Viele Services, solide Basis

Interview mit Marc-A. Eickholz, Geschäftsführer der NIEDERBERGER Gruppe Verwaltungs-GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Eickholz, wie würden Sie das Kerngeschäft von NIEDERBERGER umschreiben?

Marc-A. Eickholz: Gebäude-, Glas- und Fassadenreinigung bilden seit Beginn das wichtigste Standbein, allerdings sind im Laufe der Zeit immer mehr technische Dienstleistungen dazugekommen.

Wirtschaftsforum: Können Sie Beispiele nennen?

Marc-A. Eickholz: Elektroprüfungen beispielsweise. Elektrische Anlagen in Betrieben müssen regelmäßig durch entsprechend qualifizierte Personen überprüft werden; das gilt selbst für Kaffeemaschinen, Staubsauger oder Wasserkocher. Die Luftkanalreinigung oder Trinkwasseranalysen sind weitere technische Services. In Zukunft wird das Thema Robotik an Bedeutung gewinnen, insbesondere angesichts des Arbeitskräftemangels. Wir sind relativ früh in dieses Thema eingestiegen und haben Partnerschaften Richtung Forschung aufgebaut. Nicht zuletzt haben wir eigene Reinigungsroboter im Einsatz, um eine Datenbank aufzubauen. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, dass vieles noch in der Entwicklung ist. Ein Problem sind die hohen Anschaffungskosten; zudem sind viele Gebäude noch nicht ‘smart’, also auf den vollumfänglichen Einsatz von Robotik vorbereitet.

Wirtschaftsforum: Heute beschäftigt sich NIEDERBERGER unter anderem mit Reinigungsrobotern. Wie sahen die Anfänge und die weitere Entwicklung aus?

Marc-A. Eickholz: Jakob NIEDERBERGER gründete das Unternehmen 1924 in Köln gemeinsam mit einem Freund als Fensterreinigungsinstitut. 2010 kam es zu einer wichtigen Weichenstellung Richtung Zukunft, als die beiden Geschäftsführer Holger Eickholz und Frank A. Ohrem je 50% der Firmenanteile übernahmen. 2013 entstand ein eigener Betrieb für technische Dienstleistungen. Wie wichtig dieses Standbein inzwischen ist, zeigt die Steigerung der Mitarbeiteranzahl von 0 auf heute 100 Techniker. Seit diesem Jahr gibt es einen weiteren technischen Betrieb für die Ausführung von Elektroinstallationen. Damit haben wir in den vergangenen zehn Jahren unsere Kompetenz deutlich ausgebaut.

Wirtschaftsforum: Wie drückt sich diese Entwicklung in Zahlen aus?

Marc-A. Eickholz: Es gibt elf regionale, meistergeführte Betriebe, sowie zwei technische Betriebe. Die Mitarbeiterzahl liegt bei 4.100, der Umsatz konnte seit der Übernahme 2010 verdoppelt werden und wird erstmals die 100-Millionen-Euro-Grenze überschreiten.

Wirtschaftsforum: Gibt es bestimmte Branchentrends, die Einfluss auf das Geschäft nehmen?

Marc-A. Eickholz: Vor allem im öffentlichen Bereich ist der Preiskampf groß. Wir sehen uns als Qualitätsdienstleister, müssen uns den Gegebenheiten aber dennoch stetig anpassen. Erschwerend kommt der Personalmangel hinzu. Wir bieten 100 Ausbildungsplätze an; besetzt werden inzwischen lediglich 40. Ein Problem in einer personalintensiven Branche.

Wirtschaftsforum: Welches Pfund wirft NIEDERBERGER in die Waage, um sich trotz Preiskampf und Personalmangel zu behaupten?

Marc-A. Eickholz: Kontinuität und Know-how. Wir haben einen konstanten Mitarbeiterstand, Betriebsleiter sind zum Teil 40 Jahre bei uns. Diese Stabilität wollen wir bewahren, indem wir unseren eigenen Führungsnachwuchs aufbauen. Zudem werden wir den Fokus noch stärker auf die Digitalisierung richten, um für künftige Herausforderungen gewappnet zu sein.

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