Komplexität in der Elektronikfertigung
Interview mit Andrea Thoma, Geschäftsführerin und Stefan Thoma, Geschäftsführer der Elektronic Thoma GmbH

Wirtschaftsforum: Wie hat sich Ihr Unternehmen entwickelt?
Stefan Thoma: 1979 als Radio- und Fernsehtechnikbetrieb gegründet, verlagerte sich der Fokus früh auf die Elektronikfertigung – zunächst am Küchentisch und im Keller. Ein entscheidender Meilenstein war 1994 die Investition in eine SMD-Maschine – gegen den Widerstand der Bank. Das war der Grundstein für das heutige Unternehmen.
Andrea Thoma: Bis dahin war alles echte Handarbeit. Schon in den 1980er-Jahren haben wir Leiterplatten manuell bestückt und erste Industriekunden aufgebaut. Diese frühe Praxisnähe prägt unsere Arbeitsweise bis heute.
Wirtschaftsforum: Ihr Einstieg und die Struktur heute?
Stefan Thoma: Ich bin seit 1999 im Unternehmen und habe mich vom Mitarbeiter in der Fertigung bis in die Geschäftsführung entwickelt. Heute beschäftigen wir rund 86 Mitarbeitende und profitieren von kurzen Entscheidungswegen.
Andrea Thoma: Ich bin seit 1998 dabei und habe meine Ausbildung im Betrieb gemacht. Wir führen das Unternehmen gemeinsam als Geschwister – das sorgt für schnelle Abstimmung und ein starkes Wir-Gefühl.
Wirtschaftsforum: Wodurch heben Sie sich vom Wettbewerb ab?
Stefan Thoma: Wir verstehen uns als Komplettdienstleister – von der Entwicklung über Materialbeschaffung und Bestückung bis hin zu Test, Gerätebau und Versand. Unsere größte Stärke ist die Kombination aus Flexibilität und technologischer Tiefe.
Andrea Thoma: Für unsere Kunden bedeutet das ein echtes Rundum-sorglos-Paket. Wir begleiten Projekte von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt und übernehmen auch Service und Reparaturen – die Grundlage für Vertrauen und langfristige Partnerschaften.
Wirtschaftsforum: Wie hat sich Ihr Geschäft entwickelt?
Stefan Thoma: Unser Umsatz liegt in der Regel zwischen 10 und 12 Millionen EUR, mit einem Ausreißer auf etwa 14 Millionen EUR im Jahr 2024. Aktuell sehen wir wieder eine Normalisierung.
Andrea Thoma: Gleichzeitig sind die Herausforderungen gestiegen: Lieferketten sind unsicherer geworden, Transportzeiten länger und Kosten deutlich höher. Das spüren wir im Tagesgeschäft sehr stark.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Nachhaltigkeit?
Stefan Thoma: Digitalisierung ist für uns zentral. Wir arbeiten mit vernetzten Systemen und digitaler Rückverfolgbarkeit. Aktuell bauen wir ein neues ERP-System auf, mit dem wir KI-gestützt analysieren können.
Andrea Thoma: Beim Thema Nachhaltigkeit setzen wir auf pragmatische Lösungen: Photovoltaik, effiziente Technik und gezielte Optimierungen. Wichtig ist für uns, dass Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll bleiben.
Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit Unsicherheiten um?
Stefan Thoma: Als Familienunternehmen können wir schnell entscheiden und flexibel reagieren. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber größeren Strukturen.
Andrea Thoma: Gleichzeitig behalten wir immer das große Ganze im Blick – wirtschaftlich, technologisch und menschlich. Gerade in unsicheren Zeiten ist das entscheidend.
Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?
Andrea Thoma: Mit der ISO 9100 wollen wir perspektivisch auch Bereiche wie Luft- und Raumfahrt erschließen. Wachstum soll dabei bewusst und Schritt für Schritt erfolgen.
Stefan Thoma: Wir investieren weiter in Maschinen und planen einen Neubau am Standort. Zudem arbeiten wir an neuen Zertifizierungen, um zusätzliche Märkte zu erschließen. Entscheidend bleibt unser Ansatz: Wir setzen auf unsere Mitarbeitenden, auf Qualität und auf langfristige Entwicklung. Unser Leitsatz gilt unverändert: Stillstand ist Rückschritt.











