Vom 'Hacker' zu einem der besten IT-Dienstleister Deutschlands

Interview mit Ingo Kraupa, Vorstandsvorsitzender der noris network AG

Wirtschaftsforum: Herr Kraupa, Sie haben das Unternehmen im Jahr 1993 gegründet. Wie haben Sie diese Zeit der Internetgeschwindigkeit zwischen 28,8 Kbit/s und 33,6 Kbit/s in Erinnerung? 

Ingo Kraupa: Wir hatten keine klassische Gründerphase eines Start-up-Unternehmens, bei der man einen Businessplan erstellt und vielleicht sogar Kapitalgeber sucht. Stattdessen habe ich über die Datenfernübertragung zwei Computerspezialisten — wir haben uns damals Hacker genannt — kennengelernt. Beide hatten zu jener Zeit schon eine Mailbox, welche sozusagen der Vorläufer der heutigen Chat-Systeme war. Wir waren also die ersten Chatter in Deutschland. Als mein Kollege Matthias Urlichs mit seinem Studium Anfang der 1990er-Jahre fertig war, hat Professor Zorn von der Uni Karlsruhe eine Ausgründung namens XLink ins Leben gerufen. Dafür wurden deutschlandweit dezentrale Firmen für die sogenannten Points of Presence (PoP) gesucht. Das war die Geburtsstunde der noris network AG. 

Wirtschaftsforum: Gab es weitere Schritte, die das Unternehmen für die Folgezeit geprägt haben? 

Ingo Kraupa: Na klar, ganz viele sogar. Da das Internet damals nur für große Unternehmen attraktiv war, konnten wir als erster Anbieter schon 1994 Siemens weltweit ans Internet anschließen. Danach konnten wir auch andere große regional ansässige Unternehmen wie adidas für uns gewinnen. Einige dieser frühen Kunden sind uns bis heute erhalten geblieben. 
Da im Bereich Internet innerhalb kürzester Zeit weitere Anbieter hinzugekommen sind, haben wir uns entschlossen, vor allem Großkunden weiterhin als professioneller Dienstleister zu unterstützen. Angesichts der Tatsache, dass Ende der 1990er-Jahre der gängige Personalcomputer langsam von der Bildfläche verschwunden ist, haben wir angefangen, Rechenzentren zu bauen. Mittlerweile gehören wir diesbezüglich zu den größten und besten Anbietern in Deutschland. 

Wirtschaftsforum: Über wie viele Rechenzentren verfügt Ihr Unternehmen? 

Ingo Kraupa: Wir besitzen deutschlandweit sieben Hochsicherheits-Rechenzentren an fünf Standorten, welche sowohl untereinander als auch international vernetzt sind. Das Colocation-Rechenzentrum in Nürnberg Süd wurde vom TÜViT nach TSI Level 4 und DIN EN 50600 zertifiziert, da es höchste Verfügbarkeit und sehr hohen Schutz gewährleistet. Unser Standort in München ist ein schönes Beispiel, bei dem man sich besonders gut von der Umsetzung unserer Konzepte überzeugen kann. Das Datacenter zählt zu den modernsten in Europa und wurde mit dem Deutschen Rechenzentrumspreis ausgezeichnet. Ein weiterer Standort in Frankfurt befindet sich noch in Planung. 
 

Wirtschaftsforum: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie zur Zeit? 

Ingo Kraupa: Wir beschäftigen insgesamt über 500 Mitarbeiter. Mittlerweile haben wir unser Unternehmen durch drei Tochterfirmen erweitert. Dazu gehört unsere verlängerte Werkbank noris MIKE in Griechenland mit 20 bis 30 Mitarbeitern, die Wavecon Cloud GmbH und die innovIT AG. 

Wirtschaftsforum: Wie hoch ist der Jahresumsatz? 

Ingo Kraupa: Der Jahresumsatz der noris network beläuft sich auf 150 Millionen EUR, wobei sich der Betrag dieses Jahr wohl erhöhen wird, da wir seit 2003 durchschnittlich 15% wachsen und auch dieses Jahr unsere Ziele mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen werden. Wir wachsen jedoch nicht um des Wachstums willen. In erster Linie geht es uns darum, unseren Kunden langfristig ein zuverlässiger Partner zu sein.

Wirtschaftsforum: Was sehen Sie als Ihre wesentlichen Erfolgsfaktoren an? 

Ingo Kraupa: Wir bieten vom IT-Whitespace bis zu Cloud-Services - alles aus einer Hand - aus unseren Rechenzentren heraus an. Wir sind immer auf Augenhöhe mit unseren Kunden und versuchen gemeinsam, die besten Lösungen zu finden. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir ein deutscher Anbieter sind, in Deutschland hosten und mit den besten Zertifizierungen ausgestattet sind. Unsere Auftraggeber können sich darauf verlassen, dass wir sicher sind und dass es funktioniert. Vor zwei Jahren haben wir einen Kundenbeirat gegründet, damit sich unsere Kunden untereinander austauschen und voneinander lernen können. 
 

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben? 

Ingo Kraupa: Was das angeht, haben wir sogar einen eigenen Slogan, den ‘noris Spirit’. Dieser zeichnet sich unter anderem durch starke Neugier und eine pragmatische Arbeitsweise aus. Wir sind vor allem in der Planung sehr offen und haben keine Hürden in der Hierarchie. 

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie für die Zukunft Ihres Unternehmens? 

Ingo Kraupa: Wir haben uns als Ziel die Optimierung unseres Unternehmens und unserer Produkte gesetzt. Wir möchten erreichen, dass von der Bestellung über die Entwicklung bis hin zur Abnahme alles reibungslos läuft. Wir streben danach, der beste IT-Dienstleister zu werden. 
 

Interview:

Manfred Brinkmann
und Dr. Endre Hagenthurn

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Energie aus der Region

Interview mit Arne Möbest, Geschäftsführer der Cimbergy GmbH & Co. KG

Energie aus der Region

Wind- und Solarprojekte verändern nicht nur die Energieversorgung, sondern auch Regionen. Die Cimbergy GmbH & Co. KG aus Husum entwickelt und begleitet Bürgerenergieprojekte mit dem Ziel, Wertschöpfung, Verantwortung und Mitgestaltung…

Auf der Seite des Kunden

Interview mit Carmen Philippi, Geschäftsführung, Vorstand der Versteegen Assekuranz – Versicherungsmakler AG

Auf der Seite des Kunden

Versicherungen gelten als komplex, unpersönlich und oft schwer verständlich. Gerade Unternehmen benötigen jedoch Lösungen, die exakt zu ihren Risiken passen und im Schadenfall zuverlässig greifen. Die Versteegen Assekuranz – Versicherungsmakler…

Aus der Region für den Kreislauf

Interview mit Sebastian Winkelheide, Geschäftsführer der Olde Bolhaar Eco-Service GmbH

Aus der Region für den Kreislauf

Die Substratindustrie steht vor der Aufgabe, den Anteil erneuerbarer und zirkulärer Ausgangsstoffe deutlich zu erhöhen. Gefragt sind leistungsfähige Alternativen, die Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden. Die Olde Bolhaar Eco-Service…

Spannendes aus der Region Nürnberg

Technologische Souveränität für die Versicherungswelt

Interview mit Thomas Ludwig, COO der Novum-RGI Germany GmbH

Technologische Souveränität für die Versicherungswelt

Versicherer stehen unter massivem Transformationsdruck: Steigende IT-Kosten, regulatorische Anforderungen und der Anspruch auf schnelle digitale Prozesse verlangen stabile Kernsysteme. Die Novum-RGI Germany GmbH entwickelt spezialisierte Softwarelösungen für den deutschsprachigen Versicherungsmarkt…

Digitale Transformation zwischen KI, Remote-Arbeit und Verantwortung

Interview mit Guido Aehlen, Geschäftsführer der Hitachi Solutions Germany GmbH

Digitale Transformation zwischen KI, Remote-Arbeit und Verantwortung

Digitale Transformation, Remote-Arbeit und künstliche Intelligenz stellen Unternehmen vor große Aufgaben. Die Hitachi Solutions Germany GmbH begleitet sie dabei mit technologischem Know-how und internationaler Schlagkraft. Geschäftsführer Guido Aehlen erklärt, wie…

„Pflege braucht Verlässlichkeit“

Interview mit Alexander Gusev, Geschäftsführer der Pacura med GmbH

„Pflege braucht Verlässlichkeit“

Vor nicht einmal einem Jahrzehnt gegründet, gehört die Pacura med GmbH heute bereits zu den führenden Personaldienstleistern in der Pflege in Deutschland. Geschäftsführer Alexander Gusev nennt die Gründe für diesen…

Das könnte Sie auch interessieren

Die unterschätzte Werbekraft des Briefkastens

Interview mit Mario Geuß, Geschäftsführer der Geuß Werbung GmbH

Die unterschätzte Werbekraft des Briefkastens

Gedruckte Haushaltswerbung gilt vielen als Relikt aus analogen Zeiten: teuer, wenig nachhaltig und verdrängt durch digitale Kanäle. Doch Woche für Woche landen Millionen Prospektpakete in deutschen Briefkästen. Mario Geuß, Geschäftsführer…

Digitales Rückgrat des ­Autohandels

Interview mit Wolfgang Frank Pelousek, Geschäftsführer der VAPS GmbH

Digitales Rückgrat des ­Autohandels

Die VAPS GmbH in Isernhagen bei Hannover sorgt dafür, dass Autohäuser digital handlungsfähig bleiben – von der ‘Nabelschnur’ zum Hersteller bis zu Cloud-Services. In einem Markt mit sinkenden Margen werden…

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Interview mit Thomas Waggershauser, Geschäftsführer der acontis technologies GmbH

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Ihre Lösungen kommen beim Start der Ariane 6 genauso zur Anwendung wie im Automotive-Segment oder in der Halbleiterindustrie. Trotzdem dürften nur Brancheninsider jemals von acontis technologies gehört haben. Dem Erfolg…

TOP