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Dirk Nowitzki hat gezeigt, dass die NBA wirklich erreichbar ist

Interview mit Maik Matischak, Associate Vice President Communications, EME der NBA

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Wirtschaftsforum: Herr Matischak, die NBA steht für eine globale Marke, der weltbekannte Slogan ‘I love this Game‘, ehemalige und aktuelle Basketball-Ikonen wie Michael Jordan, Kobe Bryant, LeBron James und Dirk Nowitzki sowie NBA-Teams wie die Chicago Bulls, LA Lakers oder Golden State Warriors sind zudem nicht nur eingefleischten Basketballfans ein Begriff. Was macht für Sie die Faszination dieses Sports und damit verbunden der NBA aus?

Maik Matischak: Die NBA hat für mich als Sportmarke eine ganz besondere Strahlkraft. Seit Jahren steht die NBA nicht nur für packenden Sport, sondern vor allem auch für die Vermischung von Top-Action und Pop-Kultur. Das bezieht Lifestyle-Aspekte wie Mode, Musik oder Gaming genauso ein wie Sport auf höchstem Niveau und globale Superstars wie LeBron James, Kevin Durant oder natürlich auch Dirk Nowitzki.

Dieser Mix der verschiedensten ‘Passion-Points‘ hat einen unglaublichen Reiz, der nicht nur Sportfans begeistert, sondern eine deutlich größere Zielgruppe anspricht. Darüber hinaus steht die NBA auch für Innovation und das fortwährende Bestreben, den Fans das ultimative NBA-Erlebnis zu bieten. Technologie und digitale Themen stehen hierbei im Vordergrund. Das reicht von der Optimierung der Content-Verbreitung über die kontinuierliche Erweiterung der Übertragungskanäle und -formate bis hin zu AR und der Implementierung völlig neuer Liga-Formate wie der eSport Liga ‘NBA 2K League‘.

Wirtschaftsforum: Sie sind Associate Vice President Communications, EME der NBA. Wo liegt Ihr Hauptfokus?

Maik Matischak: Mein Hauptaufgabenbereich ist die Steuerung der Pressearbeit in Europa und dem Mittleren Osten. Dafür erstelle ich mit meinem Team in London sowie in enger Abstimmung mit dem Headquarter in New York die Kommunikationsstrategie für unsere Region. In den einzelnen Ländern haben wir noch Unterstützung von Agenturen, wie Schröder + Schömbs PR für Deutschland, die für uns seit Jahren verlässliche Partner und quasi Bestandteil des Teams sind. Wir arbeiten stetig an der Optimierung der organischen NBA-Berichterstattung und pflegen eine intensive Zusammenarbeit mit Journalisten und Medien in Europa und dem Mittleren Osten.

Zudem bin ich für die strategische Weiterentwicklung der NBA auf dem deutschen Markt verantwortlich. Eine der wesentlichen Aufgaben ist hier die Unterstützung der verschiedenen NBA Business-Bereiche wie Media Rights, Licensing und Sponsoring, um deren wirtschaftlichen Erfolg mit voranzutreiben. Gemeinsam mit meinem Team identifiziere ich neue Möglichkeiten für Events, Marketing-Partnerschaften, Jugendprogramme oder auch im Lobbying und bringe dann die internen Stakeholder mit interessierten externen Partnern zusammen. Deutschland ist für die NBA ein sehr wichtiger Markt, der in den kommenden Jahren wieder deutlich in den Vordergrund rücken wird.

„Deutschland ist für die NBA ein sehr wichtiger Markt, der in den kommenden Jahren wieder deutlich in den Vordergrund rücken wird.“ Maik Matischak

Wirtschaftsforum: Die NBA ist in Europa mit Veranstaltungen wie den NBA Global Games aktiv. Das aktuell durchgeführte Regular-Season-Game der NBA Teams aus Washington und New York in London am 17. Januar 2019 war erneut ein Garant für Entertainment und Spitzensport. Jedoch ist der Sport auch eng mit den wirtschaftlichen Aspekten verknüpft. Wo sind aus Ihrer Sicht neben dem sportlichen Fokus noch weitere Wachstumspotenziale für die NBA im europäischen und insbesondere dem deutschen Markt in Bezug auf die Sponsoren-Gewinnung?

Maik Matischak: Man darf nicht vergessen, dass 99% aller NBA-Fans niemals ein NBA-Spiel werden live sehen können. Das gilt für Fans in China, Brasilien und auch Deutschland genauso wie für viele Fans in den USA. International ausgetragene Spiele sind für uns wichtig, da wir dadurch unser Hauptprodukt direkt zu den Fans bringen. Viel wichtiger ist allerdings die Herausforderung, auch den anderen 99% das authentische NBA-Erlebnis näherzubringen. Da sind wir bereits auf einem guten Weg.

Unsere Broadcast-Partner, wie zum Beispiel DAZN hier in Deutschland, helfen uns dabei, die Fans mit einer optimalen Live-Berichterstattung zu versorgen. Zusätzlich ermöglicht unser OTT-Angebot ‘NBA League Pass‘, alle Spiele sogar on-demand zu verfolgen. Das Angebot wird gut genutzt: Europa hat eine Steigerung von circa 15% YoY in den Abo-Zahlen zu verzeichnen und Deutschland ist sogar unter den Top 3-Märkten in Europa.

Eine große Herausforderung hier in Europa sind jedoch die Spielzeiten. Da die meisten Spiele aufgrund der Zeitverschiebung erst spät in der Nacht stattfinden, haben wir vor fünf Jahren die NBA-Primetime-Initiative ins Leben gerufen. Samstags und sonntags werden mittlerweile 42 Spiele pro Saison zur europäischen Primetime ausge- und übertragen. Für uns und unsere Partner war das ein wichtiger Schritt, um den Fans eine Möglichkeit zu bieten, NBA-Spiele zu einer ansprechenden Zeit verfolgen zu können.

Momentan arbeiten wir daran, weitere Kontaktpunkte für Fans in Europa und explizit Deutschland zu identifizieren und umzusetzen. So haben wir gerade erst in Mailand unseren ersten europäischen NBA Store eröffnet und betreiben schon seit einigen Jahren ein NBA Café in Barcelona. Diese Möglichkeit, direkt mit den europäischen Fans in Kontakt zu treten, werden wir in naher Zukunft noch weiter ausbauen und Deutschland ist hier natürlich ein besonders interessanter Markt, für den wir momentan auf der Suche nach passenden Partnern sind.

„Eine große Herausforderung hier in Europa sind die Spielzeiten. Da die meisten Spiele aufgrund der Zeitverschiebung erst spät in der Nacht stattfinden, haben wir vor fünf Jahren die NBA-Primetime-Initiative ins Leben gerufen.“ Maik Matischak

Ein weiterer wichtiger Bereich, durch den wir direkt mit dem Fan kommunizieren, ist Merchandise und Licensing. Unsere Merchandise-Zahlen steigern sich pro Jahr um circa 40% YoY und wir arbeiten mit 40+ Lizenznehmern in Europa zusammen, wie 2K Sports, Nike, EA Sports, Mitchell & Ness, New Era, Panini und Spalding.

Auch Gaming ist im Licensing-Bereich ein immens wichtiger Faktor. Mit der NBA 2K League haben wir eine Liga ins Leben gerufen, die im eSport angesiedelt ist und damit eine völlig neue Zielgruppe anspricht. Bald startet bereits die zweite Saison, 21 NBA Teams haben mittlerweile ihr eigenes eSport-Team, in denen auch deutsche Spieler spielen. Alle Spiele werden auch in der anstehenden Saison wieder live auf Twitch übertragen. Neben dem Angebot von Sponsoring-Möglichkeiten, wie beispielsweise Ingame Advertising oder individuelles Spieler-Sponsoring, ist auch hier die Erweiterung der Zielgruppe ein wichtiges strategisches Ziel.

Wirtschaftsforum: Dirk Nowitzki hat aktuell nach 21 Jahren in der NBA und bei den Dallas Mavericks das Basketball-Parkett als europäische Basketball-Legende endgültig verlassen. Mittlerweile spielen jedoch neben dem deutschen NBA-Star Dennis Schröder noch fünf weitere junge deutsche Profis – so viele wie nie zuvor – auf der spektakulärsten Basketballbühne der Welt. Zudem sind über 100 internationale Spieler aus über 40 Ländern in der NBA aktiv – allein über 60 davon kommen aus Europa, mit Jakob Pöltl seit 2016 sogar der erste Österreicher. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für diese sehr positive Entwicklung? Und wie hat sich die NBA-Popularität in Deutschland und in ganz Europa aus Ihrer Sicht bis heute entwickelt?

Maik Matischak: Wir haben dieses Jahr 108 Spieler in der NBA, die nicht aus den USA stammen, das sind 25% aller Spieler. 65 davon stammen aus Europa – das ist ein deutlicher Beweis dafür, wie stark der Basketball in Europa verwurzelt und wie wichtig Europa für die NBA ist.

Einer der Gründe ist sicherlich das Dream Team der Olympischen Spiele von 1992. Spieler wie Dirk Nowitzki, Pau Gasol oder Tony Parker – also die Superstars der mehr oder weniger ersten Generation aus Europa – haben durch dieses Team den Weg in die NBA gefunden. Für Dennis Schröder, Daniel Theis oder Mo Wagner war Dirk dann natürlich die Leitfigur, die ihnen gezeigt hat, dass die NBA wirklich erreichbar ist. Und nun sind diese Spieler an der Reihe, den Kids von heute den Weg zu weisen. Das war ein ganz wichtiger Schritt, dass junge Spieler wissen, dass alles erreichbar ist, wenn man hart an sich arbeitet.

Europa an sich hat natürlich eine sehr gute Basketball-Infrastruktur und vor allem Deutschland eine großartige Bundesliga mit hervorragenden Teams, Spielern und Ausbildungsvoraussetzungen für Kinder und Jugendliche. Das ist allerdings nicht überall so.

Deswegen haben wir die NBA Academies und das Programm ‘Basketball Without Borders‘ ins Leben gerufen, um weltweit Talente zu identifizieren und langfristig zu fördern. Beim letzten BWB Camp in Charlotte (USA) war beispielsweise die vielversprechende Emily Bessoir aus München dabei. Und die Initiative zahlt sich aus: In dieser Saison spielen 27 ehemalige BWB-Camper in der NBA – mehr als je zuvor

Ein wichtiger Aspekt sind zudem die Grass-Roots-Programme der NBA. Überall auf der Welt versucht die NBA, Kinder und Jugendliche zum Basketballspielen und einem aktiven Lebensstil zu bewegen. Dabei steht nicht nur der Sport, sondern auch die damit verbundenen Werte wie Teamgeist, Toleranz und Miteinander im Vordergrund. Hier in Europa haben wir über 50 Junior NBA Ligen in 22 Ländern und hoffen, dass wir in Deutschland in diesem Jahr auch die ersten Junior NBA Ligen ins Leben rufen können. Es finden bereits Gespräche statt. Im Laufe dieser Saison plant die NBA, circa 51 Millionen Jugendliche und Kinder in 75 Ländern direkt zu erreichen.

„Europa an sich hat natürlich eine sehr gute Basketball-Infrastruktur und vor allem Deutschland eine großartige Bundesliga mit hervorragenden Teams, Spielern und Ausbildungsvoraussetzungen für Kinder und Jugendliche.“ Maik Matischak

Wirtschaftsforum: Alle Jahre wieder wird über die Expansionsmöglichkeiten der NBA in Europa philosophiert. Ihr aktueller National Basketball Association-Commissioner Adam Silver ist bekanntlich der Idee einer mittel- bis langfristigen Ausweitung der Liga in Europa grundsätzlich nicht abgeneigt, vorausgesetzt die Rahmenbedingungen und die Entwicklung im europäischen Markt stimmen. Die infrastrukturellen Grundlagen und Hallenkapazitäten in europäischen Städten wie London, Madrid, Paris oder Berlin bestehen ja bereits. Wie ist Ihre Einschätzung hierhingehend: Macht eine eigene NBA-Division in Europa aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten Sinn und welche Potenziale würden sich hierbei für die NBA und den europäischen Basketball ergeben?

Maik Matischak: Aus logistischen und Gründen der Spiel-Ansetzungen wäre nur eine Division und niemals ein einzelnes Team möglich. Allerdings ist die Infrastruktur für diese Anzahl an Teams sowie die notwendigen Arenen nicht gegeben. Deshalb ist es zwar eine schöne Vision, aber nichts, das in der nächsten Zeit auch nur angedacht werden würde.

Wie ich schon erwähnt habe, ist es für uns viel wichtiger, innovative Wege zu finden, um dem Fan außerhalb des Live-Besuches in der Arena dennoch das authentische NBA-Erlebnis bieten zu können.

Wirtschaftsforum: Neben dem konventionellen Basketball live oder im TV werden in Kooperation mit der NBA von Dienstleistern wie EA Sports oder 2K seit langem Basketballsimulations-Games in Form der bekannten NBA LIVE- und NBA 2K-Reihen angeboten. Mit jeweils aktuellen NBA-Stars auf dem Cover und jährlich optimiertem Realismus und Spielspaß erfreuen sich diese über die Grenzen der Basketball-Community hinaus hoher Beliebtheit. Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die digitale Welt und der Aspekt der Virtual Reality für die Steigerung der Popularität des NBA-Basketballs in Europa und speziell in Deutschland?

Maik Matischak: Gaming ist für uns aus diversen Gründen sehr wichtig geworden. Zum einen ist dieser Bereich natürlich wirtschaftlich gesehen sehr interessant. Ebenso wichtig ist aber, dass wir durch Spiele wie NBA 2K mit einer Zielgruppe direkt über die NBA kommunizieren können, die ohne Gaming eventuell nie über die NBA nachdenken würde. Diese Kids lernen Spieler wie LeBron James oder James Harden und Teams wie die Chicago Bulls oder Boston Celtics durch das Spiel kennen und lieben – werden dadurch NBA-Fans. Das ist natürlich wunderbar für uns. Andere Technologien wie VR und vor allem AR, In-Arena-Experiences und vieles mehr werden zusätzlich in den kommenden Jahren immer neue Möglichkeiten schaffen. Da kommen spannenden Themen auf uns zu!

Wirtschaftsforum: Eine persönliche Frage zum Schluss: Verfolgen Sie als gebürtiger Berliner mit jetzigem Wirkungskreis im europäischen NBA-Headquarter in London – wenn es die Zeit in Ihrer Funktion bei der NBA zulässt – noch den deutschen Basketball und Ihr „Heimat“-Team in Berlin?

Maik Matischak: Natürlich verfolge ich den Basketball in Deutschland, ob nun die Spiele der Nationalmannschaft, die Bundesliga oder das Auftreten im internationalen Bereich und ganz besonders Alba Berlin. Ich finde, dass sich in den vergangenen Jahren viel getan hat und wir international immer wettbewerbsfähiger geworden sind. Der deutsche Basketball hat sich immens verbessert, die Rekordanzahl von deutschen Spielern in der NBA spricht hier ebenfalls eine deutliche Sprache. In der EuroLeague sind wir für die ganz Großen ernst zu nehmende Gegner geworden und ich habe große Hoffnungen für das deutsche Team bei der WM in China. Wenn wir dort gut abschneiden, glaube ich, dass das eine sehr positive Wirkung auf den Basketball generell in Deutschland haben wird. Ich werde auf jeden Fall schwer die Daumen drücken.

Interview: Andreas Detert | Fotos: NBA, Getty Images

„Ich finde, dass sich in den vergangenen Jahren viel getan hat und wir international immer wettbewerbsfähiger geworden sind. Der deutsche Basketball hat sich immens verbessert.“ Maik Matischak
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