Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Interview mit Ciril Faia, CEO Curium International

Wirtschaftsforum: Herr Faia, Sie sind CEO von Curium International, einem auf die Nuklearmedizin spezialisierten Unternehmen, das jährlich mehr als 14 Millionen Menschen mit diagnostischen und therapeutischen Radiopharmazeutika versorgt. Können Sie das Unternehmen grob skizzieren?

Ciril Faia: Curium ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit Hauptsitz in Boston, das in den 1960er-Jahren gegründet wurde. Wir unterscheiden zwischen den drei Geschäftseinheiten Nordamerika, International und BioPharma, beschäftigen 3.000 Mitarbeiter, fokussieren uns zu 100% auf die Nuklearmedizin und stellen rund 50 verschiedene Produkte her. Auf dem Weg an die Weltspitze gab es einige Meilensteine. Bedeutsam war zum Beispiel das Jahr 2017 als IBA Molecular und Mallinckrodt Nuclear Medicine LLC zu Curium

fusionierten und dadurch das größte radiopharmazeutische Produktionsnetzwerk weltweit entstand. Ein weiterer Meilenstein war der Einstieg in die Therapie im Jahr 2020, sodass wir unsere Kompetenzen im Laufe der Zeit von der Diagnostik zur Therapie weiterentwickeln konnten.

Wirtschaftsforum: Was genau bedeutet Nuklearmedizin?

Ciril Faia: Die Nuklearmedizin ist ein Teilgebiet der Medizin, das kleine Mengen radioaktiver Isotope einsetzt, um verschiedene Krankheiten zu diagnostizieren oder zu behandeln. Sie nutzt Tracer, die sich an Moleküle spezifischer Erkrankungen binden, vor allem bei Tumoren, aber auch bei kardialen Erkrankungen und solchen des Skeletts. Man unterscheidet zwischen drei Techniken: der konventionellen Szintigraphie und den zwei Tomographieverfahren SPECT und PET. Die nuklearmedizinischen Untersuchungen kommen vor allem bei Schilddrüse, Skelett und Herz zum Einsatz. Bei der Diagnostik wird ein Isotop mit niedriger Radioaktivität verwendet. Der Patient wird gescannt, um die Krankheit zu erkennen. Bei der Therapie bindet sich der Tracer an die Tumorzellen und trägt ein stärkeres Isotop, das die DNA der Tumore zerstört.

Wirtschaftsforum: Was genau kennzeichnet das Curium-Portfolio?

Ciril Faia: Curium ist auf Schilddrüsen- und Hyperthyroid-Krebs spezialisiert und bietet umfassende Therapieprogramme für Prostatakrebs und neuroendokrine Tumore, die lange nicht erfolgreich behandelt werden konnten. Unsere Produkte ermöglichen eine präzise Frühdiagnose und Behandlung von Krebs sowie Herz-, Hirn- und Knochenerkrankungen. Das Besondere an den nuklearmedizinischen Diagnose­scans ist, dass sie einzigartige Informationen liefern und gleichzeitig nicht-invasiv sind. Tracer binden sich nur an Tumore und bleiben nicht im gesunden Gewebe; damit ist das Therapieverfahren sicherer als eine Chemotherapie, hat begrenzte Nebenwirkungen und eine hohe Effizienz.

Wirtschaftsforum: Gibt es besondere Herausforderungen bei der Arbeit mit nuklearmedizinischen Produkten?

Ciril Faia: Natürlich haben wir es mit Sicherheitsaspekten und pharmazeutischen Regulatorien zu tun. Die größte Herausforderung liegt darin, dass die Produkte radioaktiv sind, schnell verfallen und nicht lange gelagert werden können. Es ist entscheidend, dass sie so schnell wie möglich zu den Patienten kommen, damit die Radioaktivität nicht sinkt. Das heißt, der schnelle und sichere Transport spielt eine entscheidende Rolle. In Zeiten von Covid, als zum Beispiel der Flugverkehr eingeschränkt wurde, war dies ein Problem. Auch Probleme bei Reaktoren können herausfordernd sein und zu Produktknappheit führen. Wir setzen deshalb auf Diversifizierung und innovative Technologien.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit bei einem Unternehmen, das in der Nuklearmedizin tätig ist?

Ciril Faia: Eine große. Nachhaltigkeit ist in der Curium-DNA verankert. Radioaktive Produkte müssen besonders gut geschützt werden, damit sie Menschen, die sie transportieren, produzieren und verwenden, nicht schaden. Viele Produkte, mit denen wir arbeiten, werden recycelt. Beispielhaft sind die Bleicontainer, in denen die radioaktiven Dosen transportiert werden. Sie werden zurückgeschickt, recycelt und für neue Dosen verwendet. Intern setzen wir auf Photovoltaik, energieeffiziente Prozesse und erneuerbare Energien, um unseren CO2-Fußabdruck zu reduzieren.

Wirtschaftsforum: Curium ist Weltmarktführer der Branche. Wo soll die Reise in Zukunft hingehen?

Ciril Faia: Wir werden weiter Innovationen auf den Markt bringen, die Patienten mehr Lebensqualität bringen. In Deutschland haben wir erste kommerzielle Dosen von PYLCLARI eingeführt, einem PET-Tracer zur Diagnostik von Prostatakrebs. Unsere Business Unit BioPharma arbeitet an weiteren Krebsarten und treibt Innovationen für die Zukunft an. Der Markt wächst und bietet großes Potenzial. Das Marktvolumen liegt heute bei 6 bis 7 Milliarden EUR; in den nächsten 10 bis 15 Jahren wird es auf 35 bis 40 Milliarden EUR steigen. Curium wird mit dieser dynamischen Entwicklung Schritt halten. Im Zuge unserer Wachstumsstrategie sind unter anderem neue Standorte in Deutschland geplant.

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