichen für deren Qualität und Effizienz. Der Samsung-Konzern war an Novaled interessiert und hat das Unternehmen 2013 schließlich übernommen.

Wirtschaftsforum: Was hat dieser große Schritt für Novaled bedeutet?

Gerd Günther: Der Konzern hat uns von Anfang an Freiraum gelassen. Natürlich werden langfristige Strategien abgestimmt. Aber was das Geschäft angeht, haben wir freie Hand und können unsere Produkte auch an Wettbewerber wie LG Display, dem großen OLED TV Player in Korea, verkaufen. Ich denke, das ist neben der Tatsache, dass wir sehr früh auf Internationalisierung gesetzt haben, einer der Hauptgründe für unseren Erfolg. Wir sind viel stärker gewachsen als ursprünglich angedacht. Die Integration in den Samsung-Konzern hat anfangs einiges an Anstrengungen abverlangt, konnte aber innerhalb weniger Jahre positiv abgeschlossen werden.

Fotos: © Novaled GmbH

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?

Gerd Günther: Novaled hat zwei Produktlinien: Zum einen die Materialien, die für die OLED-Fertigung verwendet werden. In Dresden finden Entwicklung, Forschung und eine Miniproduktion bis zu 20 kg statt; die Massenproduktion haben wir outgesourced. Unser zweiter Bereich ist die Lizenzierung unserer Patente. Wir betreiben jeweils ein Büro in Korea und China, um diese riesigen Märkte kundennah zu bedienen. Die meiste Zeit sind wir mehr gewachsen als der Markt. 2005 betrug unser Jahresumsatz noch eine halbe Million EUR, in 2019 waren es 109 Millionen EUR. Novaled ist inzwischen von anfangs drei auf 146 Mitarbeiter angewachsen. 60 bis 70% von ihnen haben ein abgeschlossenes Studium, etwa ein Drittel hat promoviert. Unser Ausbildungsniveau ist also enorm hoch. Das liegt daran, dass Forschung und Entwicklung etwa 85% des Unternehmens ausmachen. Dieser Bereich ist unser Herz und unsere Seele. Wir verstehen uns als internationales Unternehmen und beschäftigen Menschen aus 14 Nationen.

Wirtschaftsforum: In welchen Produkten werden die mit Ihren Materialien hergestellten OLEDs zum Endverbraucher?

Gerd Günther: Sie werden hauptsächlich in Displays von Mobile Phones, Tablets, Laptops und Fernsehern eingesetzt. OLEDs bestehen aus etwa 14 bis 20 Schichten, teilweise noch mehr. Wir versuchen, die Materialien immer effizienter zu machen und immer mehr Schichten zu gewinnen, in denen unsere Kernkompetenzen stecken. Der Mobilfunkmarkt ist nach wie vor ein Wachstumsmarkt auf extrem hohem Niveau.

Foto: © Novaled GmbH

Wirtschaftsforum: Seit wann sind Sie bei Novaled, und was beschäftigt Sie als CEO derzeit?

Gerd Günther: Ich kam 2005 von Philips zu Novaled, zunächst als Vice President Marketing und Sales, wurde 2009 Vorstand und habe nach der Übernahme von Samsung die Unternehmensführung als CEO übernommen. In unserer Position ist es wichtig, hellwach zu sein, um nicht links und rechts überholt zu werden. Denn Erfolg hat viele Nachahmer. Bisher ist uns das mit immer neuen innovativen Produkten gut gelungen. Ein neuer, für uns sehr interessanter Markt kann die organische Photovoltaik werden. Darauf bereiten wir uns schon strategisch vor. OLEDs werden in immer mehr Produkten Einzug halten, unter anderem im automobilem Sektor. Auch die Flexibilisierung der Displays, also die Bieg- und Faltbarkeit, wird neue Möglichkeiten eröffnen.

Wirtschaftsforum: Worin liegt Ihre persönliche Motivation?

Gerd Günther: Ich bin stolz, einem Unternehmen vorzustehen, in dem so viel Ehrgeiz und Motivation stecken. Ihm mit meinen Erfahrungen etwas zurückzugeben, ist mein persönlicher Antrieb.

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