Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Interview mit Michael Luccisano, Geschäftsführer der Biothys GmbH

„In unserem Alltag nehmen wir Gerüche nicht bewusst wahr“, sagt der Geschäftsführer. „Für die Nachbarschaft eines Industriegebiets kann schlechter Geruch aber sehr schnell zum Konfliktfall werden.“ Biothys konzentriert sich auf die Neutralisierung von Geruchsemmissionen – von flüchtigen organischen Verbindungen bis zu gasförmigen Schwefelverbindungen. Die Lösungen reichen von passiven Trägermaterialien bis zu automatisierten diffuserbasierten Systemen, die Wirkstoffe in Form feiner Partikel steuern. Wichtig ist, dass die Technologie ohne zusätzliche aggressive Chemie oder übermäßigen Wasserverbrauch auskommt.

Michael Luccisano kennt Biothys aus jeder Perspektive. Er begann 2002 in der Produktion, übernahm später Verantwortung als Produktions- und Einkaufsleiter und wurde 2022 Geschäftsführer. „Ich habe den gesamten Weg im Unternehmen durchlaufen“, sagt Michael Luccisano. „Das hilft, technische Machbarkeit und wirtschaftliche Realität zusammenzudenken.“ Biothys wurde 1999 gegründet und ist bis heute als spezialisiertes, mittelständisches Unternehmen organisiert.

Internationale Kundenbasis

Das Unternehmen hat sich seit der Gründung 1999 eine internationale Kundenbasis aufgebaut. Branchen wie Abfallwirtschaft, Abwasserentsorgung, Petrochemie, Transport oder Straßenbau gehören dazu. „Wir arbeiten für Energiekonzerne, kommunale Betriebe und Industrieunternehmen gleichermaßen“, so Michael Luccisano, „unsere Aufgabe ist immer die gleiche: Wir machen industrielle Aktivität akzeptabler, indem wir das unerwünschte Nebenprodukt – den Geruch – systematisch reduzieren.“ Nach Unternehmensangaben werden Lösungen in über 40 Ländern eingesetzt, von Europa über Asien bis Nord- und Südamerika.

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis nennt Herr Luccisano für die Abwasserbehandlung: Dort können Schwefelwasserstoff und andere Geruchsbestandteile über Kanalsysteme entweichen und zu massiven Belästigungen in Wohnquartieren führen. Biothys-Systeme, die oft in Abwasserkanälen installiert werden, erzeugen dort eine kontrollierte Neutralisation. „Wir sehen, dass Behörden und Anwohner zunehmend striktere Grenzwerte für Geruchseinheiten fordern“, sagt der Geschäftsführer. „Unternehmen müssen frühzeitig handeln, sonst drohen Einschränkungen im Betrieb oder teure Nachrüstungen.

Die Coronapandemie hinterließ auch bei Biothys Spuren. „Wir hatten 2023 und 2024 schwierige Jahre aufgrund globaler Verzögerungen“, gesteht Michael Luccisano. „Trotzdem konnten wir profitabel bleiben und unsere Entwicklungsprojekte weiter vorantreiben.“ Im Zentrum der Innovationen steht derzeit eine neue Generation von Geräten, die effizientere Wirkstoffverteilung und niedrigere Betriebskosten versprechen. Parallel werden strategische Projekte angeboten, etwa mit Kommunen im Nahen Osten und in Nordamerika, wo schnelle Lösungen zur Akzeptanzsteigerung urbaner Infrastruktur gefragt sind. Dank dieser Maßnahmen befindet sich das Unternehmen seit 2025 wieder auf Wachstumskurs.

Geruchsmanagement als strategischer Standortfaktor

Ein Thema, das Michael Luccisano besonders am Herzen liegt, ist die Perspektive von Geruchsmanagement als strategischer Standortfaktor. „Viele Unternehmen sehen Geruchstechnologien zunächst als Kostenfaktor“, sagt er. „In der Praxis aber können sie darüber entscheiden, ob ein Projekt genehmigt wird oder nicht.“ In Frankreich etwa gelten strikte Grenzwerte für wahrnehmbare Gerüche, und Überschreitungen können zu Produktionsstopps führen – ein eindeutiger regulatorischer Druck, der technische Lösungen unumgänglich macht.

Doch trotz internationaler Projekte bleibt Biothys mittelständisch organisiert: Das Team umfasst weniger als ein Dutzend Spezialisten, und der Fokus liegt auf schlanker Struktur und engen Kundenbeziehungen. Das internationale Wachstum wird über Partnernetzwerke gesteuert. „Wir müssen in der Tiefe und nicht nur in der Breite wachsen“, erklärt der Geschäftsführer. Gleichzeitig macht ihm der Fachkräftemangel zu schaffen, vor allem wenn Sprach- und Anwendungskompetenz gefragt sind.

Am Ende bleibt dennoch ein nüchternes Fazit: Ob in Industrieparks oder kommunalen Infrastrukturen – unangenehme Gerüche sind ein operatives Risiko, das sich technisch beherrschen lässt. Und für Unternehmen wie Biothys ist es eine Chance, industrielle Prozesse gesellschaftlich tragfähig zu machen.

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