Technologische Souveränität für die Versicherungswelt

Interview mit Thomas Ludwig, COO der Novum-RGI Germany GmbH

1993 in Nürnberg gegründet, ist das Unternehmen seit 2019 Teil der europäischen RGI-Gruppe mit Sitz in Mailand. Rund 200 Mitarbeiter arbeiten im DACH-Raum, konzernweit sind es etwa 1.200. Novum-RGI konzentriert sich ausschließlich auf Versicherungssoftware – keine Banken, keine allgemeinen Finanzprodukte, keine private Krankenversicherung. Nach einer ersten Beratungsphase entstand das Framework ‘V‘ger’; in den Jahren 2010 und 2011 folgte der Schritt zur Standardsoftware. Mit der Produktfamilie ‘V‘ger’ bündelt das Unternehmen zentrale Kernprozesse – von Vertrags- und Schadensverwaltung über Inkasso und Provision bis zu Drucksystemen – als Suite zur Senkung von Komplexität und IT-Kosten. Im Sachversicherungsbereich ist Novum-RGI im Tier-2- und Tier-3-Segment stark positioniert, im Lebensversicherungsmarkt werden weitere Anbieter adressiert, ein Bereich, der nun ausgebaut werden soll. 80% der Kunden stammen aus Deutschland, ergänzt durch Österreich, die Schweiz und punktuell Osteuropa; auch Nordeuropa wird geprüft. „Wir konzentrieren uns bewusst auf die lokalen Spezifika des deutschsprachigen Marktes, statt eine globale Einheitsplattform zu forcieren“, betont Thomas Ludwig. Die Einführung solcher Systeme dauert mehrere Jahre und ist ressourcenintensiv, weshalb neben moderner Architektur ein strukturiertes Vorgehen, Qualifizierungskonzepte, Referenzen und ein echtes Rundum-sorglos-Paket inklusive Konzern- und Private Equity-Rückhalt entscheidend sind – gerade in einem Umfeld, in dem viele IT-Großprojekte scheitern.

Wachstum, KI und langfristige Stabilität

2026 stehen der Ausbau des Lebensmoduls, erste produktive KI-Einsätze sowie weiteres Wachstum – organisch wie anorganisch – im Fokus. Der Suite-Trend hält an, während KI etwa bei der automatisierten AGB-Auswertung oder in der Schadensregulierung erhebliche Effizienzpotenziale eröffnet; auf Branchenmessen dominiert das Thema inzwischen deutlich. Ziel ist es, manuelle Prozesse zu reduzieren und finanzielle Nachhaltigkeit zu sichern – Systeme müssen 20 bis 30 Jahre tragfähig bleiben. Trotz starken Wachstums blieb die teamorientierte Kultur mit kurzen Entscheidungswegen und hoher personeller Kontinuität bestehen. Flexible Homeoffice-Regelungen erleichtern die Fachkräftegewinnung, da sich der Arbeitsmarkt entspannte, Nürnberger Konzerne Stellen abbauten und der ‘München-als-Staubsauger’-Effekt an Dynamik verlor. „Mich motiviert die langfristige Entwicklung unserer Produkte und ihr Einfluss auf unsere Kunden. Man begleitet die Entstehung von der Pike auf, macht Fehler, lernt daraus und sieht, wie das eigene ‘Baby’ erfolgreich wird“, sagt Thomas Ludwig.

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