„Standard ist nicht unbedingt besser!“
Interview mit Morris Wilisch, geschäftsführender Gesellschafter der masetec GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wilisch, unter dem Motto „Sensing the World“ bieten Sie mit masetec maßgeschneiderte Sensorlösungen für nahezu jede Anwendung an. Worauf liegt dabei Ihr Fokus?
Morris Wilisch: Der Name masetec hat – wie unsere Produkte – zwei Komponenten: Magnetik und Sensorik. All unsere Sensoren benötigen also auch einen Magneten, damit das entsprechende System funktioniert, egal ob es dann in der Medizintechnik oder in einer Kaffeemaschine für Verbraucher eingesetzt wird, um den jeweiligen Betriebszustand oder die Positionierung einer bestimmten Komponente zu überwachen.
Wirtschaftsforum: Wie kundenspezifisch müssen Ihre Lösungen dabei ausfallen?
Morris Wilisch: Das kommt ganz darauf an. In der Tat besteht in unserem Marktsegment ein spürbarer Preisdruck, und viele Kunden sind versucht, für ein möglichst einfaches und kostengünstiges Sourcing ein Produkt von der Stange zu kaufen. Das kann sich jedoch spätestens in der Produktion rächen, denn Standard ist eben nicht unbedingt besser. Nicht selten entstehen dann in der Fertigung zusätzliche Kosten für das Handling, wenn vielleicht noch ein eigener Stecker angebracht oder der Sensor an das jeweilige Gehäuse angepasst werden muss: Dies führt dann wiederum zu höheren Personal-, Verwaltungs- und Lagerkosten, die bei einer kundenspezifischen Plug-and-Play-Lösung nicht angefallen wären und diese zur insgesamt günstigeren Variante gemacht hätten.
Wirtschaftsforum: Wie begegnet masetec dem steigenden Kostendruck im Markt?
Morris Wilisch: Viele unserer Kunden, die früher in Deutschland produziert haben, wenden sich aktiv Alternativen in Asien und Osteuropa zu, eine Entwicklung, aus der masetec schon früh Konsequenzen gezogen hat. Durch unsere enge Zusammenarbeit mit OEMs in verschiedenen Ländern, die unsere Systeme für uns herstellen, können wir unsere Kunden sowohl Sensortechnik made in Europe zur Verfügung stellen, die in Ungarn oder Rumänien gefertigt wird, als auch Komponenten aus chinesischer Produktion, wenn es auf den Preis besonders ankommt oder sehr hohe Stückzahlen nachgefragt werden. Partnern, die auf Produkte made in Germany bestehen oder nur so kleine Mengen ordern, dass die Frachtkosten aus Ostasien unwirtschaftlich wären, bieten wir natürlich auch Komponenten aus Deutschland an. Mit diesem dreigliedrigen Ansatz, über den wir sämtliche möglichen Anforderungen abdecken können, wollten wir uns schon früh für möglicherweise fundamentale Verschiebungen rüsten: Denn auf Dauer werden in Deutschland wohl nur noch Maschinenbauhersteller ansässig sein, die besonders komplexe kundenspezifische Anlagen produzieren.
Wirtschaftsforum: Auch seine Vertriebsaktivitäten möchte masetec möglichst schlank halten.
Morris Wilisch: Wir arbeiten gern mit erfahrenen Handelspartnern und Distributoren zusammen, die ihre Märkte und Vertriebskanäle in der Tiefe kennen. Dafür verzichten wir gern auch auf den einen oder anderen Prozentpunkt Marge.
Wirtschaftsforum: Kürzlich sind Sie außerdem Inhaber der hlm elektronik GmbH geworden.
Morris Wilisch: Dieses Unternehmen hat in der Vergangenheit Magnetsensoren in Petershagen in Nordrhein-Westfalen produziert. Dieses Geschäftsfeld wurde dort inzwischen eingestellt und vollständig auf masetec verlagert, um uns mit der hlm elektronik GmbH vollständig auf ihre angestammten Kernkompetenzen zu konzentrieren: die Produktion von Schwimmerschaltern zur Überwachung von Füllständen für den Maschinenbau. Für den Fall der Fälle, dass die Supply Chains aus China in Zukunft aus geopolitischen Gründen einmal nicht mehr verlässlich aufrechterhalten werden können sollten, steht uns mit der hlm elektronik GmbH aber eine stabile Auffanglösung bereit, die sich im Zweifel jederzeit reaktivieren ließe, um unsere Kunden auch im Fall einer Krise mit entsprechenden Produkten versorgen zu können, wenn auch dann zu anderen Kostenbedingungen.
Wirtschaftsforum: Eine mögliche Verwerfung, für die immer größere Teile der hiesigen Industrie sensibilisiert werden müssten?
Morris Wilisch: Schon jetzt bestehen bedeutende Restriktionen für den Export von Seltenen Erden und anderen sensiblen Rohstoffen aus China. Als vergleichsweise kleines und entsprechend flexibles Unternehmen konnte masetec frühzeitig weitreichende Vorkehrungen treffen und Vorräte auf Lager halten, um im Zweifel noch umfangreichere Exportbeschränkungen abzufedern. Dazu haben wir mit unseren Kunden auch langfristige Rahmenverträge geschlossen, worin perspektivisch ein wichtiger Nutzen für beide Seiten liegen könnte: Denn auch ein C-Teil mit einem Beschaffungswert von ein paar Cent kann zu einem gefühlten A-Teil werden, wenn die Produktion stillsteht, weil es nicht vorrätig ist. Auf Basis unserer langjährigen Expertise sehen wir uns bei masetec in der Verantwortung, den Markt für diese Problematik zu sensibilisieren, wozu wir unter anderem informative Videos für unseren YouTube-Kanal planen. Das erste Video zu den Exportbeschränkungen befindet sich bereits in Vorbereitung und wird bald veröffentlicht.











