Vielfalt. Technologie. Begeisterung.

Interview mit Matthias Kainz und Christian Kainz, Geschäftsführer der metron eging GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kainz, metron eging ist gerade 25 Jahre alt geworden. Welche Meilensteine würden Sie hervorheben?

Christian Kainz: Unser oberstes Prinzip war immer, sich den Kundenwünschen anzupassen. Schon 1998, ein Jahr nach unserer Gründung, haben wir uns als erstes Messebauunternehmen europaweit zertifizieren lassen. Im Expo-Jahr 2000 hat sich BMW in München unter dem Motto ‘Clean Energy’ mit dem Wasserstoff-Thema präsentiert. Dafür haben wir tolle Ausstellungskomponenten gebaut. Wir waren eines der wenigen Unternehmen, die sich getraut haben, solche Themen konstruktiv und in der Fertigung umzusetzen. Seit 2007 sind wir auch im Exponatebau tätig. Bei den Exponaten geht es darum, Menschen, die nicht technisch versiert sind, Technik zu erklären. Dafür haben wir zusammen mit BMW, Audi und Siemens eine eigene Abteilung gegründet.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihr Portfolio besonders aus?

Christian Kainz: Wir sind heute weit entfernt von einem normalen Messebauer, denn wir können unseren Kunden den gesamten Messestand anbieten. Das umfasst Wand, Boden, Decke, Architektur und Licht. Wir sind überall dort präsent, wo es um temporäre Bauten geht.

Matthias Kainz: Die Lamborghini-Läden auf der ganzen Welt werden zum Beispiel von uns im Interieur ausgebaut und gestaltet. Für unsere international aufgestellten Kunden sind wir in diesen Fällen die Schnittstelle zu den einzelnen Händlern. Wir bauen aber auch hochkomplexe Exponate wie Holoboxen, beispielsweise für den Luxusuhrenhersteller Lange & Söhne. Uns zeichnet nicht nur eine große Vielfalt, sondern auch eine extreme Eigenfertigungstiefe aus. Der Kunde bekommt von uns alles aus einer Hand, von der Konstruktion und Machbarkeitsprüfung bis zur Herstellung jedes einzelnen kleinen Teils. Wir sind ein Zusammenschluss von einzelnen Handwerksbetrieben von der Schreinerei über die Schlosserei bis zur Lackiererei. Dass wir alles selbst in der Hand haben, ermöglicht uns, sehr schnell und flexibel zu reagieren.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?

Matthias Kainz: Neben Eging haben wir Niederlassungen in Ingolstadt und München sowie zwei Standorte in China. Dort produzieren wir für den asiatischen Markt. Insgesamt beschäftigen wir rund 350 Mitarbeiter, davon 220 in Eging.

Wirtschaftsforum: Wie erleben Sie die aktuelle Marktsituation?

Christian Kainz: Aktuell sind unsere Auftragsbücher mehr als voll. Die Branche verändert sich. Autobauer wenden sich von der einen oder andere Messe ab. Man holt die Händler lieber zu sich ins Haus. Dann haben wir aber auch wieder sehr große Events. Eine große Herausforderung sind die Logistikkosten, sie gehen gerade durch die Decke. Das schreckt manche Kunden ab. Für uns ist es umso wichtiger, unsere Kunden weiterhin auch in Asien und den USA gut zu bedienen. In den vergangenen Krisenjahren waren wir sehr erfolgreich. Denn wir beschäftigen uns mit dem Kunden. Er muss sparen, und dabei helfen wir ihm, etwa durch Optimierung der Lagerhaltung. Wir bieten ihm an, sein Material bei uns zu lagern und es so sinnvoll und nachhaltig einsetzen zu können.

Matthias Kainz: Corona war zunächst auch für uns ein Schlag ins Gesicht. Hier hat es sich aber ausgezahlt, dass wir auf mehrere Säulen bauen. Dank unseres Systems ist der Kunde in der Lage, selbst weltweit zu handeln. Was das Energiethema angeht: Wir denken seit Jahren nachhaltig. Ein Viertel der von uns benötigten Energie erzeugen wir regenerativ. Wir nutzen ein Blockheizkraftwerk und zusätzlich Holzpellets. Anträge zum Bau einer Kleinwindkraftanlage sind bereits eingereicht.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich?

Christian Kainz: Ich bin begeisterter Bergsteiger. Beim Besteigen eines Bergs fragt man sich manchmal, warum man sich das antut. Auf dem Gipfel angekommen weiß man es dann. So ist es für uns auch, wenn unsere Kunden am Ende zufrieden sind. Zu ihnen haben wir ein sehr enges Verhältnis. Ich arbeite zum Beispiel seit 28 Jahren mit BMW zusammen. Dieses Unternehmen habe ich mit aufgebaut, und wir sind hier sehr familiär, mit unseren Mitarbeitern und mit unseren Kunden. All das macht mich sehr stolz und glücklich.

Matthias Kainz: Die Greifbarkeit – immer für jeden im Team erreichbar zu sein –, die Bodenständigkeit und ein guter Schuss Emotionalität, das ist das Geheimrezept im Mittelstand. Daraus ergibt sich die Leidenschaft, und die ist der Weg zum Erfolg.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Interview mit Thomas Waggershauser, Geschäftsführer der acontis technologies GmbH

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Ihre Lösungen kommen beim Start der Ariane 6 genauso zur Anwendung wie im Automotive-Segment oder in der Halbleiterindustrie. Trotzdem dürften nur Brancheninsider jemals von acontis technologies gehört haben. Dem Erfolg…

Vom Familienbetrieb zur  Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Interview mit Antonio ­Cervino, Geschäftsführer der Steegmüller Kaminoflex GmbH

Vom Familienbetrieb zur Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Volatile Energiemärkte, politische Unsicherheiten und steigende Qualitätsanforderungen prägen die Schornsteinbranche. Die Steegmüller Kaminoflex GmbH steht für Systemkompetenz und Fertigungstiefe. Mit der Integration in die italienische EXPO Inox Gruppe beginnt ein…

Spannendes aus der Region Landkreis Passau

Serielle Vorfertigung als Schlüssel moderner Wohnkonzepte

Interview mit Alexander Hartl, Geschäftsführer der Penzkofer Bau GmbH

Serielle Vorfertigung als Schlüssel moderner Wohnkonzepte

Steigende Baukosten, Fachkräftemangel und langwierige Genehmigungen setzen die Branche unter Druck. Gleichzeitig entstehen durch neue Materialien, digitale Prozesse und modulare Bauweise völlig neue Möglichkeiten. Die Penzkofer Bau GmbH, ein leistungsstarkes…

Transformation auf Augenhöhe

Interview mit Thomas Blöchl, CEO der T.CON GmbH & Co. KG

Transformation auf Augenhöhe

Wer die digitale Transformation in der produzierenden Industrie voranbringen will, braucht mehr als technologische Expertise. Gefragt sind Partner, die Prozesse verstehen, Veränderungen begleiten und Unternehmen langfristig durch den Wandel führen.…

Arbeitswelten im Wandel

Interview mit Nina Heisinger, Geschäftsführerin der Heisinger Büro- & Objekteinrichtung GmbH & Co. KG

Arbeitswelten im Wandel

Das Büro kehrt zurück – jedoch in neuer Funktion. Wer heute Mitarbeitende bewusst vor Ort zusammenbringen möchte, benötigt weit mehr als Schreibtische und Besprechungsräume. Es geht um Orte, die Austausch…

Das könnte Sie auch interessieren

Sicherheit mit System

Interview mit Dr. Timo Stock, Geschäftsführer der TELENOT Electronic GmbH

Sicherheit mit System

Wenn Sicherheit mehr sein soll als Technik, braucht es Systeme, die zuverlässig im Hintergrund laufen – und Partner, die den Überblick behalten. Ob Filialnetz, Industrieanlage oder kritische Infrastruktur: Anforderungen und…

Auf Kurs Zukunft: Infrastruktur ganzheitlich denken, planen, umsetzen

Interview mit Falko Griesert, Geschäftsführer der PBVI Planung Bauüberwachung Vermessung für Infrastruktur GmbH

Auf Kurs Zukunft: Infrastruktur ganzheitlich denken, planen, umsetzen

Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist Rückgrat einer funktionierenden Wirtschaft und Voraussetzung für nachhaltige Mobilität. Vor diesem Hintergrund verfolgt die PBVI Planung Bauüberwachung Vermessung für Infrastruktur GmbH mit Sitz in Berlin das…

TOP