Stilvolle Herrenmode für jeden Moment

Interview mit Sascha Mader und Ulrich Franke, Geschäftsführer der Miltenberger Otto Aulbach GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Mader, was sind die Hintergründe des Relaunchs?

Sascha Mader: Das Unternehmen ist in den Händen der 3. Generation der Gründerfamilie Aulbach. 2022 hat diese die Geschäftsführung zum ersten Mal in der über 70-jährigen Geschichte der Firma in die Hände familienfremder Personen gelegt. Das sind Ulrich Franke, Stefan Hofmann und ich. Herr Franke und ich waren bereits seit Längerem für das Unternehmen tätig, haben uns aber auf unsere Lizenzmarke KARL LAGERFELD konzentriert.

Wirtschaftsforum: Welche Veränderungen haben Sie seit der Übernahme der Geschäftsführung vorangetrieben und was haben Sie sich als Ziele vorgenommen?

Sascha Mader: Unser Ziel ist es, der Marke Hechter Paris die alte Strahlkraft zurückzugeben. Dazu haben wir uns auf die Heritage der Marke zurückbesonnen. Dies ist ein Mix aus Formal, Outer und Casual Wear sowie Strickprodukten. Auch unsere traditionelle blau-weiß-rote Farbwelt lassen wir wieder aufleben. Die Assets der Marke sind über viele Jahre vernachlässigt worden. Wir haben in den letzten zwei Jahren einfach alles hinterfragt und hatten auch den Mut, antizyklisch zu entscheiden. Ein Asset war und ist sicherlich unsere langjährige Kundenbasis, die auf gewachsenem Vertrauen basiert.

Wirtschaftsforum: Sie haben all diese Entscheidungen in einer sehr herausfordernden Zeit getroffen. Die Coronapandemie war noch nicht vorbei, der Krieg in der Ukraine schon ausgebrochen.

Ulrich Franke: Das ist richtig. Tatsächlich war die Pandemie aber ein guter Treiber unserer Transformation. Wir mussten fokussieren und haben schnell gemerkt, was gut läuft und was nicht. Wir haben die berühmten alten Zöpfe abgeschnitten, viele Dinge infrage gestellt. Mit viel Herzblut und gleichzeitig Distanz haben wir eine neue Marke gebildet. Das war der wichtigste Schritt in unserer Transformation. Wir haben die Heritage und Themen der Familie mit modernem Management verbunden, das Erbe der Marke zukunftsfähig gemacht, die Wurzeln und DNA der Kollektionen wieder stärker herausgearbeitet, gleichzeitig moderne Einflüsse integriert.

Wirtschaftsforum: Was genau ist die DNA von Hechter Paris?

Sascha Mader: Wir stehen für Formal Casual und Smart Formal, für das französische Lebensgefühl ‘Savoir Vivre’. Unser Fokus bleibt die Herrenoberbekleidung, modern und lässig, mit Jersey und Strick. Wir stehen für mehr als Anzüge. Daniel Hechter hat eine starke Sportvergangenheit. Das verleiht der Marke Funktionalität und Bewegungsfreiheit. Hechter Paris ist glaubwürdig, wenn es um Anzüge geht, aber auch im Casual-Bereich. Mit dieser Definition stellen wir uns attraktiv für unsere bestehenden und ehemaligen Kunden, aber auch für die junge Zielgruppe auf.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie sich jetzt am Markt, im Vergleich zu anderen Anbietern?

Ulrich Franke: Wir sind noch kein Milliardenkonzern, sondern eher wieder das New Kid on the Block. Unsere Preispolitik ist ‘Affordable Premium’, das trifft den Zeitgeist und ist auch einer unserer USPs. Unsere Markensprache ist Premium und unsere Kunden sind positiv von dem hohen Modegrad zu einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis überrascht. Um dem Handel, der zurzeit auch harte Zeiten erlebt, Flexibilität zu geben, haben wir uns auch im NOS-Geschäft aufgestellt.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit beim Relaunch der Marke?

Ulrich Franke: Das Thema steht bei uns weit oben auf der Agenda. Wir haben hier schon vor der Pandemie einige Weichen gestellt. Diese außergewöhnliche Zeit hat das Thema zusätzlich befeuert. Wir arbeiten in unseren Kollektionen verstärkt mit nachhaltigen Materialien wie zum Beispiel recyceltem Polyester und Organic Cotton. Außerdem ist es unser Ziel, komplett klimaneutral zu versenden. Sustainable wird zum neuen Standard werden.

Wirtschaftsforum: Sie sind also trotz aller Unsicherheit am Markt, für dieses Jahr auf Wachstum eingestellt?

Sascha Mader: Absolut. Wir sehen mit unserem Relaunch jetzt eine große Chance, zurück zu unserer alten Marktposition zu finden. Wir haben das Glück, ein Team aus hochmotivierten und qualifizierten Leuten zu haben – gemeinsam möchten wir noch relevanter am Markt werden. Mit unserem Retail-Umsatz sind wir global schon auf einem sehr guten Weg. Wir sehen im Bereich Menswear in Europa das Potenzial, eine hohen dreistelligen Millionenbereich zu erreichen.

Ulrich Franke: Es ist kein Sprint, sondern eher ein Marathon, zu einem global relevanten Handelspartner zu werden. Wir möchten trotz all dieser Wachstumsziele auch ein verlässlicher Partner für unsere Mitarbeiter bleiben. Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, auf der Basis unserer Werte zu wachsen und all unsere Stakeholder mehr als zufriedenzustellen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Interview mit Tom Segert, Mitgründer und CEO der Berlin Space Technologies GmbH

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Kaum ein Unternehmen dürfte derart komplex zu gründen und zu skalieren sein wie ein Satellitenhersteller: Tom Segert und seine Partner haben es dennoch getan – mit beachtlichen Erfolgen, die sich…

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

Schnell reagieren können

Interview mit Steven Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH Kunststoffverarbeitung

Schnell reagieren können

Wie wird aus einem kleinen Familienbetrieb ein hochmoderner Kunststoffspezialist mit 150 Maschinen? Steven ­Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH in Spechtsbrunn bei Sonneberg, kennt die Antwort. Im Interview spricht er über…

Spannendes aus der Region Landkreis Miltenberg

Gemeinsam stärker fürs Netz

Interview mit Uwe Hildebrandt, Geschäftsführer und Denis Wiesner, Geschäftsführer der Stadtwerke-Netzdienste Dreieich und Neu-Isenburg GmbH

Gemeinsam stärker fürs Netz

Die Energiewende stellt kommunale Netzbetreiber vor gewaltige Herausforderungen. Stromnetze müssen ausgebaut, Wärmestrategien neu gedacht und Fachkräfte gewonnen werden – gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen und Kostendruck. Die Stadtwerke-Netzdienste Dreieich…

Raum für Veränderung

Interview mit Benjamin von Schretter, Geschäftsführer, und Gabriele Tertilt, Head of Marketing der Adapteo GmbH

Raum für Veränderung

Schulen, Kitas, Industrieunternehmen und große Infrastrukturprojekte brauchen Räume, die schnell verfügbar sind und sich veränderten Anforderungen anpassen können. Genau hier setzt die Adapteo GmbH mit modularen Gebäudelösungen an. Geschäftsführer Benjamin…

Wenn gutes Essen Schule macht

Interview mit Michael Roder, Geschäftsführer OPAL Catering GmbH

Wenn gutes Essen Schule macht

Jeden Tag landen unzählige frisch zubereitete Mahlzeiten auf den Tellern von Kindern in Schulen und Kitas im Großraum Frankfurt. Hinter diesem täglichen Einsatz steht die OPAL Catering GmbH, ein regional…

Das könnte Sie auch interessieren

Exzellenz statt Masse

Interview mit Piero Giachi, Präsident der Jackytex – Industria Tessile Della Maglia S.p.A

Exzellenz statt Masse

Mode lebt von Ideen, doch es beginnt lange vor dem fertigen Kleidungsstück – beim Material. In der Textilindustrie wird es dabei immer wichtiger, Qualität und Handwerk mit verantwortungsvoller Produktion zu…

„Qualität ist nicht  verhandelbar“

Interview mit Fausto Valente, General Manager und Guido Rimini, Export Manager der IRS Industrie Riunite Spalmati s.r.l.

„Qualität ist nicht verhandelbar“

Die Einsatzmöglichkeiten für Kunstleder und beschichtete Materialien haben sich deutlich erweitert. Neben Mode, Schuhen und Lederwaren gewinnen Möbel, Nautik, Automotive, Medizin und technische Anwendungen an Bedeutung. Gefragt sind Materialien, die…

Wetterschutz mit Stil

Interview mit Jan Henning, Country Manager Deutschland und Chief Commercial Officer der Didriksons Deutschland GmbH

Wetterschutz mit Stil

Konsumzurückhaltung und steigende Preissensibilität fordern den Outdoor-Markt heraus. Die Didriksons Deutschland GmbH begegnet dem mit langlebigem Wetterschutz, zeitlosem skandinavischem Design und einer konsequenten Markenführung. Chief Commercial Officer Jan Henning spricht…

TOP